Aus dem Gestern fürs Morgen lernen

Service Learning in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Lernen durch Engagement – mit theoretischen Inputs, Berufsorientierung und praktischer Projektarbeit: All das hielt ein Seminar bereit, das in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) der Kieler Universität stattfand.

Text: Julia Sandmann, PerLe

 

Ausgangssituation

Lernen durch Engagement funktioniert besonders gut, wenn Studierende die Möglichkeit bekommen, an konkreten Projekten mit Partnern aus der Praxis zusammenzuarbeiten, dadurch Bedarfe der Gesellschaft erkennen und diese bearbeiten.

Ein solches Projekt fand im Wintersemester  2015/16 an der Kieler Universität statt. Das vielschichtige Lernprojekt für Studierende aller geisteswissenschaftlichen Fächer  war eine Kooperation zwischen dem Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS),  dem Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen PerLe und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

 

Ablauf der Veranstaltung

Am Anfang stand ein theoretischer Teil, der unter anderem Inputs zur Berufspraxis verschiedener Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte bereithielt. Die Studierenden lernten dadurch die Arbeit und die Anforderungen innerhalb der Gedenkstätte kennen und konnten sich ein Bild der Tätigkeitsfelder machen.

Für die folgende praktische und selbstorganisierte Projektarbeit wählten die Studierenden aus drei Projektideen, die in enger Kooperation mit der Gedenkstätte Neuengamme in die Praxis umgesetzt wurden:

  1. Ergänzung eines bereits bestehenden Audio-Guides um eine Audioführung für Gäste, die eine kürzere Verweildauer auf dem Gelände der Gedenkstätte anstreben* Das (Das Arbeitsergebnis ist hier abrufbar: www.museum.de/de/audioguide/172)
  1. Tagungsbericht über eine Tagung zum Hamburger Fußball im Nationalsozialismus (Das Arbeitsergebnis ist hier abrufbar: http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6545)
  1. Archiv-Recherchen als Basis für eine Ausstellung der Gedenkstätte.

 

Während der selbstorganisierten Arbeitsphase an den Projekten bekamen die Studierenden Informationen und Materialien von unterschiedlichen Mitarbeitern, die die jeweiligen Projekte in der Gedenkstätte betreuen. Zu den verschiedenen Formen der Recherche zählte unter anderem auch ein Besuch in Neuengamme, um zu verstehen, wie dort gearbeitet wird. Unterstützung erhielten alle Beteiligten durch die Koordination und Betreuung von Mark Müller-Geers (PerLe), hierzu gehörten auch Reflexionseinheiten während des Seminarverlaufs und zu dessen Abschluss.

 

 

Nach Seminarabschluss hat die Audiorundgangsgruppe ihre Arbeitsergebnisse auch der Leitungsrunde der KZ-Gedenkstätte vorgestellt. Inzwischen ist die Version der Studierenden gemäß Besucherwünschen weiter modifiziert und sogar ins Russische und ins Englische übersetzt worden. Die Arbeitsergebnisse sind zudem nach wie vor online abrufbar, das Engagement der Studierenden wirkt nachhaltig.

Bilanz

Die Idee, den Studierenden konkrete Projektideen an die Hand zu geben und sie nicht selbst ein Projekt ausarbeiten zu lassen, wurde von allen Beteiligten als hilfreich empfunden. Hintergrund für diese Entscheidung waren sowohl der umfangreiche, geschichtsträchtige Kontext der Gedenkstätte als auch die Kürze der gesamten Bearbeitungszeit während eines Semesters.

Rückblickend wäre es aus Sicht der Gedenkstättenmitarbeiter sinnvoll gewesen, der Theorie-Einheit an der Kieler Universität bereits einen Gedenkstättenbesuch vorzuschalten. So hätten sich die Studierenden bereits an Ort und Stelle einen Eindruck und erste Einblicke zu für ihre Projektarbeit gewonnen. Auch was die Verbindlichkeit der studentischen Mitarbeit anbelangt, würde er beim nächsten Mal von Vornherein noch klarere Regeln aufstellen, denn am Ende des Semesters waren noch zwei der drei Studierendengruppen aktiv und konnten zur Abschlusspräsentation ihre engagierten Projekte vorstellen.

 

 

Zu dieser Präsentationsrunde gehörte auch eine Abschlussreflexion, in der sich die Studierenden bewusst machten, in welchem Bereich sie durch das Seminar dazugelernt haben:

„Wir hatten viel Spaß dabei, Theorie und Praxis zusammenzubringen und uns einmal wirklich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen – und hoffen, dass wir mit dem Audioguide auch andere dazu motivieren können! Wir haben etwas wirklich Nützliches geschaffen und es fühlt sich toll an, nicht nur eine Note zu bekommen, sondern am Ende auch ein wirkliches Produkt in den Händen zu halten!“

 

Auch das Fazit des externen Projektbeteiligten fiel sehr positiv aus und unterstreicht die Notwendigkeit, Seminare in dieser oder ähnlicher Form durchzuführen:

„Wir legen großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Studierenden und Schulen –und profitieren sehr von den Ideen der jungen Menschen. Von dem tollen Ergebnis des Kooperationsprojekts mit der CAU sind wir hin und weg!“ (Herbert Diercks, Neuengamme)

 

„Hier ist Service Learning zu sehen, wie es funktionieren kann und soll: zu beiderseitigem Nutzen! Für die Gedenkstätte wurde ein nutzbares Produkt u.a. in Form eines Audioguides hergestellt und die Studierenden lernten ein Projekt von der Idee bis zur Umsetzung.“  (Wibke Mattes, ZfS)

 

 

 

 

Kontakt
Dr. Oliver von Wrochem
KZ-Gedenkstätte Neuengamme
oliver.vonwrochem@kb.hamburg.de

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