Das unsichtbare Band

„Snow&Eyes“ – Skischule für Menschen mit Sehschädigung

„Inklusion kann funktionieren“, resümiert Frederik Hof. Der Kieler Sportstudent hat als Ski-Guide an dem Projekt „Snow&Eyes“ – einer Skisport-Exkursion für Menschen mit Sehschädigung – teilgenommen. Mehr über die Kooperation von CAU-Sportwissenschaftlern und der Kieler Skischule lesen sie in Hofs Erfahrungsbericht.

 Inklusion – mehr als eine Worthülse.

„All inclusive“ wird nicht nur auf Hotelreisen gern gebucht. Inklusion sieht gut aus. Wie es schwarz auf weiß immer und überall geschrieben steht. Fortschritlich, zukunftsweisend und sozial. Elegant fügt es sich ein, in Konzepte und Theorien. Gerade angehende Lehrer und Lehrerinnen werden in ihrer Ausbildung mehrfach auf den Begriff der Inklusion hingewiesen. Doch das geschriebene Wort reicht nicht aus, wenn es nicht anschließend mit Leben gefüllt wird. Die praktische Umsetzung von Inklusion, darum geht es auch bei Snow&Eyes. „Inklusion soll in den Schulen nicht nur eine Worthülse, sondern Realität sein“ betont Andreas Märzhäuser. Der wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung „Angewandte Sportwissenschaft“ der CAU Kiel ist seit 2012 mitverantwortlich für die Entwicklung und Durchführung des Projekts und seit 2000 zuständig für die Lehrerausbildung im Schneesport.

Zurück auf der Piste. Durch stetige Rücksprache untereinander bildeten sich bereits nach dem ersten Tag Kleingruppen nach Könnenstufe. Wenngleich die 1:1 Betreuung bestehen bleibt, ist das Skifahren durch Zusammenlegung einzelner Pärchen gruppenorientierter und somit abwechslungsreicher. Interessanterweise ist die Sehschädigung nicht gleich auch ein Indikator für das Fahrniveau der Teilnehmer. Blinde Teilnehmer konnten sich  am Kinderhang ausprobieren oder eben den Gipfel stürmen, je nach eigenem Zutrauen und fahrerischem Können.

Neben dem alpinen Skifahren konnten sich einige Teilnehmer auch im Langlauf versuchen. Klassisch ging es durch malerische Natur, und das bei Sonne satt. Für einige Teilnehmer entpuppte sich auch dieser Sport, neben der alpinen Variante, als große Bereicherung für ihre Körperwahrnehmung im Schnee.

Skiunterricht im klassischen Sinne

Neben dem Snow&Eyes Projekt war der Skibetrieb wie man ihn heute normalerweise kennt, auch in Hemsedal vertreten. Dies wurde genutzt, um auch den sehgeschädigten Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, Skiunterricht im klassischen Sinne auszuprobieren.

Andreas van Baalen, Skilehrer der Skischule Kiel, übernahm die Leitung der Gruppe. Während die Ski-Guides mit den Teilnehmern die letzten Tage individuell gefahren waren und dabei versucht haben, auch technische Hilfestellung zu geben, sollten die Teilnehmer nun versuchen, dem Unterricht im „normalen“ Skibetrieb zu folgen. David und Olivia, mit ihren Guides Philine Beckmann und Frederik Hof, gestalteten den Tag meist so, dass sie vormittags im normalen Skibetrieb mitmachten, nachmittags das Gelernte dann weiter am Hang übten oder einfach nur frei fuhren. „Das ist eine willkommene Abwechslung, erst in der Gruppe mitfahren zu können und anschließend, nach dem Mittag, für sich selber zu üben“ stellte David fest.

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