Planspiel: Campus-Cup für Frauen

Ein Beitrag von Mikis Bünning (ZfS)

Vertieftes Verständnis für unternehmerische Entscheidungen: Im Wintersemester hat an der CAU erstmals der Planspielwettbewerb Campus Cup – exklusiv für Frauen – stattgefunden. Ob das Projekt Berührungsängste mit BWL-Themen verringern konnte und welche Idee hinter der Geschlechtertrennung steckt, erfahren Sie im Beitrag von Mikis Bünning vom Zentrum für Schlüsselqualifikation.

Für Neeskea Kriett ist die Strategie ihres virtuellen Unternehmens jedoch die richtige: „Die Forschung und Entwicklung unseres Surfbretts hat uns einiges gekostet. Aber das wird sich hoffentlich später auch auszahlen.“ Für die weitere strategische Planung heißt es also weiter Marktführer in Forschung und Entwicklung bleiben, sowie den preislichen Vorstellung und der Zielgruppe treu bleiben. Genau das setzt das vierköpfige Team dann auch um. Doch der Abstand aus den ersten beiden Perioden ist zu groß.

Die Unternehmen „Bluesurf“ und „Santasurf“ setzen sich mit ihren Gewinnen immer weiter ab und machen den Kampf um die Marktführung untereinander aus. Und das ist richtig spannend. Teilweise wirkt es so, als wenn beide Unternehmen synchron ihre Verkaufspreise senken und auch bei den Ausgaben für Werbung, Forschung und Personal dicht aneinander kleben. Jede Veränderung die einen Abstand zwischen beiden Unternehmen erzeugt, ist dann deutlich bei den Absatzzahlen und auch bei Umsatz, Gewinn- und Verlust zu sehen.

Am Ende gewinnt „Bluesurf“ nach einem großen Wettlauf den Spielwettbewerb. „Fluidsurf“ landet mit kleinen Verlusten auf dem letzten Rang, schafft es jedoch weiter das Surfbrett mit der höchsten Qualität anbieten zu können. Für die Endwertung zählen jedoch nicht nur die Ergebnisse des Planspiels, sondern auch eine abschließende Präsentation von Ergebnissen, Strategien und zukünftigen Planungen, sowie der erarbeitete Business-Plan. Bei beidem kann „Fluidsurf“ punkten und verbessert sich so noch um einen Rang.

Nüchterne Planung oder spannendes Pokerspiel?

„Wir sind mit einem Minus aus dem Spiel gegangen, sind unserer Strategie aber treu geblieben. Wir haben versucht, uns mit hochpreisigen und hochqualitativen Boards auf dem Markt zu halten. Die großen Gewinne haben jedoch die Billigboardanbieter gemacht.“ fasst Neeskea Kriett das Ergebnis der sechs Spielrunden zusammen.

So glich das Unternehmensplanspiel an einigen Stellen einem Pokerspiel, wie Neeskea Kriett es ausdrückt: „Als Team hat man einige Informationen über den Markt und kann so spekulieren, was passieren könnte. Die Entscheidungen der anderen Teams bleiben jedoch so lange unbekannt bis gleichzeitig alle Karten aufgedeckt werden. Das führte besonders am Anfang zu sehr großen Überraschungen!“. Es sei ein spannendes Wochenende gewesen, das sehr viel Spaß gemacht hat. Die Entscheidung am Seminar teilzunehmen sei auf jeden Fall die richtige gewesen.

Fazit

Das sahen fast alle anderen Teilnehmerinnen ähnlich. In einer abschließenden Evaluation wurden die 20 Teilnehmerinnen zu verschiedenen Punkten befragt. 18 Teilnehmerinnen gaben an, dass sie Spaß am Seminar hatten und es weiterempfehlen würden. Die Einsteigerfreundlichkeit wurde von 16 Teilnehmerinnen positiv bewertet und 15 Teilnehmerinnen meinten, sie hätten viel gelernt. Die Geschlechtertrennung war nur für sechs Teilnehmerinnen ein Anmeldekriterium.

Für andere Teilnehmerinnen war zum Beispiel der Zeitpunkt des Seminars ein gutes Argument. Erwartungen an ein Seminar unter Frauen betrafen insbesondere die Arbeitsatmosphäre. In einem geschlechter-getrennten Seminar, so nahmen einige Teilnehmerinnen vor Seminarbeginn an, ließe sich Gleichberechtigung hinsichtlich der Redeanteile und auch der Entscheidungsfindung besser verwirklichen. Auch würde man sich eher erlauben Fehler zu machen und es gäbe weniger Scheu davor bei fehlendem Wissen andere Seminarteilnehmer oder auch die Kursleitung offen zu fragen.

Diese Erwartungen sahen alle Teilnehmerinnen, die sich bewusst für ein geschlechtergetrenntes Seminar angemeldet hatten, bestätigt. Für Neeskea Kriett war die Geschlechtertrennung kein Anmeldekriterium. Sie war jedoch positiv von der Harmonie der Teams überrascht. Auch die Dozentin Frau Matthes bewertet die Arbeitsatmosphäre sehr positiv: „Die Stimmung in diesem Seminar ist eine ganz andere als in den bisherigen geschlechtergemischten Seminaren. Die Teilnehmerinnen arbeiten sehr fleißig, gewissenhaft und akribisch an dem Gegenstand. Sie trauen sich Unsicherheit zu zeigen, kommen schnell ins Gespräch und treffen alle Entscheidungen gemeinsam.“

7 Gedanken zu „Planspiel: Campus-Cup für Frauen

  1. Seriously?

    Gibt es dann auch ein Planspiel nur für Männer? Oder nur für Transgender-Personen? Oder nur für ausländische Studierende? Oder nur für Bayerinnen und Bayern?

    Wer bezahlt das denn? Kriegen die anderen Geschlechter die Finanzmittel in irgendeiner Form auch zugeteilt?

    Und, ich traue mich eigentlich gar nicht den Satz zu zitieren:

    – “ In einem geschlechter-getrennten Seminar, so nahmen einige Teilnehmerinnen vor Seminarbeginn an, ließe sich Gleichberechtigung hinsichtlich der Redeanteile und auch der Entscheidungsfindung besser verwirklichen.“ –

    Das war schon ein Angebot der Uni für Studentinnen, oder? Also alle haben Abitur, oder?

    Wer bitte schön, kann einen solchen Satz äußern ohne dabei rot zu werden?

    Wie kann ich Gleichberechtigung verwirklichen, wenn ich nur unter Frauen bin?

    Richtig. Es findet gerade keine statt, da ja keine Männer dabei sind … Unfassbar …

    Ernsthaft … Aufwachen bitte. 2014 ist das Jahr, in dem wir leben.

    Gleichstellung in beide Richtungen bitte. Keine Alleingänge. Unglaublich ….

  2. Ich finde den zitierten Satz völlig undramatisch. „Gleichberechtigung hinsichtlich der Redeanteile“: Natürlich kann ich die verwirklichen wenn „nur x-Chromosome“ anwesend sind. Heisst doch nur, dass die Person erwartet, dass alle Anwesenden gleich viel zum Gespräch beitragen.
    Gleichberechtigung eben nicht nur zwischen den Geschlechtern – genau nicht nur in zwei Richtungen sondern in diesem Fall zwischen allen Seminarteilnehmerinnen.

    1. „Gleichberechtigung eben nicht nur zwischen den Geschlechtern – genau nicht nur in zwei Richtungen sondern in diesem Fall zwischen allen Seminarteilnehmerinnen.“

      Das würde ja bedeuten, dass in einem gemischten Kurs oder ggf. auch in einem rein maskulin besetzten Kurs keine Gleichberechtigung herrscht, weil ein, zwei oder vielleicht auch drei Gesprächsteilnehmer die anderen nicht zu Wort kommen lassen …

      Nee, das ist nicht das Problem.

      Letztlich ist auch immer der Dozent/die Dozentin gefragt, wie sie/er eine Diskussion steuert.

      Und wenn Frauen scheinbar Probleme haben, in einem gemischten Kurs an der Diskussion zu partizipieren, wie soll das dann im echten Leben funktionieren? Durch Unternehmensvorstände in denen ausschließlich Frauen sitzen?

      Ich glaube es ist viel zielführender, wenn Dozierende in ihren Kursen zum einen bewusst auf eine Gleichbehandlung achten und zum anderen konkret, also verbal, die Teilnehmenden für das Thema senisibilisieren.

      Frauen-exklusive Veranstaltungen sind quatsch. Denn: Auch eine positive Diskriminierung ist immer noch eine Diskriminierung. Und die verbietet unser Grundgesetzt:

      „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. “

      Und nein, positive Diskriminierung von Frauen ist kein Ausgleich für eine jahrelange tatsächliche negative Diskriminierung.

      Vielleicht fangen wir mal damit an, dass zumindest die Möglichkeit besteht, dass das Amt der Gleichstellungsbeauftragten auch von einer männlichen Person besetzt werden darf. Das wäre dann auch mal ein Schritt hin zu einer echten Gleichberechtigung.

      Und dann kümmern wir uns um gleichen Lohn für Mann und Frau.

  3. Super Idee.
    Die Politik diskutiert über die Einführung einer Frauenquote für Führungspositionen und in einem unternehmerischen Planspiel isoliert man die Frauen damit sie in Ruhe arbeiten können.
    Welches Signal möchte man damit geben?
    Das Frauen und Männer nicht auf Führungsebene zusammenarbeiten sollen oder das man seine Kollegin als Mann lieber allein arbeiten lassen soll damit sie besser mit ihrer Arbeit zurechtkommt?
    Am besten ist ja die angebliche Gleichberechtigung bezüglich des Redeanteils.
    Das die Uni einen weniger auf das Arbeitsleben vorberetiet, sondern vielmehr eine breite Pallette an Theorie vermittelt ist ja bekannt. Das man nun aber so weit geht ist ja das Unsinnigste seit langem.
    Im späteren Berufsleben werden Teamsitzungen wohl kaum geschlechtergetrennt abgehalten und ein reines Frauen bzw. Männerteam wird wohl auch in kaum einem Unternehmen zu finden sein. Wenn man der Meinung ist, das Frauen in entsprechenden Entscheidungspositionen in den Debatten den Männern gegenüber zu kurz kommen, dann sollte man das doch bitte sehr in einem Planspiel aufgreifen und trainieren anstatt den Schritt zurückzugehen und einfach den Kurs zu teilen.

  4. Parallel zu dem in diesem Artikel beschriebenen Seminar haben wir ebenfalls ein offenes Angebot für einen Campus Cup für alle gehabt, so dass jede und jeder die Chance hatte teilzunehmen. Beide Angebote wurden gleichzeitig und auf demselben Weg kommuniziert.
    Den neuesten Zahlen zum Frauenanteile in verschiedenen Statusgruppen an der CAU zufolge (http://www.gleichstellung.uni-kiel.de/de/daten-fakten) sind es noch immer mehrheitlich Frauen (58% ), die ein Studium an der CAU abschließen, aber nur 15% der Professuren (W2/W3) werden mit Frauen besetzt. Die Förderung von Frauen in der Wissenschaft durch Lehre und Forschung ist also eine nach wie vor wichtige Aufgabe, die von den Hochschulen im Übrigen laut Hochschulgesetz (§3 Abs. 5) über „Maßnahmen zur Beseitigung bestehender Nachteile für ihre weiblichen Mitglieder“ erfolgen soll.
    Viele Frauen – nicht alle – empfinden einen Lernrahmen unter Frauen als eine sichere, entspannte Atmosphäre, um ihre Kompetenzen auszutesten und melden zurück, dass es zu anderen Themen in der Diskussion um die Lerninhalte kommt, dass andere Fragen gestellt werden und z.T. andere Lösungsstrategien gedacht werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Lernen in gemischtgeschlechtlichen Seminaren schlechter wäre, eben nur anders.

    1. Hallo Wiebke,

      schön, dass es auch ein gemischtes Planspiel gab. Scheinbar aber kein rein maskulin besetztes? Das wäre dann natürlich sehr, sehr schade.

      Zu Deinen Anmerkungen:

      1. Mir ist nicht ganz klar, wie ein Planspiel, das Berührungsängste mit BWL-Themen abbauen soll, dabei helfen soll, Frauen verstärkt in Führungspositionen in der Wissenschaft zu bringen. BWL-Kenntnisse sind meines Wissens nach nicht die primäre Anforderung an wissenschaftliches Personal. Daher zielt der angebotene Kurs doch gerade nicht auf eine wissenschaftliche Karriere, sondern für eine solche in der freien Wirtschaft ab. Oder wo siehst Du den Zusammenhang zwischen BWL und Wissenschaft/Forschung?

      2. Ja, die lieben Statistiken. Die sind ganz toll. Aber: Sie haben zum einen überhaupt nichts mit der Diskussion hier unter dem Artikel zu tun und zum anderen bringen sie uns nicht weiter, da es keine qualitativen Statistiken sind.

      Auf der verlinkten Seite gibt es z.B. keinen Notenspiegel. Es ist ja durchaus denkbar, dass die weiblichen 58% der Fertigstudierten schlechtere Noten haben als die 42% der männlichen Pendants. Gleiches gilt auch für die Promotionen. Könnte das ein Grund dafür sein, dass Frauen später unterrepräsentiert sind?

      Kann freilich auch sein, dass der Notendurchschnitt bei den Frauen besser ist, als bei den Männern. Das wissen wir ja nicht. (Bevor es nun einen Aufschrei gibt: Nein, ich unterstelle nicht, dass Frauen schlechtere Noten als Männer haben. Ich weiß es nicht. Könnte aber sein. Muss aber nicht.)

      In jedem Fall ist das reine Auflisten der Zahlen wenig hilfreich. Es gibt zudem noch weitere Faktoren, die außen vorgelassen werden: Wollen denn alle 58% der Absolventinnen auch eine wissenschaftliche Karriere machen? Ist es nicht denkbar, dass sich ein gewisser Prozentsatz bewusst dagegen entscheidet?

      Hier haben wir aber ein Grundsatzproblem. Denn auch nicht alle Absolventinnen und Absolventen en wollen in die Wissenschaft. Das ist ja auch nicht schlimm. Leider wird immer vorausgesetzt, wenn mit solchen Zahlen jongliert wird, dass der Ruf auf eine Professur für einen Hochschulabgänger/eine Hochschulabgängerin das absolut angestrebte Ziel ist. Glaube ich nicht. Ist auch nicht so.

      3. Schön, dass so etwas im HSG steht. Halte ich aber für falsch. Ich verweise auf das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz. Darüber kann man, finde ich, durchaus diskutieren ohne dass es gleich einen Aufschrei gibt.

      4. Zitat: „Viele Frauen – nicht alle – empfinden einen Lernrahmen unter Frauen als eine sichere, entspannte Atmosphäre, um ihre Kompetenzen auszutesten und melden zurück, dass es zu anderen Themen in der Diskussion um die Lerninhalte kommt, dass andere Fragen gestellt werden und z.T. andere Lösungsstrategien gedacht werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Lernen in gemischtgeschlechtlichen Seminaren schlechter wäre, eben nur anders.“

      Wie ist denn euer Plan, diese „anderen Fragen“ und diese „anderen Lösungsstrategien“ den männlichen Studierenden zukommen zu lassen? Oder sind die Ergebnisse dann nur frauenexklusiv zu verstehen?

      Halte ich für gefährlich. Außerdem, und dass sollte eigentlich jedem/jeder bewusst sein, ist ein perfektes Team immer heterogen besetzt. Es ist ja wissenschaftlich bewiesen, dass Männer und Frauen unterschiedliche Denkmuster vorweisen. Also befruchten sich beide gleichermaßen. In einem perfekten Team gibt es demnach Männer, Frauen, jemand Exentrisches, einen/eine Eigenbrödler/in etc.

      An dieser Stelle sind die Dozierenden gefragt, die Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen entsprechend zu sensibilisieren. Auch das ist Aufgabe eines Lehrkörpers. Macht doch einmal einen Kurs zur Sensibilisierung des Lehrpersonals für geschlechterneutralen Unterricht.

      5. Insgesamt finde ich es schade, dass Du mit Deinem Kommentar eigentlich gar nicht auf die hier aufgeführten Argumente eingegangen bist, sondern leider nur einen sehr allgemeinen Ansatz gewählt hast. Wie gesagt, ich glaube das Jonglieren mit den Zahlen bringt an dieser gar nichts.

      6. Oben im Text steht: „Auch würde man sich eher erlauben Fehler zu machen und es gäbe weniger Scheu davor bei fehlendem Wissen andere Seminarteilnehmer oder auch die Kursleitung offen zu fragen.“

      Seminartilnehmer? Waren doch Männer dabei?

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