„Alumni Career Talks“ mit CAU-Absolvent Kirchem

Marketing und Medien: Chancen beim Konsumgüterhersteller Unilever

Wie viel von dem theoretischen Rüstzeug aus dem BWL-Studium braucht man später in der Berufspraxis? Was für ein Führungsstil entwickelt sich in einer Unternehmenskultur, in der sich alle duzen? Und wie gelingt überhaupt der Einstieg bei einem global agierenden Großunternehmen? Media Director und CAU-Absolvent Arne Kirchem gab in seinem Vortrag Einblicke in seinen Werdegang und die Arbeit bei Unilever.

 

„Was habe ich mitgenommen vom Studium an der Uni Kiel?“ – Arne Kirchem © Bevis Nickel, Uni Kiel.

Text: Lambert Schultz

In dem fachübergreifenden Veranstaltungsformat „Alumni Career Talks“ berichten Alumni in Führungspositionen von ihrem beruflichen Weg nach dem Studium und geben Tipps und Erkenntnisse an junge Leute weiter; die Termine für das Wintersemester 2018/19 stehen bereits fest. Am 3. Juli war der CAU-Absolvent Arne Kirchem bei den Career Talks an der Uni Kiel zu Gast. Als er mit seiner Präsentation begann, wartete er gleich mit einer Überraschung auf: Für den Berufseinstieg bei einem Weltkonzern braucht man einen Masterabschluss? Nicht so bei Unilever. Dort stehen andere Aspekte im Vordergrund.

Der holländisch-britische Konsumgüterhersteller von Markenartikeln aus den Bereichen Ernährung, Körperpflege, Kosmetik sowie Wasch- und Reinigungsmittel ist in 160 Ländern vertreten und auch von der Belegschaft her entsprechend international aufgestellt. Kirchem selbst machte vor seinem Einstieg bei Unilever ein Praktikum in Mumbai.

Er rät sehr dazu, Praxiserfahrungen im Ausland zu sammeln. Daneben sei die Persönlichkeit der Bewerber wichtig. Übernimmt jemand beispielsweise schon neben dem Studium Verantwortung? Für das „Future Leaders Programme“ sucht Unilever stets Nachwuchskräfte, denen das Unternehmen zutraut, bis zur Direktorenebene aufzusteigen. Für den Einstieg reicht tatsächlich ein Bachelorabschluss aus.

 

Das BWL-Studium und die Praxis

Arne Kirchem selbst studierte BWL, als einer seiner Professoren ihm die Empfehlung gab, sich bei dem holländisch-britischen Großkonzern zu bewerben. So startete er direkt nach dem Hochschul-Abschluss im Traineeprogramm des Konsumgüterherstellers. In seiner Diplomarbeit hatte Kirchem sich Fragen der Produktinnovationen gewidmet. Neben dem allgemeinen Tipp, für die Abschlussarbeit ein Thema zu wählen, welches Jahre später noch relevant ist, ging er auch auf die Bedeutung der Studieninhalte für die tägliche Arbeit im Unternehmen ein.

Als Media Director im Marketing ist der gebürtige Kieler heute in der Deutschlandzentrale von Unilever in Hamburg für die Media-Planung verantwortlich. Zentral für ihn ist dabei die Frage, in welchen Medien das Unternehmen seine Inhalte unterbringen kann. Hinzu kommen Preisverhandlungen sowie das Netzwerken mit Agenturen und anderen Akteuren aus der Medienbranche.

 

 

Folie aus der Präsentation. Quelle: Arne Kirchem

 

Für Kirchem sind vor allem statistische Modelle und Methoden wichtig. Fast täglich hat er beispielsweise mit Regression sowie multivariaten Analysen zu tun, etwa zur Werbewirkungsmessung. Auch die Marketingtheorien von einst (AIDA-Modell, etc.) sind noch nicht völlig veraltet. Daneben nutzt er heute Erkenntnisse aus der Spieltheorie für Verhandlungen sowie Entscheidungstheorien bei sehr komplexen Entscheidungsprozessen. Viele Manager tendieren seiner Ansicht nach dazu, aus dem Bauch heraus zu entscheiden. In seiner Arbeit hilft ihm dagegen ein analytisches Vorgehen, um Entscheidungen auf eine rationale Grundlage zu stellen. Sein Fazit:

„Ich muss auch ehrlicherweise zugeben, dass vieles, was ich im Studium für reine Theorie hielt, tatsächlich eine gute Basis für die Praxis darstellt.“

Der Führungsstil bei einer Du-Unternehmenskultur

Bei Unilever duzen sich alle. Auch in der Medienbranche sei dies gang und gäbe, wie er sagt. Da war es nur konsequent, dass er auch uns Studenten im Vortrag das „Du“ anbot. Da man mit Anredeformen Hierarchien herstellen kann, baut das allgemeine Duzen Barrieren ab. Dies ermögliche eher flache Hierarchien und den von Arne Kirchem bevorzugten „Führungsstil auf Augenhöhe“.

Er möchte, dass seine Kollegen mit ihm mehr als Teammitglied kommunizieren, weniger als Vorgesetztem. Darüber hinaus ist es sein Ziel, Potenziale zu erkennen und „Stärken zu stärken“. In seinem Team arbeitet er mit vielen Spezialisten zusammen, deren Entwicklung er beispielsweise fördern möchte, indem er Verantwortung übernimmt. So hat ein Experte für Instagram vielleicht einen Influencer oder Kooperationspartner für eine Marketingkampagne ausfindig gemacht. Arne Kirchem kann dann sagen: „Nimm du den Influencer beziehungsweise Kooperationspartner, ich stehe für das Budget gerade.“

 

Ideale der Nachhaltigkeit umsetzen

Als Konsumgüterhersteller hat Unilever auch eine große ökologische Verantwortung. Das Konzept der Nachhaltigkeit ist zunächst ein Ideal. Die Frage ist: Wie kann man Mitarbeiter und vor allem Führungskräfte dazu bringen, im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln und zu entscheiden?

Der Konzern geht dabei so vor, dass er Aspekte der Nachhaltigkeit in die Zielvereinbarungen seiner Führungskräfte aufnimmt. So hat ein Brand-Manager nicht mehr nur finanzielle Vorgaben zu erfüllen, sondern auch ökologische. Hierbei kann es etwa um die Anzahl des verwendeten Papiers gehen oder darum, bei den Produktverpackungen Flaschen aus Plastik durch andere Alternativen zu ersetzen. Dabei bewertet der Konzern den Erfolg seiner Führungskräfte auch am Erreichen dieser Vereinbarungen.

Arne Kirchem sieht Unilever auf einem sehr guten Weg, das bis 2020 gesteckte Ziel der eigenen  nachhaltigkeitsorientierten „Kompass-Strategie“ zu erreichen. „Unsere Vision ist es, profitabel zu wachsen und dabei unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren sowie unseren positiven sozialen Einfluss zu verstärken“, fasst der Media Director zusammen.

 

Stellenangebote an der Pinnwand und ein Wiedersehen

Im Laufe des „Alumni Career Talks“ wurden viele Fragen gestellt und diskutiert. Arne Kirchem hatte Anzeigen zu mehreren offenen Stellen in seinem Unternehmen im Gepäck, darunter einige bei der Konzernzentrale in Hamburg. Wer sich für das Unilever Future Leaders Programme bewirbt, absolviert im digitalen Online-Auswahlprozess zuerst Online-Games, hat dann ein digitales Interview und wird schließlich zum Discovery Centre eingeladen. Da Kirchem selbst zum Gremium gehört, welches über Neueinstellungen entscheidet, war er der ideale Ansprechpartner für alle Interessierten.

Sein Fazit zum Abend:

„Der CAU fühle ich mich auch nach über 30 Jahren noch verbunden und hoffe, dass meine Erfahrungen dem einen oder anderen bei den Entscheidungen für berufliche Schritte nach dem Studium helfen. Mir hat es damals geholfen, herauszufinden, was mir Spaß macht und wie sehr Marketing mich fasziniert.“

Nach Hamburg ist der Weg nicht weit und das Team der Alumni Career Talks freut sich, dass Arne Kirchem versprochen hat wiederzukommen! Noch vorher geht es im Wintersemester 2018/19 mit diesen Alumni weiter (u.a. von der Henkel AG, Xing SE und Continental AG).

Die nächste Veranstaltung
„CAU Business Coffee Break“ am 15. September 2018 mit Merete Beckmann (Learning & Development Manager, Google).

 

Weiterführende Informationen

 

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