Blended-Learning am Englischen Seminar

Lernen mit Chatbox, Quizzes, Online-Tutorien, Video-Aufzeichnungen u.v.m.

Wie kann eine Vorlesung – bereits dem Wort nach eher monologisch – sinnvoll mit interaktiven Elementen angereichert werden? Dies fragten sich 2008 Lehrende am Englischen Seminar der Universität Kiel und riefen mit Unterstützung des zentralen e-Learning Services ein umfangreiches Blended-Learning-Projekt ins Leben.

Text: Mirjam Michel (Studentin/PerLe)

 

Im Kieler-Woche-Zelt der CAU stellt Dr. Lars Blöhdorn Themen aus seinem Lehralltag vor.

 

Im Pilotprojekt entwickelte das Team 2008 zunächst Blended-Learning-Szenarien für die Einführungsvorlesung in die Linguistik: Interaktive Online-Einheiten und klassischer Präsenzunterricht sollten hierbei ineinandergreifen und einander möglichst gewinnbringend ergänzen. Dank Fördergeldern der eLK.Medien konnte das Englische Seminar das Projekt anschließend weiter ausgebauen und unter anderem eine Hilfskraft speziell fürs e-Learning anstellen. Dr. Lars Blöhdorn, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Englischen Seminar, war von Anfang mit dabei.

„Unser Blended-Learning-Modell steht inzwischen auf mehreren Säulen. Zum einen haben wir natürlich die Vorlesung als klassische Veranstaltungsart“, erklärt Dr. Lars Blöhdorn, „zusätzlich gibt es aber auch Interaktionsmöglichkeiten in Papierform durch Präsenztutorien und durch ein Online-Tutorium, wo wir Adobe Connect nutzen, welches vom Deutschen Forschungsnetz bereitgestellt wird.“

Mit der Software Adobe Connect kann die klassische Seminar-Situation online nachgestellt werden. Es ist eine Art Chatroom für Remote-Meetings, das heißt der Moderater oder die Moderatorin kann sich dort mit einem Videobild einloggen und die anderen Teilnehmenden bekommen wie bei einer Telefon- oder Videokonferenz einen Teilnehmerschlüssel, den sie eingeben müssen, um an der Sitzung teilzunehmen. „Das heißt, dass ich unabhängig von einem Raum ein Tutorium veranstalten kann, zum Beispiel bequem von zu Hause aus“, erklärt Lars Blöhdorn weiter, „die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dann die Möglichkeit, über eine Chatbox Fragen zu stellen und in der Mitte des Bildschirms gibt es einen Tisch, wo man Materialien ausbreiten kann.“ Um den Studierenden flexibles Lernen zu ermöglichen, werden die Online-Tutorien zudem auch aufgenommen. So können Studierende ebenfalls unabhängig von Zeit und Ort auf die Online-Tutorien zugreifen und die Inhalte selbstständig vertiefen. Der Vorteil dabei ist, dass eine unbegrenzte Anzahl von Studierenden an dem Online-Tutorium teilnehmen kann.

Einbindung Sozialer Medien & persönlicher Feedback-Instrumente

Ein wichtiges Anliegen Blöhdorns war es auch, das Lernangebot in den Sozialen Medien zu verankern: „Wenn ich zum Beispiel auf OLAT, der Lernplattform der Universität, einen Chat für eine Vorlesung aufmache, nehmen daran ungefähr dreieinhalb Leute teil. Wenn ich das Ganze dagegen zum Beispiel auf Facebook veranstalte, hole ich die Leute da ab, wo sie im täglichen Leben sowieso schon sind. Das heißt, die Akzeptanz und die Frequenz der Nutzung ist dann sehr viel größer“, erläutert der Dozent.

Ziel des e-Learning-Projektes war es zudem, mithilfe der eigens eingestellten Hilfskraft eine Anlaufstelle für Dozierende zu schaffen. Die Lehrenden erhalten so unmittelbare Unterstützung dabei, e- und Blended-Learning-Elemente in ihre Seminare und Vorlesungen zu integrieren. Mithilfe der Technik gibt es beispielsweise die Möglichkeit, Präsentationen von Studierenden oder Dozierenden aufzunehmen: „Das ist als Feedback-Instrument oft sehr viel effektiver, als wenn ich jemandem meine subjektive Meinung zu einer Präsentation mitteile“, findet Blöhdorn. Außerdem ist es möglich, sich Elemente solcher Aufzeichnungen gezielt noch einmal gemeinsam anzuschauen und zu reflektieren. „Zusätzlich zum Video-Feedback steht mir auch ein Feedback-Bogen zur Verfügung, den alle Teilnehmenden nutzen können.“ Auf diese Weise lernen die Studierenden selbst zu beurteilen, was sie an ihren Präsentationen oder ihrem Präsentationsstil verbessern können. „Das wird sehr positiv aufgenommen, denn es bestärkt Studierende in vielen Fällen“, berichtet Blöhdorn, „und es kann auch dazu führen, dass die Studierenden die ein oder andere Marotte ausmerzen“. Zudem können sich auch Dozierende mit Unterstützung aus der  Wissenschaftlichen Weiterbildung der CAU eine Rückmeldung für aufgezeichnete Präsentationen geben lassen.

Familienfreundlichkeit steigern, spielerisches Lernen ermöglichen

Darüber hinaus will das Englische Seminar mithilfe seiner Online-Angebote auch die Familienfreundlichkeit fördern. Auch ohne physische Präsenz können Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv miteinbezogen werden – Video-Aufzeichnungen, Video-Chat und Diskussionsforen sei dank. „Das elektronische Medium beziehungsweise das soziale Netzwerk verbindet und sorgt für einen Gedankenaustausch, der ansonsten bei Nichtpräsenz verloren gehen würde“, schildert Lars Blöhdorn seine Erfahrung. Innovativ sind auch die Interactive Classroom Quizzes, die als zusätzliches Element in die Linguistik-Vorlesung integriert sind. Wie bei der Fernsehshow Wer wird Millionär? haben die Quiz-Teilnehmenden die Aufgabe, aus vier Antworten die richtige auszuwählen. Um an dem Quiz teilzunehmen, können sich die Studierenden einfach eine bestimmte App auf ihre Smartphones laden. „Auf diese Art kann ich auch ganz schnell das Feedback von 250 Studierenden in eine Vorlesung mit einbeziehen„ erläutert der Anglistik-Dozent weiter, „ich kann zum Beispiel überprüfen, was von den Inhalten der letzten 15 Minuten bei den Teilnehmenden angekommen ist.“

Einen Gedankenaustausch ermöglichen sollen auch die E-Portfolios auf der e-Learning-Plattform OLAT, innerhalb derer Studierende ihre Ideen sammeln und gegenseitig kommentieren können: „Dadurch bekommen wir immer wieder neue Impulse, die Vorlesung wird interaktiv und entwickelt sich durch den Input der Studierenden, der elektronisch gesammelt wird, weiter“, schildert Lars Blöhdorn.

Auch in Zukunft will sich der Englischdozent darum bemühen, die Vorlesungen so anschaulich, wie möglich zu gestalten, um Studierende für Themen wie Linguistik zu begeistern. Einen weiteren Ausbau des e-Learning-Projektes kann er sich daher gut vorstellen: „Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Kollegen und Kolleginnen auf den Zug mit aufspringen und ihren Studierenden auch solche Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Dazu verschickt unsere e-Learning Hilfskraft auch Anregungen, informiert, was es Neues gibt, was positiv aufgenommen worden ist und was einfach zu implementieren wäre.“ Anderen Dozierenden, die ähnliche Elemente in ihre Vorlesung integrieren möchten, rät Blöhdorn:

„Offen an so etwas herangehen, die Ressourcen nutzen, die die Universität bereitstellt und auch selbst immer wieder an Weiterbildungen zu diesen Methoden teilnehmen. Denn die werden hier zur Verfügung gestellt – und das ist wichtig für alle Studierenden, für uns als Lehrende und für die Universität als Gesamtpaket, um für noch bessere Lehre zu sorgen.“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.