Besinnliche Explosionen

Weihnachtsvorlesung zeigt chemischen Jahresrückblick

Am Mittwoch, 20.12.2017, brachten die Institute für organische und anorganische Chemie der CAU weihnachtliche Stimmung in den Hörsaal. Unter dem Motto „Feuer, Farben, Paukenschläge“ präsentierten die Professoren Ulrich Lüning, Felix Tuczek und Wolfgang Bensch zusammen mit den technischen Mitarbeitenden Maren Rasmussen und Klaus Kleinert explosive Experimente.

 Text: Johanna Rädecke & Eva-Lena Stange
(Studentinnen/PerLe)

Der Hörsaal war wie auch in den vergangenen Jahrzehnten bis auf den letzten Platz gefüllt. Dennoch wurde das in diesem Jahr neu eingeführte Sicherheitskonzept mit Vorab-Online-Anmeldung gleich eingangs mit einer ironischen Spitze bedacht: Die neue Hausordnung nagelten die Vortragenden – passend zum Lutherjahr – mit einer tiefgefrorenen Banane an ein Brett.

Es folgte ein chemisch-satirischer Jahresrückblick, in welchem unter anderem die politischen Parteien Deutschlands aufs Korn genommen wurden. So legten die Chemikerinnen und Chemiker „die GroKo auf Eis“, indem sie farblich passende Luftballons in flüssigen Stickstoff tauchten. Nach dem Platzen der Jamaika-Verhandlungen wurde schwarz-grün-gelben Luftballons bei einer Knallglas-Explosion das gleiche Schicksal zuteil. Stattdessen befreite man nun die schwarz-roten Ballons aus ihrem eisigen Gefängnis, woraufhin sie sich zur vollen Größe entfalteten.

Auch ans leibliche wohl des Publikums hatte das Organisationsteam dieser Weihnachts-Vorlesung gedacht – allerdings erbarmte sich niemand der unter Starkstrom gegrillten Würstchen; auch die „Hölle der Gummibärchen“ – Gummibärchen in geschmolzenem Kaliumchlorat – wollte nach Experimentende keiner mehr essen.

Für helle Erleuchtung und weihnachtliches Flair sorgten zahlreiche Verbrennungen. Ob grell gleißender Magnesiumblock, glühende Eisenspäne oder der rot glimmender 50-Euro-Schein eines Studenten – die Zuschauer waren hellauf begeistert.

Felix Tuczek, Professor für anorganische Chemie, betonte die Wichtigkeit der Weihnachtsveranstaltungen für die gesamte Universität: „Diese Vorlesung gab es schon, als ich 1999 an die Uni gekommen bin. Die Vorlesung ist immer sehr gut besucht und ein Höhepunkt des Unijahres.“

Dafür nehme das Organisationsteam auch eine Vorbereitungszeit von drei bis vier Wochen in Kauf, so Professor Bensch. „Zuerst überlegen wir, was in dem Jahr so alles passiert ist. Danach wählen wir die passenden Experimente aus.“ Der G20-Gipfel war beispielsweise ein guter Anlass, um geräuschvolle Knalleffekte in das Programm einzubinden.

 

Zu guter Letzt erlaubten sich die Chemikerinnen und Chemiker einen kleinen Seitenhieb auf den aktuellen Abgasskandal und zeigten, was bei der Verbrennung von Diesel an braunen Gaswolken entsteht.

Mystische Rauchschwaden (die Lüftung war ausgefallen) und weihnachtliche Musik begleiteten die Zuschauer aus dem Hörsaal. Zurück blieb nur ein einsamer Student, der seine fünfzig Euro wieder haben wollte.

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