Vortragsreihe „Aus Forschung und Praxis“

27. September 2018: Barrierearme Lehre im Blickpunkt

Die Vortragsreihe „Aus Forschung und Praxis: Akademische Lehre“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bietet Einblicke in aktuelle Themen der Hochschullehre. Zusätzlich zu spannenden Gastvorträgen halten die vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) ausgerichteten Veranstaltungen Raum für Diskussionen und für den Transfer in die eigene Lehre bereit. Den Auftakt machte Professorin Gabi Reinmann (Universität Hamburg) mit dem Thema „Forschendes Lernen prüfen"; Vortrag und Präsentation der Referentin sind online abrufbar. Am 27. September steht bereits der nächste Termin auf dem Programm: Sara Gross und Bildungsfachkräfte vom Kieler Institut für Inklusive Bildung werden sich dem Thema „Barrierearme Lehre“ widmen.

Text: Dr. Kathrin Ludwig

 

Nachbericht: Hochschuldidaktische Gedanken zu einer Theorie des Prüfens

Am 8. Mai startete die Vortragsreihe „Aus Forschung und Praxis: Akademische Lehre“ mit der Hamburger Professorin Gabi Reinmann. In ihrem Vortrag zum Thema „Forschendes Lernen prüfen“ ging die Referentin von drei Grundtypen der Prüfung aus, die sie speziell in Hinblick aufs Forschende Lernen betrachtete:

  1. Mündliche Prüfungen (Vortrag, Prüfungsgespräch)
  2. Schriftliche Prüfungen (Klausur, Hausarbeit)
  3. Praktische Prüfungen (Demonstration von Kompetenzen, Anfertigung eines Produkts)

Diese drei Prüfungsformen, deren Abgrenzung voneinander nicht immer eindeutig ist, lassen sich vielfältig variieren – zum Beispiel in der Sozialform, in der Form der verwendeten Ressourcen oder auch, was die Bedingungen ihrer Umsetzung anbelangt. Die Form der Prüfung hängt dabei vor allem von der jeweiligen Zielsetzung ab: Dient die Prüfung ausschließlich dazu, das angeeignete Wissen zu ermitteln? Oder sollen auch erworbene Erfahrungen Teil der Prüfung sein, etwa durch die Einbindung einer Reflexionsphase?

Die Universität stellt an Studierende den Anspruch, selbst forschend tätig zu werden. Beim Prüfen forschenden Lernens ist es daher sinnvoll, die Prüfungsleistung der Studierenden auf deren Forschung abzustimmen und dabei auch die persönlichen Erfahrungen einzubeziehen, die die Studierenden während des Forschungsprozesses sammeln konnten. So könnten etwa ein Vortrag oder eine Hausarbeit die Form eines Forschungsberichts annehmen. In einer Klausur könnten Studierende das gewonnene Wissen oder die erworbene Methodik an Fallbeispielen illustrieren. Als praktische Prüfungen wären Live-Experimente oder die Analyse produzierter Artefakte denkbar.

„Entfremdung“ vom Lernprozess minimieren

Dabei stellt sich die Frage, wie die erbrachte Forschungsleistung nicht nur nach, sondern bereits während des Prozesses überprüft werden kann. Prüfende sollten sich bewusst machen, dass die Leistung ihrer Prüflinge nicht zuletzt darin besteht, über die eigene Arbeit zu reflektieren, flexibel auf Entwicklungen im Prozess zu reagieren und Ergebnisse wissenschaftlich interpretieren zu können. Prüfungsformate, die dies berücksichtigen, können eine „Entfremdung“ des Prüfens vom Lernprozess minimieren oder ganz vermeiden. Wissen verankert sich nachhaltiger, wenn es sich mit Erfahrung verbinden kann, und das typische „Bulimie-Lernen“ zum Ende eines Semesters unterbleibt hoffentlich.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Bewertbarkeit Forschenden Lernens. Forschung beinhaltet immer auch die Möglichkeit des Scheiterns. Doch gerade ein Fehlschlag birgt die Chance, über den Grund des Scheiterns zu reflektieren, dazuzulernen und beim nächsten Anlauf erfolgreicher zu sein. Welche Bewertungskriterien gelten also bei gescheiterten Forschungsprojekten? Generell warfen die Teilnehmenden die Frage auf, was beim Forschenden Lernen prüfungs- und bewertungsfähig sein kann. Wie den Erfolg einer persönlichen Reflexion beurteilen? Ist eine Benotung sinnvoll, ist sie überhaupt möglich? Gabi Reinmann vertrat in der Diskussion die Position, bei der Ausgestaltung von Prüfungsformaten nicht nur die genuin psychologische Perspektive etwa aus der aktuellen Kompetenzforschung einzunehmen, sondern ergänzend dazu auch eine pädagogisch-didaktische Perspektive, um Antworten auf diese Fragen zu finden.

 


Im September und Oktober finden zwei weitere Veranstaltungen der Vortragsreihe statt, zu denen PerLe alle Interessierten herzlich einlädt:

Barrierearme Lehre, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Inklusive Bildung, Kiel
Termin: Do. 27. September 2018, 12.15 – 13.45 Uhr
Vertieftes Verständnis und Behalten von Wissen fördern, Dr. Stephanie Müller-Otto, Hochschule der Medien Stuttgart
Termin: Mo. 8. Oktober 2018, 12.15 – 13.45 Uhr, persönlicher Austausch mit der Referentin bis 14.45 Uhr

 

Kontakt

Sabine Reisas
Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe)
Tel.: 0431 / 880-5941
sreisas@uv.uni-kiel.de

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