„Bringt Euch in die Gestaltung der Lehre ein!“

Studierende stricken ein Master-Modul der „School of Sustainability“ um

Verbesserungspotenzial in Lehrveranstaltungen erkennen Studierende oft schnell. Doch die Möglichkeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und aktiv an einer Umgestaltung mitzuwirken, wird ihnen meist nicht direkt angeboten – hier ist Eigeninitiative gefragt. Ein Erfahrungsbericht von vier Studierenden der „Kiel School of Sustainability“, die ein Master-Modul gründlich auf den Kopf gestellt haben.

Ein Beitrag von Elisabeth Gebhard, Christina Martini, Anne Neuber und Julia Pohlers
(Studierende der „Kiel School of Sustainability“)

Das Vorhaben: Eine Lehrveranstaltung verbessern

Im ersten Mastersemester machten wir – vier Studierende der „Kiel School of Sustainability“ – eine leider nicht ganz ungewöhnliche Erfahrung: Ein Einstiegsmodul konnte unsere Erwartungen, trotz aller Bemühungen der Lehrenden, nicht erfüllen. Das lag vor allem daran, dass die Lehre mit einer Aneinanderreihung von unterschiedlichen Fachperspektiven keinem erkennbaren roten Faden folgte. Zudem ging die Vermittlung des Stoffs beinahe ausschließlich via Frontalvortrag vonstatten. Doch hier hört die Geschichte nicht auf.

Die Struktur unseres Studienganges sieht zwei Module mit jeweils 6 ECTS für frei wählbare Projektarbeiten vor. Motiviert entschlossen wir uns, im Rahmen eines solchen Projekts das eingangs skizzierte Einführungsmodul der Masterstudiengänge „Sustainability, Society and the Environment“ und „Environmental Management“ für nachfolgende Studierenden-Generationen zu verbessern. Die Kooperationsbereitschaft seitens der Lehrverantwortlichen war für dieses Vorhaben natürlich eine wichtige Voraussetzung.

Von der Vision zur konkreten Umsetzung

Doch was es wirklich bedeutet, ein umfangreiches Modul mit 4SWS für etwa 50 Studierende konzeptionell umzustricken, lernten wir erst im Laufe der Projektarbeit. Die Beteiligung von Studierenden an der inhaltlichen sowie methodischen Ausgestaltung von Lehrveranstaltungen ist nach wie vor eine Seltenheit und daher eine neue Erfahrung für alle Beteiligten. Wir als Studierende mussten unsere Erwartungen und Ziele den gegebenen Rahmenbedingungen (z.B. Betreuungsaufwand, Aufwand für Studierende, Räume, Budget) anpassen und versuchten doch gleichzeitig mit diesen kreativ umzugehen. Die Lehrverantwortlichen lernten, sich für unsere Ideen zu öffnen und sich ein Stück weit auf einen ergebnisoffenen Prozess einzulassen.

Ganz konkret haben wir zunächst die Erwartungen der Studierenden bezüglich der Modulinhalte und -methoden abgefragt. Daraufhin definierten wir verschiedene Ziele für die Veranstaltung und überlegten uns einen konkreten Veranstaltungsaufbau. Anschließend kontaktierten wir verschiedene Experten, um gemeinsam mit ihnen die weitere Ausgestaltung auszuarbeiten. Dank der Unterstützung des „Future Ocean Clusters“ wurde uns dieser Schritt erheblich vereinfacht. Das neue Format unterschied sich schlussendlich deutlich vom vorherigen Modulaufbau. Insgesamt arbeiteten wir etwa ein halbes Jahr an der Umgestaltung der Lehrveranstaltung, bevor sie erneut für die Folgegeneration stattfand.

Ein wichtiges Ziel bestand für uns darin, den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und Nationalitäten der teilnehmenden Studierenden sowohl in der inhaltlichen als auch in der methodischen Ausgestaltung des Moduls besser Rechnung zu tragen. Außerdem wollten wir kompetenzorientierte Methoden verankern und den beteiligten Professoren und Studierenden ein Kennenlernen ermöglichen. Viele dieser Ziele konnten wir in Kooperation mit den betreuenden Lehrverantwortlichen durch die Einführung von strukturierten Gruppenarbeitsphasen, Experteninterviews, Poster-Sessions und Methoden wie dem World Café oder dem Fishbowl erreichen.

Win-Win Situation für alle Beteiligten

Wir als studentisches Team lernten uns inhaltlich in neue Thematiken einzuarbeiten und mit verschiedenen Uni-internen und -externen Experten in Kontakt zu treten. Außerdem haben wir jetzt ein konkretes Bild davon, wie man interdisziplinäre Arbeit ausgestalten kann und sinnvoll Evaluationen von Lehrveranstaltungen durchführt. Die Umsetzung unserer Konzeption der Lehrveranstaltung erforderte ein großes Maß an Kommunikation und Planung – diese Erfahrung wird uns im späteren Berufsleben sicherlich von Nutzen sein. Zudem stärkte die Arbeit im Vierer-Team unsere Fähigkeit zielorientiert und kooperativ in Gruppen zu arbeiten. Nicht zuletzt förderte der Perspektivwechsel unser Verständnis für die Situation vieler Lehrender: An der Universität können sich Wissenschaftler ausschließlich über Forschung eine Karriere aufbauen. Es fehlen also strukturelle Anreize die gute Lehre belohnen und Forschenden ein entsprechendes Zeitbudget einräumen.

Aus unserer Perspektive stellte der Prozess für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation dar: Wir sammelten neue Erfahrungen, die Lehrverantwortlichen erfuhren von neuen Perspektiven und Lehrformaten und die teilnehmenden Studierenden der nachfolgenden Generationen profitieren vom überarbeiteten Kurskonzept. Besonders positive Evaluationen des Moduls durch die Studierenden sowie begeisterte Rückmeldungen von beteiligten Experten signalisierten uns, dass sich die viele Arbeit gelohnt hat. Wir können nur allen Studierenden empfehlen, sich stärker in die Ausgestaltung der Lehre einzubringen, um so die Lehrbedingungen für sich und andere zu verbessern. Dies ist prinzipiell in allen Fachrichtungen denkbar – der Schlüssel ist dabei die Kooperationsbereitschaft der Lehrverantwortlichen. Möglichkeiten zur Anrechnung eines solchen Engagements bietet das Zentrum für Schlüsselqualifikation, z.B. im Rahmen der studentischen Bildungsinitiativen.

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