Horror, ganz praxisnah

Medienwissenschaft: Masterstudierende produzieren eigenen Film.

Praktisches Arbeiten in Projektgruppen & der blanke Horror: Das erwartet Studierende der Medienwissenschaft zurzeit in einem Seminar von Dr. Eckhard Pabst – jedenfalls wenn sie ihre Semesteraufgabe ernst nehmen.

Text: Johanna Rädecke (Studentin/PerLe)

Im abgedunkelten Raum im dritten Stock der LS8 ist nichts zu hören außer kratzenden Kulis auf Collegeblöcken. Nur das dunkle Standbild eines angehaltenen Films lässt vermuten, dass die 23 Studierenden an diesem Sonntag nicht für eine gewöhnliche Lehrveranstaltung zusammengekommen sind. Dieses Seminar verspricht mehr als spröde Theorie: zum Beispiel praktisches Arbeiten in Projektgruppen – und den blanken Horror. Das Entsetzen steht den Seminarteilnehmenden im besten Fall jedoch nicht wegen einer schwierigen Prüfungsleistung ins Gesicht geschrieben, sondern weil die Projektarbeiten am Ende ihre Wirkung erzielen: In drei Gruppen unterteilt produzieren die Masterstudierenden der Medienwissenschaft ihren eigenen Horrorfilm.

An diesem Novemberwochenende steht der erste Workshop an: Seminarleiter Dr. Eckhard Pabst hat Christian Mertens, einen Regisseur aus Berlin, eingeladen. An zwei Tagen erklärt dieser den Studierenden alles Wichtige zum Thema Drehbücher. Ein eigenes Drehbuch verfassen – das ist für die Studierenden der erste Schritt zu ihrem eigenen Horrorfilm, der am Ende zwischen fünf und fünfzehn Minuten lang werden soll.

Das Genre spiegelt Tabus, Verbote und Grenzen

Der Regisseur startet nicht mit theoretischen Grundlagen in den verregneten Sonntag, sondern mit ersten Sequenzen aus einem Horror-Kurzfilm. Nach nur wenigen Minuten hält er den Film an und forderte die Seminarteilnehmenden dazu auf, ein eigenes Ende für den Film zu schreiben. Es herrscht konzentrierte Stille. Nicht nur die Studierenden arbeiten, auch Dr. Pabst entwirft sein eigenes Finale für den Kurzfilm, dessen Hauptfigur zuletzt einen einsamen Waschsalon betreten hat. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien ist Fan des gepflegten Horrors und initiiert gern Projekte, in deren Rahmen Studierende Gelerntes auch praktisch anwenden. „Der Horror fasziniert mich, weil ich besonders stark auf dieses Genre reagiere und keine Distanz beim Filmerlebnis spüre. Außerdem ist es spannend zu sehen, was hinter den Geschichten steckt“, erläutert der Fachmann, „meist halten sie der Gesellschaft einen Spiegel vor und man kann hervorragend Tabus, Verbote und Grenzen analysieren.“

Mehrere Workshopteilnehmende lesen die Horror-Szenarien vor, die sie binnen zehn Minuten zu Papier gebracht haben. Von plötzlich auftauchenden Monstern bis hin zum Ertrinken der Hauptperson in einem Raum voller Geld sind viele kreative Ideen dabei. Daran lässt sich wunderbar anknüpfen, wenn es im Anschluss darum geht, sich mit wichtigen Aspekten von Horrorgeschichten auseinanderzusetzen. Was kann das Monster, was nicht? Was macht es gefährlich, welche Ängste spricht es an? Wie kann es besiegt werden und wie verhält sich der Protagonist?

Respekt vor der handwerklichen Umsetzung

Diese Fragen haben sich die drei Filmgruppen bereits gestellt. Im Vorfeld haben sie erste Ideen und die Grundzüge des Drehbuches erarbeitet, die sie Christian Mertens jetzt vorstellen. Lea Eckert ist Studentin und selbst gespannt, was im Seminarverlauf auf sie und ihre Gruppe zukommen wird. Theatererfahrung hat sie bereits, doch sowohl auf dem Gebiet des Filmemachens als auch im Genre Horror ist sie Neuling. „Vor der handwerklichen Umsetzung habe ich echt Respekt. Ein Drehbuch schreiben ist eine Sache, aber Schauspieler zu finden und alles so zu filmen, dass es auch gut aussieht – das wird bestimmt gar nicht so einfach“, sagt sie. Für das Projekt Horrorfilm habe sie sich entschieden, weil dies zurzeit der einzige wirklich praxisorientierte Kurs sei.

In den kommenden Monaten werden aus den ersten Ideen – in Leas Gruppe soll der Kurzfilm von einer Frau handeln, die in der Badewanne ermordet wird und nach dem Tod zurückkehrt – drei Horrorfilme entstehen. Hierzu müssen Schauspieler und Drehorte gefunden und der Umgang mit Kamera und Schnitt erlernt werden.

Am 25.04.2018 hat das Projekt seinen Höhepunkt: Im Kieler Kino Die Pumpe werden die Horrorfilme präsentiert. Über die Fortschritte auf dem langen Weg bis zur fertigen Produktion wird auch zukünftig auf dem Einfach-Gute-Lehre-Blog berichtet.

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