Erste Hilfe Deutsch

Deutschkurse für Geflüchtete gestalten und leiten

Das Erlernen der deutschen Sprache ist eine wesentliche Voraussetzung für einen Neustart in Deutschland. Kein Wunder also, dass sich viele Studierende ehrenamtlich als Deutschlehrer_innen für Geflüchtete engagieren möchten. Seit dem Wintersemester können sie sich das Handwerkszeug dafür in einem neuen Blockseminar aneignen – und das Gelernte anschließend unmittelbar in die Praxis umsetzen. Das neue Lernangebot stößt auf enormes Interesse.

Binnen weniger Stunden nach Anmeldestart waren über 300 Bewerbungen in Kati Lüdecke-Röttgers Mailfach eingegangen. „Leider konnten wir nur 30 Studierende in unseren ersten Kursus aufnehmen, mit einem solchen Andrang hatten wir nicht gerechnet“, sagt die Kursleiterin aus dem Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe), die das extracurriculare Angebot „Erste Hilfe Deutsch“ gemeinsam mit Nele Krille vom AStA auf die Beine gestellt hat. Während PerLe größtenteils für die Vermittlung der Inhalte verantwortlich war, übernahm der AStA vor allem Organisation und Koordination.

Warum Knowhow für ehrenamtliche Deutschlehrer_innen so wichtig ist

Beiden Initiatorinnen war das Projekt ein echtes Herzensanliegen: „Wer ehrenamtlich Deutschkurse für Geflüchtete gibt, meint es sicher gut“, sagt Kati Lüdecke-Röttger, „doch ohne Vorwissen kann dabei vieles schiefgehen.“ Im ungünstigsten Fall könne ein bruchstückhafter, ungesteuerter Spracherwerb sogar zur Fossilisierung führen, erklärt die versierte Lehrerin für „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) weiter – das bedeutet, dass Sprachkenntnisse über einen unzulänglichen Stand hinaus nicht mehr weiterentwickelt werden können und „versteinern“. In solchen Fällen nutzen die Sprecher_innen den erworbenen Wortschatz oft unflektiert; sie gebrauchen beispielsweise die Verben nur im Infinitiv oder verwenden kaum Artikel. An wirkliche Integration ist bei einem solchen Sprachstand kaum zu denken.

Deshalb wollte Lüdecke-Röttger die Studierenden in ihrem Blockseminar fundiert aufs Unterrichten vorbereiten. Außerdem legte es die DaZ-Enthusiastin darauf an, die Studierenden mit der eigenen Begeisterung anzustecken: „Meiner Erfahrung nach funktioniert das Unterrichten nur dann, wenn auch der oder die Lehrende Spaß daran hat, neugierig auf die Teilnehmenden ist, sich gern um sie kümmert – und der Funke einfach überspringt”, sagt sie.

Erfahrungen einer Teilnehmerin

Für Agrarwissenschaftsstudentin Rike Daetz ist das Kurs-Konzept aufgegangen:

 

rike

Agrarwissenschaftsstudentin Rike Daetz.

„Die Vorbereitung hat mir sehr geholfen: Ich durfte z.B.  Unterrichtsplanungen und Lehrmethoden kennenlernen. Vor allem aber hat der Kurs meine Hemmungen abgebaut, mich als Lehrerin auszuprobieren.“

 

 

Inzwischen steckt die junge Frau mitten im Praxispart des „Erste Hilfe Deutsch“-Projekts: Als Teil eines vierköpfigen Teams hat sie einen achtwöchigen Deutschkurs für Geflüchtete übernommen, der in den Räumen der CAU stattfindet. Die frischgebackenen DaZ-Lehrer_innen stehen immer im Wechsel in Zweierteams vor der Klasse – und zwar vier Tage die Woche.

Eine fordernde Aufgabe, die offenbar viel Freude macht: „Während der theoretischen Vorbereitung haben wir auch Vorurteile und Ängste besprochen“, sagt Daetz, „im Nachhinein ist mir völlig unverständlich, dass wir überhaupt Bedenken hatten. Der größte Unterschied zu einer deutschen Lernergruppe ist wohl, dass die Flüchtlinge in unserem Kurs durchweg hochmotiviert sind. Alle wollen ganz unbedingt Deutsch lernen – da macht das Unterrichten einfach Spaß!“

Blockseminar und Praxisphase

Auch Rike Daetz‘ Kommiliton_innen unterrichten inzwischen in verschiedenen „Erste Hilfe Deutsch“-Kursen; dieser Praxispart ist elementarer Bestandteil des neuen Lernangebots an der CAU. In ihren Kursen treffen die Studierenden auf ganz unterschiedliche Lerngruppen: Ein Dreierteam arbeitet mit Kindern aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Kiel-Wik, andere Teams stehen vor Klassen mit Schüler_innen aller Altersstufen – vermittelt von der Zentralen Bildungsstätte für Migrantinnen und Migranten (ZBBS). Eine Herausforderung, von der alle berichten, ist die große Heterogenität der Teilnehmenden – mit extrem unterschiedlichen Wissensständen und persönlichen Lernerfahrungen.

Zum Glück können die Studierenden jetzt auf Ideen und Methoden zurückgreifen, die sie vorab im Theoriepart „Erste Hilfe Deutsch“ kennengelernt haben. In den geblockten Einheiten ging es um Folgendes:

  • Zielgruppe
    Welche Teilnehmer_innen erwarten die Studierenden? Wie könnten Herausforderungen aussehen? Wie lässt sich mit bestimmten Situationen umgehen (z.B. Heterogenität der Lerngruppe)?
  • Fertigkeiten & Basiskompetenzen
    Lesen, Sprechen, Hörverstehen, Grammatik, Phonetik, Wortschatz
    anhand von praktischen Übungen und gezielt auf die anstehende Praxisphase ausgerichtet
  • Unterricht aufbauen
    Planung, Materialien, Methoden
    praxisnah zugeschnitten auf die anstehenden Lehrausgaben; orientiert am Lehrwerk Erste Schritte plus, das in den „Erste Hilfe Deutsch“-Kursen üvberwiegend zum Einsatz kommt (spätere Integrationskurse arbeiten mit den Folgebänden)
  • Workshop zum Thema „Critical Whiteness“
    organisiert vom AStA
  • Hospitation in regulären Deutschkursen vom DaF-Lektorat
    in hervorragender Kooperation mit dem Lektoratsleiter Martin Lange
  • Vernetzungstreffen
    zum Erfahrungsaustausch während der Praxisphase

Kurse im Sommersemester 2016

Im Sommersemester bekommen interessierte Studierende erneut die Chance zur Teilnahme an dem neuen DaZ-Angebot mit Praxisphase – diesmal erhalten sie sogar ECTS-Punkte für ihr Engagement: Die Anmeldungen für das Seminar Deutschkurse für Geflüchtete gestalten und leiten am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) laufen bereits, zudem startet im April eine Vortragsreihe zum selben Thema.

Weiterführende Links für alle, die Interesse am Thema haben

 

Kontakt

Kati Lüdecke-Röttger (PerLe)
Tel.: +49 (0)431 / 880-5940
E-Mail: kluedecke-roettger@uv.uni-kiel.de

Martin Lange (DaF-Lektorat der CAU)
+49 (0)431 / 880-2638
lektorat-daf@email.uni-kiel.de

Beauftragtenbereich des AStA
Geflüchtete auf dem Campus
Tel. 0431 – 880 2647
flueko@asta.uni-kiel.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.