Klinische Praxis, Wissenschaft und gute Lehre

e-CSE-lent: In neuen Zertifikatsstudiengängen lernen Studierende zu lehren

„Science“ im Sommer-, „Clinical Practice“ im Wintersemester, beides kombiniert mit „Education“ – 2018 starten zwei Zertifikatsstudiengänge der Medizinischen Fakultät unter Federführung der Kinderkliniken am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Neben der Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten entweder in klinischer Forschung oder in praktischer Kinder- und Jugendmedizin an Medizinstudierende steht hier vor allem das Erlernen moderner Lehrmethoden im Mittelpunkt.

Text: Eva-Lena Stange (Studentin/PerLe)

Wer mitmacht, ist wirklich motiviert: Neben dem regulären Studium kommen 13 Medizinstudierende seit dem Beginn des Sommersemesters 2018 jede Woche zusammen, um sich mit Immunoassays, DNA-Sequenzierung und quantitativer Polymerase-Kettenreaktion zu beschäftigen. Als ob vielen nicht nur beim Namen dieser molekularbiologischen Methoden schwindlig würde, steht auf dem Programm des „e-CSE-lent“-Zertifikatsstudiengangs „Science and Education“ sogar noch viel mehr: Videoschnitt, Erstellen interaktiver Quizzes, Vermittlungsmethoden, Planung von Lehrveranstaltungen und Rhetorik. Anhand von Forschungsmethoden, die im Universitätsklinikum  Anwendung finden, lernen die Teilnehmenden sowohl die Methoden und Rahmenbedingungen medizinischer Forschung kennen als auch Möglichkeiten, solche Inhalte zu vermitteln.

„Im Vordergrund des Zertifikatsstudiengangs steht, dass die Studierenden schon während des Studiums für die universitäre Lehre begeistert werden sollen“, so Dr. Marcus Klein, Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKSH und Projektleiter der Zertifikatsstudiengänge, die in diesem Jahr zum ersten Mal durchgeführt werden. Obwohl es sich beim UKSH um ein Universitätskrankenhaus handle, kämen immer weniger junge Ärzte mit dem Ziel einer akademischen Karriere in die Kinderklinik. Das sei sehr zu bedauern, so Klein, „denn nur, wer motiviert ist und selbst Spaß an der Lehre hat, macht auch sehr guten Unterricht. Deshalb wollen wir den Studierenden – also den Lehrenden von morgen – daran zeigen, dass Lehre an der Uni Spaß macht.“

 

„e-CSE-lent” – expeditions in Clinical Practice, Science and
Education by learning, exploring, networking and transfer

Um die Studierenden für Forschung und Lehre zu begeistern, gliedern sich die 80 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten des Studiengangs in zwei Blöcke: 40 Einheiten werden zum Thema klinische Forschung von Dozenten und Dozentinnen am UKSH und an der Universität unterrichtet, während 40 Einheiten der Lehre gewidmet sind. Wie der Name „e-CSE-lent“ („expeditions in Clinical Practice, Science and Education by learning, exploring, networking and transfer“) schon andeutet, kommen beim Lehren und Lernen eine Vielzahl verschiedener Methoden zum Einsatz. So üben die Studierenden zum Beispiel den Aufbau einer guten Power-Point-Folie, indem sie selbst Worst- und Best-Case-Beispiele erarbeiten und als Diskussionsgrundlage mit zu Veranstaltungen bringen. Rhetorische Fähigkeiten und Posterpräsentation können die Studierenden im Kurs auch anhand ihrer eigenen Doktorarbeit, die viele Medizinstudierende schon während des Studiums beginnen, trainieren. Am Ende des Zertifikatsstudiengangs steht eine zusammengesetzte Prüfung aus zwei Vorträgen zum eigenen Forschungsthema sowie einem Lehrvortrag an. Zusätzlich wird im zweiten Semester des einjährigen Studiengangs ein zweiteiliger Workshop zum wissenschaftlichen Schreiben angeboten.

 

 

Zusätzlich zu den  Methodenkompetenzen wird auch Basiswissen über biomedizinische Methoden, die in der Forschung eine wichtige Rolle spielen, vermittelt. Das Basiswissen zur Planung klinischer Studien (Ideenfindung, Literaturrecherche, Finanzierung, Ethikkomission, rechtliche Grundlagen, Besonderheiten bei Tier- oder Arzneimittelstudien oder Studien mit Minderjährigen, Gentechniksicherheit und Umgang mit Biomaterialien) ist Gegenstand einer Klausur. Als i-Tüpfelchen absolvieren die Teilnehmenden schließlich eine ganz besondere praktische Prüfung: Um selbst das Vermitteln von Inhalten konkret zu trainieren, planen die Studierenden im kommenden Wintersemester ein eigenes e-Learning-Lehrprojekt zu einem bestimmten Thema, eine Gruppe beschäftigt sich beispielsweise damit, Studierenden den Zugang zu Röntgenbildern der Lunge zu erleichtern. Die Besonderheit: Diese e-Learning-Projekte finden in der Lehre auch tatsächlich Anwendung.

Zukunftstraining mit e-Learning

„e-Learning“ bedeutet Lernen mit elektronischer Unterstützung, zum Beispiel durch interaktive Quizzes und Lernvideos: Was für viele Studierende im Alltag selbstverständlich ist, ist in der universitären Lehre noch nicht so weit verbreitet. „Wir möchten die Studierenden vom User digitaler Lehre zum Provider machen“, so Klein. Dafür bekommen die Teilnehmenden in 20 Unterrichtseinheiten – durchgeführt von der e-Learning Koordination und Neue Medien (eLK) der CAU – einen ersten Einblick in verschiedene Programme, mit denen sich solche Inhalte erstellen lassen: Dazu zählen Lectora Inspire und iSpring Quizmaker, mit denen sich interaktive Lernprogramme konzipieren lassen, die Software Camtasia, mit der sich Bildschirminhalte aufzeichnen lassen, und das Videoschnittprogramm Premiere. „In der kurzen Zeit können wir den Studierenden zeigen, was im Bereich e-Learning möglich ist“, so Markus Alber vom eLK-Medienteam, „das schafft eine gute Basis, von der aus die Studierenden ihre Kenntnisse dann weiter ausbauen können.“ Mit diesem Paket an Methoden ausgerüstet machen sich die Studierenden im kommenden Halbjahr an ihr Lehrprojekt.

 

 

Das Fazit nach einem Semester „Science and Education“ ist positiv: Ein Grund dafür könnte sein, dass der Studiengang von den beiden Initiatoren Dr. Marcus Klein und Prof. Dr. Paul Martin Holterhus in enger Zusammenarbeit mit dem Dekanat der medizinischen Fakultät und der Fachschaft Medizin geplant wurde. So konnten sich die Studierenden schon während der Planung mit ihren Interessen und Wünschen einbringen. Außerdem bietet die Mischung der Studierenden aus verschiedenen Semestern die Möglichkeit, sich gegenseitig besser kennenzulernen und zu unterstützen. Momentan wird jede Veranstaltung einzeln mit großer Resonanz evaluiert, um auf dieser Grundlage den Studienplan der nächsten Jahrgänge anzupassen: „Nur so können wir für jeden Punkt im Seminarplan ein genaues Feedback bekommen“, begründet Klein diesen hohen Aufwand.

Zwei Zertifikatsstudiengänge mit unterschiedlichem Fokus

 Im kommenden Wintersemester startet auch der zweite Zertifikatsstudiengang „Clinical Practice and Education“, der die praktische Arbeit in der Pädiatrie in den Vordergrund stellt. Hier stehen zum Beispiel die Erstversorgung von Neugeborenen, Reanimation und Diagnosetechniken bei Kindern im Fokus. Der Unterrichtsblock zu Lehre und e-Learning ist dabei identisch mit dem beim „Science“-Zertifikatsstudiengang. „Gerade in der Pädiatrie werden immer mehr Patientinnen und Patienten ambulant behandelt, sodass die Studierenden viele Krankheiten gar nicht mehr zu Gesicht bekommen“, so Klein, „So kann das e-Learning hier seine ganze Kraft entfalten.“

 

Der Bewerbungsschluss für den „Clinical Practice“-Zertifikatsstudiengang ist am 1. September 2018. Der Studiengang geht über zwei Semester. Zugelassen werden können Studierende der Human- oder Zahnmedizin mit bestandenem Physikum, C1-Englischkenntnissen und hoher Motivation. Bewerbungsunterlagen finden sich im OLAT Die zweite Runde des „Science and Education“-Zertifikatsstudiengangs beginnt im Sommersemester 2019.

 

Weiterführende Informationen

 

 

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