Das unsichtbare Band

„Snow&Eyes“ – Skischule für Menschen mit Sehschädigung

„Inklusion kann funktionieren“, resümiert Frederik Hof. Der Kieler Sportstudent hat als Ski-Guide an dem Projekt „Snow&Eyes“ – einer Skisport-Exkursion für Menschen mit Sehschädigung – teilgenommen. Mehr über die Kooperation von CAU-Sportwissenschaftlern und der Kieler Skischule lesen sie in Hofs Erfahrungsbericht.

Gespräche als Grundsteine

„Veronika, Olivia, Marie und Max.“ Ninja zählt ihre Sitznachbarn auf und sieht dabei jedem in die Augen, sie weiß, wer noch im Raum ist, wer wo sitzt und erkundigt sich nach ihrer Freundin und Begleiterin Angelina. „Angie holt sich was zu trinken“ meint Ski-Guide Veronika Riedel. Dann schreibt Ninja eine SMS über WhatsApp. Wie das geht? „Sprachnachricht“ sagt sie und beginnt bereits von schönem Wetter, weichem Schnee und den neuen Bekanntschaften zu berichten.

In diesem Fall wird das Handy dem Begriff des ‚Smart Phones’ sogar gerecht. „Programme helfen dabei, die eigentlich sichtbaren Informationen auf dem Bildschirm in gesprochene Sprache zu transformieren. Während ich meinen Finger über die Oberfläche streife, wird mir der Bereich vorgelesen und ich kann mich gut zurechtfinden. So ist das Surfen im Internet auch kein Problem“. Juliane, genau wie Ninja eine blinde Teilnehmerin, studiert im Master Psychologie und lebt in einer Wohnung in Berlin. Selbständigkeit ist nicht selbstverständlich, aber durchaus möglich. Auch dieser Bereich, außerhalb des Skibetriebs, ist wichtig für das gegenseitige Kennenlenen. Ausgiebige Gespräche sind der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit im Schnee. Nur wenn gegenseitiges Vertrauen herrscht, kann das ‚unsichtbare Band’ ein Team zusammenhalten.

 Die größte Gefahr sind die anderen

„Es kann auch mal vorkommen, dass man sich in den Schnee setzt oder eine Bodenwelle die Ski verkanten lässt“, ist sich Ninja dem sportlichen Risiko bewusst. Dieses sei „aber nicht höher, nur weil man im Team die Pisten abfährt“, glaubt sie. Der größte Störfaktor sind nicht schlechte Pistenverhältnisse oder zu steile Gefälle. Das Verhalten der anderen Skifahrer und Snowboarder stellt das größte Gefahrenpotential. Dieses ist oft nicht vorhersehbar und sogenannte ‚Pistenrowdys’ finden sich noch immer in jedem Skigebiet. Um frühzeitig auf uns aufmerksam zu machen, tragen wir Warnwesten in Signalfarbe und symbolisieren einmal mehr unsere Idee des gemeinsamen Skifahrens.

Um 15:00 Uhr ist der erste Tag, zumindest auf der Piste, beendet. Die Begleiter treffen die Teilnehmer an dem zuvor abgemachten Treffpunkt und treten gemeinsam den Weg zurück zu den Hütten an. „Nach vierstündigem Skibetrieb sind die meisten Teilnehmer froh, aus den Skischuhen raus und in die Hausschuhe rein zu schlüpfen“ beteuert Begleitperson Helge Steineck verständnisvoll. Gerade für Anfänger, ob blind oder nicht blind, ist Skifahren unglaublich anstrengend. Körper und Kopf können sich noch nicht einigen, welche Muskeln eigentlich angespannt werden müssen. Also steht jeder Muskel unter Strom und erst mit der Zeit entwickelt sich eine Skihaltung, bei der die Muskelkraft selektiv eingesetzt wird.

Rasante Abfahrten im Zweierteam! Philine Beckmann (Ski-Guide) und David (Teilnehmer) sind hoch konzentriert, das Mikro erleichtert die Kommunikation.

Rasante Abfahrten im Zweierteam! Philine Beckmann (Ski-Guide) und David (Teilnehmer) sind hoch konzentriert, das Mikro erleichtert die Kommunikation.

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