Präventionsatlas zur sexualisierten Gewalt

Studierende entwickeln Online-Angebot für die pädagogische Praxis

Bald geht der neue Präventionsatlas „sexualisierte Gewalt in der pädagogischen Praxis“ online – wir durften vorab schon einmal einen Blick auf das Portal werfen. Entwickelt wurde es von Masterstudierenden der Pädagogik unter der Regie von Professorin Anja Henningsen. In diesem Blogeintrag erfahren Sie mehr über Henningsens forschungsbasiertes Lehrprojekt mit handfesten Resultaten zur Aus- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte.

Text: Antonia Nuding (Studentin/PerLe)

kurz gefragt Henningsen

Das Ziel des Projekts ist hochgesteckt: Anja Henningsen möchte mit dem neuen Präventionsatlas ein pädagogisches Praxisnetzwerk in Schleswig-Holstein etablieren. Die Aufklärung und Prävention sexualisierter Gewalt liegt der Kieler Professorin am Herzen: „Übergriffe und Gewalt in pädagogischen Verhältnissen sind aktueller als man denkt“, erklärt sie, „viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst oder schauen bewusst weg. Deshalb ist das Vernetzen der Fachberatungsstellen im Land so wichtig.“

In den beiden zurückliegenden Semestern haben 14 CAU-Studierende das neue Portal im Rahmen eines forschungsbasierten Lehrprojekts von Frau Henningsen entwickelt und umgesetzt. Entstanden ist ein komplexes Nachschlagewerk fürs Netz, das pädagogische Theorie und Praxis zur „Prävention sexualisierter Gewalt“ miteinander verknüpft: von Video-Interviews über Anlaufstellen im Land bis hin zum aktuellen Forschungsstand.

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Abwechslungsreiche Aufgaben für die Studierenden

Für die beteiligten Studierenden war die Arbeit am Präventionsatlas in zwei Phasen unterteilt:

  1. Phase im SoSe 2015:
    Im Sommersemester 2015 haben die Studierenden den Forschungsstand zum Thema erarbeitet, um ihn anschließend – in Textform – zu komprimierten Wissensportionen zusammenzufassen.
  1. Phase im WiSe 2015/16:
    Was im Sommer erarbeitet worden war, pflegten die Studierenden im Winter auf der neu konzipierten Homepage ein. Außerdem besuchten sie verschiedene Beratungsstellen und führten Video-Interviews zu Kernfragen durch, die sie zuvor aus der Theorie abgeleitet hatten.

 

Den eigenen Weg durch den Forschungsdschungel finden

Praktiker_innen können in dem neuen Portal bald nachschlagen, wer wo in Schleswig-Holstein zu welchem Schwerpunktthema ansprechbar ist – denn erstmals werden hier regionale Präventions- und Interventionsangebote zusammenfassend dargestellt. Zudem bereitet das Portal den Stand der Forschung zum Thema in kleinen Häppchen auf, um ihn Menschen  in der pädagogischen Praxis hilfreich vorstrukturiert zur Verfügung zu stellen. Aber auch Studierenden soll das Online-Portal eine Stütze sein: Sie können es beispielsweise nutzen, um ihren Wissensstand zur sexualisierten Gewalt weiter auszubauen oder um Anlaufstellen für Praktika zu finden.

 

henningsenzitat henningsen

 

Frau Henningsen bietet regelmäßig zweisemestrige Seminare an, in deren Rahmen sich Studierende selbst an ergebnisoffener Forschung beteiligen. Ihr Fazit:

„Forschungsbasierte Lehre benötigt mehr prozessorientiertes Projektmanagement, in das viel Zeit fließt. Nicht nur Ergebnisse produzieren, sondern auch Gruppenprozesse positiv lenken ist bei dieser Arbeitsform eine wichtige Aufgabe. Wesentlich ist dabei, den Studierenden eine gewisse Sicherheit zu geben und sie zu begleiten. Zudem brauchen sie genug Luft zum Selbstdenken, um eigene Fragen formulieren und eigene Lösungswege einschlagen zu können. Das erfordert eine gewisse Bereitschaft von Seiten der Studierenden, selbstständig zu arbeiten – und von den Lehrenden, einen hilfreichen Rahmen zu stecken.“

Der Zeitaufwand, den ein forschungsbasiertes Lehrprojekt mit sich bringt, ist also nicht unerheblich. Dennoch ist Anja Henningsen Wiederholungstäterin. Warum? Weil sie ihren Studierenden eine gute Lehre bieten möchte, die zum kritisch-reflexiven Denken ermutigt.

Lernen wie man „tickt“ – und davon profitieren

Als großen Vorteil für die Studierenden betrachtet die Projektinitiatorin das studentische Teamwork in forschungsbasierten Veranstaltungen. „Die Teilnehmenden lernen dabei viel über sich selbst und über ihr Verhalten in Gruppenarbeitsprozessen, sie lernen komplexere Arbeitsprozesse gemeinsam zu verhandeln und zu koordinieren“, gibt Frau Henningsen zu Protokoll. Diese selbstbezogenen und sozialen Kompetenzen würden mit fachlicher Expertise verbunden und unterstützten die Studierenden so dabei, eine professionelle Identität auszubilden. „Ein Jahr in intensiver leistungsorientierter Gruppenarbeit ist eben etwas komplett anderes, als sich ein paar Mal zur Vorbereitung auf ein Referat zu treffen“, resümiert die Kieler Professorin.

Dieses Lehrprojekt wurde mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert

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