CLOSURE – Kieler e-Journal für Comicforschung

Forschen im Seminar, Publizieren im Netz

Seit November 2014 gibt es die erste deutschsprachige Zeitschrift für Comicforschung – eine Gründung von Kieler Nachwuchswissenschaftler_innen und Studierenden. Zurzeit arbeitet die Redaktion an der 2. Ausgabe des interdisziplinären e-Journals; der Call for Papers ist seit Kurzem veröffentlicht.

Text: Susanne Schwertfeger, CLOSURE-Team

Ausgangspunkt des e-Journals war das interdisziplinäre Seminar Das Comic als Gegenstand der Forschung für Studierende der Anglistik, Kunstgeschichte und der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft. Alle drei Disziplinen beschäftigen sich bereits seit Längerem mit dem Comic – Ziel war es nun, die unterschiedlichen Ansätze zu einem erweiterten Methodenpool zusammenzuführen. Da jede Fachkultur ihre eigenen Theorien, Methoden und Termini im Gepäck hat, gab es immer wieder Unterrichtssegmente, die sich genau damit beschäftigten, alle Teilnehmer_innen an einen (möglichst) gemeinsamen Ausgangspunkt für die Diskussion zu bringen.

Neben einem einführenden Workshop zur Comichistorie war das wichtigste Hilfsmittel dabei das e-Learningsystem OpenOLAT. Hier entstand durch die Studierenden u.a. ein Wiki mit den wichtigsten Fachbegriffen zum Comic – von Alan Moore bis Zentralperspektive, von Panel bis para-text. Gleichzeitig bot sich eine ideale Plattform zum Austausch und vor allem zur Organisation – denn genau die nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Die Interdisziplinarität ergab von den ‚traditionellen‘ Seminarformen abweichende Strukturen und Anforderungen, die immer wieder der Kommunikation und Klärung bedurften.

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Die Studierenden waren mit einem hohen Maß an Initiative und Arbeitsbereitschaft beteiligt. Für jede Sitzung war nicht nur eine vorhergehende umfangreiche Eigenlektüre erforderlich (Material wieder: OLAT), eine Herausforderung war auch die abweichende Art der Prüfungsleistung: eine Rezension zu einem Comic eigener Wahl verfassen. Um die Anforderungen dieser besonderen Textkategorie zu vermitteln, hatten wir wieder kompetente Unterstützung von außen in Form eines Workshops.

Alle Rezensionen wurden gemeinsam im Kurs besprochen und dann nochmals überarbeitet. Eine wichtige Vorbereitung hierfür waren die Klärung der Struktur für das Feedback und klare Feedbackregeln. So entstand ein Forum für konstruktive Kritik, das alle Autor_innen als sehr hilfreich für die eigenen Texte empfunden haben. Klarer Anreiz war die Perspektive, nicht nur ‚für die Schublade‘ zu schreiben, sondern die eigene Arbeit auch im e-Journal publizieren zu können…

….und seit November 2014 sind diese Rezensionen Teil der ersten Ausgabe von CLOSURE, zusammen mit sechs fachwissenschaftlichen Aufsätzen und inklusive eines perfekten Covermotivs vom Kieler Comickünstler Volker Sponholz. Die Gründung eines e-Journals parallel zum Kurs und die Veröffentlichung der ersten Ausgabe nicht einmal 10 Monate nach dem PerLe-Antrag brachten einen extremen Arbeits- und Organisationsaufwand mit sich.

Das Ergebnis kann kann sich sehen lassen

Die Arbeitsschritte vom Call for Paper bis hin zum Launch sind kleinteilig und vielfältig, und die wichtigste Hilfestellung hierfür war der dritte und letzte Workshop mit dem Titel Gründung eines e-Journals für die inzwischen zusammengestellte Redaktion aus den Dozenten_innen und engagierten Teilnehmer_innen des Seminars. Hierfür stand uns ein echter Profi zur Verfügung, mit unzähligen wertvollen Informationen für redaktionelle Abläufe und Hinweisen auf Fallstricke. Den meisten davon sind wir wohl auch aus dem Weg gegangen. Die Anstrengungen der Redaktionsphasen und die gemeinsamen Nachtschichten für das Setzen der Texte haben sich mehr als gelohnt, und das Ergebnis kann sich sehen lassen, nämlich unter: www.closure.uni-kiel.de.

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Die Seite und ihr Inhalt haben sehr gutes Feedback aus der wissenschaftlichen Community erhalten, denn dank Networking und Öffentlichkeitsarbeit wird CLOSURE wahrgenommen und rezipiert.

Um den Ablauf und die Prozesse der Redaktionsphase zu reflektieren, haben wir diesen Teil gesondert evaluiert (ein wertvoller Tipp aus dem 3. Workshop). Was lief glatt? Wo hat es gehakt? Welche Umwege können wir uns beim nächsten Mal sparen und welche Elemente haben gut funktioniert und sollten ausgebaut werden? Wir können inzwischen neue Redaktionsmitglieder aus den Reihen der Studierenden und jungen Wissenschaftler_innen der CAU begrüßen, denn auch für Nachwuchs muss in einem solchen Projekt gesorgt werden, wenn es weitergehen soll. Und damit der Nachwuchs es nicht so schwer hat und eine innere wie äußere Kontinuität gegeben ist, wurde ein Leitfaden mit allen bislang getroffenen Absprachen und Entscheidungen erstellt (ebenfalls Workshop-Tipp!). Das Spektrum reicht vom Zeilenabstand in der offiziellen Kommunikation bis zur einheitlichen Zitationsweise für spezialgelagerte Sonderfälle der Comiclandschaft.

Call for Papers – die zweite CLOSURE-Ausgabe geht im November online

Und nun arbeitet die Redaktion hinter den Kulissen an der zweiten Ausgabe, die im November online gehen soll. Der Call for Papers zum Titelthema Die dunkle Seite des Comics ist seit kurzem veröffentlicht, die ersten Abstracts für Textbeiträge trudeln bereits ein, und es werden fleißig Rezensionsexemplare von Comics und Sekundärliteratur an interessierte Autoren verschickt. Denn nach der Ausgabe ist bekanntlich vor der Ausgabe!

Dieses Projekt wurde durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

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