Planspiel: Campus-Cup für Frauen

Ein Beitrag von Mikis Bünning (ZfS)

Vertieftes Verständnis für unternehmerische Entscheidungen: Im Wintersemester hat an der CAU erstmals der Planspielwettbewerb Campus Cup – exklusiv für Frauen – stattgefunden. Ob das Projekt Berührungsängste mit BWL-Themen verringern konnte und welche Idee hinter der Geschlechtertrennung steckt, erfahren Sie im Beitrag von Mikis Bünning vom Zentrum für Schlüsselqualifikation.

Um 9:00 geht es also los. 20 Studentinnen aus verschiedenen Studiengängen wie Geographie, Mathematik, Informatik, Medizin, Physik oder Ökotrophologie stellen sich vor und bilden Teams. Jetzt heißt es mit Hilfe eines Businessplan-Tools ein gutes Konzept für die Vermarktung von Surfbrettern zu erarbeiten. Die Teams müssen in ihrem Konzept die sechs Spielrunden im Voraus planen und die Kursleiter von der Tragfähigkeit ihrer Überlegungen überzeugen, damit diese ihnen virtuelle Kredite bewilligen.

campus cup

Die unterschiedlichen Teams treten dann im Spielverlauf auf einem gemeinsamen Markt gegeneinander an und kämpfen damit gleichzeitig um die selben Kunden. Hierbei müssen beispielsweise Entscheidungen über den Verkaufspreis sowie über die Ausgaben für Personal, Forschung und Entwicklung oder Werbung und Verkaufsförderung getroffen werden. Die Entscheidung eines Teams beeinflusst auch immer den Erfolg oder Misserfolg der anderen Teams. Senkt ein Unternehmen seinen Verkaufspreis und produziert eine große Anzahl an Surfbrettern, kann dies zur Folge haben, dass andere Unternehmen ihre produzierte Ware nicht absetzen können. Das Verdrängen der Konkurrenz mag große Vorteile bieten, dennoch müssen trotzdem Gewinne erzielt werden.

„Unternehmerisches Denken lernt man durch unternehmerisches Handeln“

Der große Vorteil eines Planspiels sei es, erläutert Kursleiterin Wibke Matthes, dass auf die eigenen Entscheidungen, unmittelbar Ergebnisse im Marktgeschehen erfolgen und damit auch direktes Feedback für das individuelle Lernen gegeben wird. Ohne persönliches und finanzielles Risiko ist es erlaubt, Fehler zu machen und durch sie zu lernen. Frau Matthes fasst diese Art der Herangehensweise mit folgender Formel zusammen: „Unternehmerisches Denken lernt man durch unternehmerisches Handeln“.

Jedoch werden in einem Campus-Cup-Seminar auch theoretische Inhalte und Begriffe erarbeitet. Die Studierenden lernen im Spiel mit der betriebswirtschaftlchen Sprache umzugehen und können so etwa den Zusammenhang zwischen einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung erkennen. Wie selbstverständlich jonglieren sie mit Begriffen wie Liquidität, Engpass oder Maschinenauslastung.

Die Spielrunden

Neeskea Kriett studiert Ökotrophologie im Master und nimmt an dem Planspiel-Seminar teil. Sie hat sich zwar schon theoretisches Wissen der Betriebswirtschaftslehre aneignen können, jedoch fehlte ihr bislang die praktische Erfahrung. Zusammen mit drei anderen Studentinnen gründet sie nach erfolgreicher Verhandlung mit der Spielleiterbank virtuell das Unternehmen „Fluidsurf“ und konkurriert mit den Unternehmen „Bluesurf“, „Soulsurfer“, „Foamy“ und „Santasurf“. „Fluidsurfs“ Strategie besteht darin, hochwertige Boards zu produzieren, die satte Gewinne abwerfen. Klasse statt Masse. Zunächst muss also erst einmal investiert werden. Daher steckt das Unternehmen 19.000€ in Forschung und Entwicklung.

Die Entscheidungen aller Teams wurden inzwischen eingegeben. Jetzt wartet die erste Runde auf ihre Ergebnisse. Ein Moment lang herrscht Stille. Ihr folgen die Worte der Kursleiterin „Wir haben die Ergebnisse der ersten Runde.“ Alle Augen sind jetzt auf das Beamerbild gerichtet, während Wibke Matthes die Teams durch die Resultate der Runde führt. Alle anderen Unternehmen bleiben in Forschung und Entwicklung bei den Mindestausgaben von 15.000€. „Fluidsurf“ setzt sich also an die Spitze der Qualitätspyramide. Doch der Preis in der ersten Spielperiode von 695€ pro Surfbrett gegenüber den Preisen der Konkurrenz, die zwischen 450€ und 510€ liegen, ist zu hoch angesetzt. „Fluidsurf“ schafft es nicht, die produzierte Ware an die Kunden zu bringen, bleibt das einzige Unternehmen, was nicht ausverkauft ist, und schreibt rote Zahlen. Die nächste Spielperiode läuft besser, kann die Defizite der ersten Runde jedoch nicht ausgleichen. Besonders die Unternehmen „Bluesurf“ und „Santasurf“ konnten bereits hohe Gewinne einfahren.

7 Gedanken zu „Planspiel: Campus-Cup für Frauen

  1. Seriously?

    Gibt es dann auch ein Planspiel nur für Männer? Oder nur für Transgender-Personen? Oder nur für ausländische Studierende? Oder nur für Bayerinnen und Bayern?

    Wer bezahlt das denn? Kriegen die anderen Geschlechter die Finanzmittel in irgendeiner Form auch zugeteilt?

    Und, ich traue mich eigentlich gar nicht den Satz zu zitieren:

    – “ In einem geschlechter-getrennten Seminar, so nahmen einige Teilnehmerinnen vor Seminarbeginn an, ließe sich Gleichberechtigung hinsichtlich der Redeanteile und auch der Entscheidungsfindung besser verwirklichen.“ –

    Das war schon ein Angebot der Uni für Studentinnen, oder? Also alle haben Abitur, oder?

    Wer bitte schön, kann einen solchen Satz äußern ohne dabei rot zu werden?

    Wie kann ich Gleichberechtigung verwirklichen, wenn ich nur unter Frauen bin?

    Richtig. Es findet gerade keine statt, da ja keine Männer dabei sind … Unfassbar …

    Ernsthaft … Aufwachen bitte. 2014 ist das Jahr, in dem wir leben.

    Gleichstellung in beide Richtungen bitte. Keine Alleingänge. Unglaublich ….

  2. Ich finde den zitierten Satz völlig undramatisch. „Gleichberechtigung hinsichtlich der Redeanteile“: Natürlich kann ich die verwirklichen wenn „nur x-Chromosome“ anwesend sind. Heisst doch nur, dass die Person erwartet, dass alle Anwesenden gleich viel zum Gespräch beitragen.
    Gleichberechtigung eben nicht nur zwischen den Geschlechtern – genau nicht nur in zwei Richtungen sondern in diesem Fall zwischen allen Seminarteilnehmerinnen.

    1. „Gleichberechtigung eben nicht nur zwischen den Geschlechtern – genau nicht nur in zwei Richtungen sondern in diesem Fall zwischen allen Seminarteilnehmerinnen.“

      Das würde ja bedeuten, dass in einem gemischten Kurs oder ggf. auch in einem rein maskulin besetzten Kurs keine Gleichberechtigung herrscht, weil ein, zwei oder vielleicht auch drei Gesprächsteilnehmer die anderen nicht zu Wort kommen lassen …

      Nee, das ist nicht das Problem.

      Letztlich ist auch immer der Dozent/die Dozentin gefragt, wie sie/er eine Diskussion steuert.

      Und wenn Frauen scheinbar Probleme haben, in einem gemischten Kurs an der Diskussion zu partizipieren, wie soll das dann im echten Leben funktionieren? Durch Unternehmensvorstände in denen ausschließlich Frauen sitzen?

      Ich glaube es ist viel zielführender, wenn Dozierende in ihren Kursen zum einen bewusst auf eine Gleichbehandlung achten und zum anderen konkret, also verbal, die Teilnehmenden für das Thema senisibilisieren.

      Frauen-exklusive Veranstaltungen sind quatsch. Denn: Auch eine positive Diskriminierung ist immer noch eine Diskriminierung. Und die verbietet unser Grundgesetzt:

      „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. “

      Und nein, positive Diskriminierung von Frauen ist kein Ausgleich für eine jahrelange tatsächliche negative Diskriminierung.

      Vielleicht fangen wir mal damit an, dass zumindest die Möglichkeit besteht, dass das Amt der Gleichstellungsbeauftragten auch von einer männlichen Person besetzt werden darf. Das wäre dann auch mal ein Schritt hin zu einer echten Gleichberechtigung.

      Und dann kümmern wir uns um gleichen Lohn für Mann und Frau.

  3. Super Idee.
    Die Politik diskutiert über die Einführung einer Frauenquote für Führungspositionen und in einem unternehmerischen Planspiel isoliert man die Frauen damit sie in Ruhe arbeiten können.
    Welches Signal möchte man damit geben?
    Das Frauen und Männer nicht auf Führungsebene zusammenarbeiten sollen oder das man seine Kollegin als Mann lieber allein arbeiten lassen soll damit sie besser mit ihrer Arbeit zurechtkommt?
    Am besten ist ja die angebliche Gleichberechtigung bezüglich des Redeanteils.
    Das die Uni einen weniger auf das Arbeitsleben vorberetiet, sondern vielmehr eine breite Pallette an Theorie vermittelt ist ja bekannt. Das man nun aber so weit geht ist ja das Unsinnigste seit langem.
    Im späteren Berufsleben werden Teamsitzungen wohl kaum geschlechtergetrennt abgehalten und ein reines Frauen bzw. Männerteam wird wohl auch in kaum einem Unternehmen zu finden sein. Wenn man der Meinung ist, das Frauen in entsprechenden Entscheidungspositionen in den Debatten den Männern gegenüber zu kurz kommen, dann sollte man das doch bitte sehr in einem Planspiel aufgreifen und trainieren anstatt den Schritt zurückzugehen und einfach den Kurs zu teilen.

  4. Parallel zu dem in diesem Artikel beschriebenen Seminar haben wir ebenfalls ein offenes Angebot für einen Campus Cup für alle gehabt, so dass jede und jeder die Chance hatte teilzunehmen. Beide Angebote wurden gleichzeitig und auf demselben Weg kommuniziert.
    Den neuesten Zahlen zum Frauenanteile in verschiedenen Statusgruppen an der CAU zufolge (http://www.gleichstellung.uni-kiel.de/de/daten-fakten) sind es noch immer mehrheitlich Frauen (58% ), die ein Studium an der CAU abschließen, aber nur 15% der Professuren (W2/W3) werden mit Frauen besetzt. Die Förderung von Frauen in der Wissenschaft durch Lehre und Forschung ist also eine nach wie vor wichtige Aufgabe, die von den Hochschulen im Übrigen laut Hochschulgesetz (§3 Abs. 5) über „Maßnahmen zur Beseitigung bestehender Nachteile für ihre weiblichen Mitglieder“ erfolgen soll.
    Viele Frauen – nicht alle – empfinden einen Lernrahmen unter Frauen als eine sichere, entspannte Atmosphäre, um ihre Kompetenzen auszutesten und melden zurück, dass es zu anderen Themen in der Diskussion um die Lerninhalte kommt, dass andere Fragen gestellt werden und z.T. andere Lösungsstrategien gedacht werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Lernen in gemischtgeschlechtlichen Seminaren schlechter wäre, eben nur anders.

    1. Hallo Wiebke,

      schön, dass es auch ein gemischtes Planspiel gab. Scheinbar aber kein rein maskulin besetztes? Das wäre dann natürlich sehr, sehr schade.

      Zu Deinen Anmerkungen:

      1. Mir ist nicht ganz klar, wie ein Planspiel, das Berührungsängste mit BWL-Themen abbauen soll, dabei helfen soll, Frauen verstärkt in Führungspositionen in der Wissenschaft zu bringen. BWL-Kenntnisse sind meines Wissens nach nicht die primäre Anforderung an wissenschaftliches Personal. Daher zielt der angebotene Kurs doch gerade nicht auf eine wissenschaftliche Karriere, sondern für eine solche in der freien Wirtschaft ab. Oder wo siehst Du den Zusammenhang zwischen BWL und Wissenschaft/Forschung?

      2. Ja, die lieben Statistiken. Die sind ganz toll. Aber: Sie haben zum einen überhaupt nichts mit der Diskussion hier unter dem Artikel zu tun und zum anderen bringen sie uns nicht weiter, da es keine qualitativen Statistiken sind.

      Auf der verlinkten Seite gibt es z.B. keinen Notenspiegel. Es ist ja durchaus denkbar, dass die weiblichen 58% der Fertigstudierten schlechtere Noten haben als die 42% der männlichen Pendants. Gleiches gilt auch für die Promotionen. Könnte das ein Grund dafür sein, dass Frauen später unterrepräsentiert sind?

      Kann freilich auch sein, dass der Notendurchschnitt bei den Frauen besser ist, als bei den Männern. Das wissen wir ja nicht. (Bevor es nun einen Aufschrei gibt: Nein, ich unterstelle nicht, dass Frauen schlechtere Noten als Männer haben. Ich weiß es nicht. Könnte aber sein. Muss aber nicht.)

      In jedem Fall ist das reine Auflisten der Zahlen wenig hilfreich. Es gibt zudem noch weitere Faktoren, die außen vorgelassen werden: Wollen denn alle 58% der Absolventinnen auch eine wissenschaftliche Karriere machen? Ist es nicht denkbar, dass sich ein gewisser Prozentsatz bewusst dagegen entscheidet?

      Hier haben wir aber ein Grundsatzproblem. Denn auch nicht alle Absolventinnen und Absolventen en wollen in die Wissenschaft. Das ist ja auch nicht schlimm. Leider wird immer vorausgesetzt, wenn mit solchen Zahlen jongliert wird, dass der Ruf auf eine Professur für einen Hochschulabgänger/eine Hochschulabgängerin das absolut angestrebte Ziel ist. Glaube ich nicht. Ist auch nicht so.

      3. Schön, dass so etwas im HSG steht. Halte ich aber für falsch. Ich verweise auf das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz. Darüber kann man, finde ich, durchaus diskutieren ohne dass es gleich einen Aufschrei gibt.

      4. Zitat: „Viele Frauen – nicht alle – empfinden einen Lernrahmen unter Frauen als eine sichere, entspannte Atmosphäre, um ihre Kompetenzen auszutesten und melden zurück, dass es zu anderen Themen in der Diskussion um die Lerninhalte kommt, dass andere Fragen gestellt werden und z.T. andere Lösungsstrategien gedacht werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Lernen in gemischtgeschlechtlichen Seminaren schlechter wäre, eben nur anders.“

      Wie ist denn euer Plan, diese „anderen Fragen“ und diese „anderen Lösungsstrategien“ den männlichen Studierenden zukommen zu lassen? Oder sind die Ergebnisse dann nur frauenexklusiv zu verstehen?

      Halte ich für gefährlich. Außerdem, und dass sollte eigentlich jedem/jeder bewusst sein, ist ein perfektes Team immer heterogen besetzt. Es ist ja wissenschaftlich bewiesen, dass Männer und Frauen unterschiedliche Denkmuster vorweisen. Also befruchten sich beide gleichermaßen. In einem perfekten Team gibt es demnach Männer, Frauen, jemand Exentrisches, einen/eine Eigenbrödler/in etc.

      An dieser Stelle sind die Dozierenden gefragt, die Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen entsprechend zu sensibilisieren. Auch das ist Aufgabe eines Lehrkörpers. Macht doch einmal einen Kurs zur Sensibilisierung des Lehrpersonals für geschlechterneutralen Unterricht.

      5. Insgesamt finde ich es schade, dass Du mit Deinem Kommentar eigentlich gar nicht auf die hier aufgeführten Argumente eingegangen bist, sondern leider nur einen sehr allgemeinen Ansatz gewählt hast. Wie gesagt, ich glaube das Jonglieren mit den Zahlen bringt an dieser gar nichts.

      6. Oben im Text steht: „Auch würde man sich eher erlauben Fehler zu machen und es gäbe weniger Scheu davor bei fehlendem Wissen andere Seminarteilnehmer oder auch die Kursleitung offen zu fragen.“

      Seminartilnehmer? Waren doch Männer dabei?

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