„Das lernt man nur, wenn man arbeitet“

Praxismodul „Do it!“ am Zentrum für Schlüsselqualifikationen

In diesem Sommersemester bietet der Leiter des ZfS (Zentrum für Schlüsselqualifikationen) bereits zum sechsen Mal das erfolgreiche Praxismodul „Do it!“ an. Die Erfahrungen mit Menschen in anderen Lebenswelten sollen soziale und kommunikative Kompetenzen der Studierenden fördern.

 

Zwei Menschen tanzen zur Musik, durch Sprache können sie sich nicht miteinander verständigen. Die Frau hat Trisomie 21, ist zudem stumm. Eine ganz neue Herausforderung für den BWL-Studenten Artur, der die Tanzpartnerin führt und um deren Vertrauen bemüht ist. Doch gemeinsam finden die beiden Wege der Kommunikation, z.B. durch Takt und Körpersprache. Diese Tanzstunde beschreibt Artur in der Abschlussitzung des Praxismoduls „Do it!“ als das „Highlight seiner Praxiswoche“: „In dieser Situation musste ich am meisten über meinen Schatten springen“, sagt er, „die Sozialarbeiter sagten mir hinterher, es sei mir super gelungen.“ Und das, obwohl Artur zuvor große Berührungsängste hatte.

 

ufert

Die theoretischen Veranstaltungs-Parts finden am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (Leibnizstr. 10) statt; die Einsatzstätten für die Praxisphase des „Do it!“-Moduls wählen die Studierenden selbst.

 

Er und ein Kommilitone, der namentlich nicht genannt werden möchte, absolvierten die „Do it!“-Praxisphase gemeinsam bei der Stiftung Drachensee. Ihre Begründung: „Dort können wir am meisten lernen und mitnehmen“ – denn die Arbeit mit Menschen mit Behinderung war für beide bis dato absolut fremd. Umso größer fielen die persönlichen (Lern-) Erfolge aus. Artur überrascht es selbst, dass er heute sogar sagen kann, der soziale Bereich interessiere ihn berufsperspektivisch. Mittlerweile absolviert er ein Langzeitpraktikum bei der Stiftung Drachensee und hofft, seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse dort auf den Sozialbereich ummünzen zu können.

Auch die Praxis-Stellen der übrigen „Do it!“-Teilnehmer_innen gestalteten sich abwechslungsreich, ihre Rückblicke sind spannend: Lena – sozialpädagogische Assistentin und Erzieherin – kam beispielsweise beim „Jungen Wohnen Harrislee“ zum Einsatz. Allerdings nicht in Harrislee selbst, sondern im Rahmen einer einwöchigen Fahrt der Wohngruppe nach Schweden. Eine erlebnispädagogische Erfahrung der besonderen Art, zumal die Betreuung von Intensivstraftätern gänzlich neu und eine Herausforderung für die Studentin war. Dennoch bleibt sie dabei: „Die Praxiswoche in Schweden hat mir bestätigt, dass ich mich für das richtige Studium entschieden habe.“

Individuelle Lernthemen & kommunikative Kompetenzen

Das Spektrum der Einrichtungen, die Teilnehmer_innen für die Praxisphase des Moduls ausgewählt haben, reicht von Pflegeheimen über Kindertagesstätten bis hin zur Flüchtlingshilfe St.Pauli – und das Feedback der Studierenden fällt unisono positiv aus.

Bevor die Praktika starteten gab es einen Workshop am ZfS, in dem es um Grundlagen kom­munikativer Fähigkeiten und Kompetenzen ging, und in dessen Rahmen die Studierenden per­sönliche Lernthemen für die anstehenden Praxiswochen festlegten. Jannike, die ihr Praktikum in einer Kindertagesstätte machte, findet, dass 40 Stunden nicht besonders viel für eine Praxiserfahrung sind. Dennoch habe die gewählte Aufgabe sie persönlich vorangebracht; sie half einer Schülerin beim Aufholen der Hausaufgaben. Das Mädchen hatte die Aufgaben seit längerer Zeit schleifen lassen, konnte aber mit Jannikes Hilfe wieder Anschluss an den Schulunterricht finden und hat sich aufgrund der Unterstützung deutlich verbessert. Ein Erfolg für Jannike, die jetzt weiß, dass sie mit ihrer Arbeit etwas bewirken kann.

Theorie & Praxis verbinden

So vielfältig die Erlebnisse der Teilnehmenden auch ausgefallen sein mögen – eines steht fest: Die Praxiserfahrungen zeigen Wirkungen. Einige Teilnehmer_innen haben aufgrund ihres Engagements inzwischen einen Job oder ein längeres Praktikum bekommen, andere arbeiten heute ehrenamtlich weiter. Einer wirft ein: Mit einem Menschen zu arbeiten und nicht mit einem Produkt, habe seinen Blickwinkel auf den Umgang mit Menschen im Alltag verändert – „man sollte viel öfter seine Hilfe anbieten !“.

Das freut auch den Dozenten und Leiter des ZfS, Dr. Detlef Ufert, der sich in diesem Seminar mehr als „Coach“ begreift. Es gehe ihm nicht darum, gezielt Wissen zu vermitteln, denn „Do it!“ sei auf selbstgesteuerte Lern­prozesse ausgelegt. Während der Praxisphase begleitet Detlef Ufert die Studierenden durch einen OLAT-Kurs, in dem er Materialien zur Verfügung stellt. Zudem können sich die Studierenden dort sowohl untereinander als auch mit ihrem Dozenten austauschen. Die Prüfungsleistung setzt sich schließlich aus einer kurzen Präsentation in der Abschlusssitzung sowie einem schriftlichen Erfahrungsbericht zusammen.

Reflexionen und Fazit

Um ihr persönliches Lernthema und die eigenen Erfahrungen zu reflektieren, sollten die Teilnehmenden während der Praxiswoche außerdem ein Lerntagebuch führen. In der Abschlusssitzung des Seminars stellt Ufert noch einmal den Bezug zwischen Theorie und Praxis her: Die Teilnehmer_innen füllen verschiedene Kompetenzbegriffe durch selbsterlebte Praxisbeispiele mit Inhalt und machten sie so greifbar.

Bei ihrem Fazit sind sich die Teilnehmer_innen einig: An diese Lehrveranstaltung werden sie sich nach ihrem Studium auf jeden Fall erinnern. Sie haben ihre Sichtweisen überdacht, gesellschaftliche Verantwortung übernommen und ihre eigenen sozialen und kommunikativen Fä­higkeiten gestärkt. „So etwas lernt man nur, wenn man arbeitet“, sagt Jannike.

Weiterführende Informationen

 

  • An der CAU wird auch im Sommersemester 2015 wieder das „Do it!“-Modul angeboten; die Auftaktveranstaltung findet am 8.5.2015 zwischen 15 und 18Uhr statt (LS10 – R.26/27 MAC)

 

Wer sich für das Praxismodul interessiert und/oder weitere Informationen zum Thema Service Learning erhalten möchte, kann gern auch persönlich Kontakt zu Herrn Dr. Ufert aufnehmen.

Kontakt
Dr. Detlef Ufert
Direktor und geschäftsführender Mitarbeiter am Zentrum für Schlüsselqualifikationen,
Leiter Bereich Fachergänzung

Telefon: +49 431 880 3343
Fax: +49 431 880 5514

E-Mail: ufert@zfs.uni-kiel.de

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