Endlich Wachstum ?!

Lernen & Selbstkritische Reflexionen

Innovative Lehrmethoden zum Thema neue Ökonomie: Jona Blum vom renommierten Leipziger Konzeptwerk war am Zentrum für Schlüsselqualifikationen der CAU zu Gast. Ihre Spezialthemen – nachhaltiges Wirtschaften, Postwachstumsökonomie und Wachstumskritik – präsentierte die Bildungsexpertin mittels abwechslungsreicher Lernspiele. Die Studentin Katrin Burmeister hat ein paar spannende Lehr-/Lernideen eingefangen.

Text: Katrin Burmeister

1

„Zukunft heute mitgestalten: gutes Leben in sozialer & ökologischer Gerechtigkeit“ lautet das Thema des aktuellen Seminars am Zentrum für Schlüsselqualifikationen, bei dem ich mich heute unter die regulären Teilnehmer_innen mischen darf. Der Anlass: Jona Blum vom Konzeptwerk Neue Ökonomie ist in der Lehrveranstaltung zu Gast, um eine innovative Methodeneinheit anzuleiten. Rasch finde ich mich in einem Stuhlkreis wieder.

 

2

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, mit Namen und einem besonderen Ereignis aus den vergangenen Tagen, das wir ganz persönlich mit gutem Leben verbinden, spüre ich gleich eine gewisse Verbundenheit mit meinen mir bis dato fremden Mitstudent_innen. Einer freut sich über den Klassenerhalt des HSV, ein anderer darüber, einen alten Freund wieder getroffen zu haben. Eine muntere Runde, die den Methoden vom Konzeptwerk aus Leipzig offen gegenübersteht.

METHODE I.
Wachstumsquartett

3

ANLEITUNG (6-24 Spieler_innen)

Der Kurs wird in gleichgroße Teams eingeteilt und jedes Team erhält ein eigenes Kartendeck. Anschließend bekommt jedes Teammitglied gleich viele Karten verdeckt auf die Hand. Jede(r) deckt die erste Karte auf und liest den Inhalt laut vor. Am Ende entscheidet das Team, welches Wirtschaftsereignis sich am profitabelsten auf das BIP auswirkt. Der Spieler/die Spielerin mit der Gewinnerkarte, erhält alle Karten, die in dieser Runde aufgedeckt worden sind. Die Spielerin/der Spieler mit den meisten Karten gewinnt dieses Spiel.

Bei einer zweiten Runde sollen wir dann das Ereignis als Siegeskarte wählen, das für uns ein gutes Leben ausmacht.

FAZIT

Gedanken an ein gutes Leben im engeren Sinne decken sich nicht mit dem Bestreben nach Wirtschaftswachstum. Das Spiel bietet Diskussionsstoff, bricht das Eis zwischen den Teilnehmer_innen und führt in die grobe Thematik der Wachstumsgesellschaft ein. Eine detaillierte Anleitung und Druckvorlagen finden sich auf der Seite des Konzeptwerkes.

 

METHODE II
Wer macht den Wandel? 

4

ANLEITUNG (8-25 Teilnehmer_innen)

Bei dieser Methode legen die Teilnehmer_innen eine Wirkungslandschaft an und werden für ökologischen Wandel und für Wirtschaftsalternativen sensibilisiert. Zunächst wird mit Kreppband ein großer Wirkungskreis im Raum aufgeklebt, in den sich die Studierenden stellen.

7

Die vier runden Moderationskarten stehen für die Bereiche des Individuums, der Zivilgesellschaft, des Unternehmertums und der Politik. Die Individuum-Karte kommt in die Mitte des Kreises, die anderen drei um den Kreis herum.

Alle Teilnehmenden entscheiden sich nun für einen der Bereiche. So entstehen automatisch die vier Spiel-Teams. Jedes Team erhält ein paar rechteckige Moderationskarten in jeweils einer Farbe pro Team und genügend Bedenkzeit. Was kann der eigene Bereich verändern, wie kann gerechter und ökologischer gewirtschaftet werden, wie kann Reichtum besser verteilt werden? Welche Maßnahmen haben die größte Wirkung und welche sogar langfristig?

Fragen, die wir nun in den Teams diskutieren und Antworten, die wir auf die Kärtchen schreiben.

5

Ich schließe mich der Zivilgesellschaft an und wir denken unter anderem an Foodsharing, Kleiderkreisel und Urban Gardening. Nach der Bedenkzeit versammeln sich alle wieder im Stuhlkreis und die Teams stellen nacheinander ihre Ergebnisse vor und ordnen die Karten im Wirkungskreis den jeweiligen Bereichen zu. Es entsteht ein Schaubild, das zeigt, wie eng die einzelnen Bereiche miteinander verwoben sind – komplex und schwer durchschaubar.

Im nächsten Schritt sollen wir mit unseren Nachbarn darüber diskutieren, welcher Bereich, ob der Einzelne, die Gemeinde, die Politik oder eben die Wirtschaft, den endgültigen Wandel ausmacht.

FAZIT

Bei den Teilnehmer_innen entsteht ein Sinn für Alternativen, fernab vom Kapitalismus und von der derzeitigen Wirtschaftswachstumsgesellschaft. Es wird vorgetragen und viel diskutiert. Mit einer Dauer von 60 Minuten handelt es sich um ein zeitaufwendiges Spiel, das sich jedoch allemal lohnt, weil es ein intensives gemeinsames zum Nachdenken in Gang bringt.

 

„Wissen heißt nicht ändern“, sagt Jona Blum: „Es kann auch andere Wirtschaftsformen geben und der Hauptmotor dafür ist die Zivilgesellschaft.“ Gesellschaft und Konsum beginnen bei mir selbst! So denkt sie durchaus, dass auch schon Schulkinder für diese Alternativen sensibilisiert werden sollten, z.B. durch eine frühe Aufklärung im Unterricht. Spätestens aber an der Universität ist dieses Bewusstsein vom unabdingbaren Wandel in den Köpfen vorhanden.

Durch Seminare und Workshops kann dieses Bewusstsein weiterentwickelt werden. Die Methoden aus dem Leipziger Methodenheft zeigen spielend die Thematik auf.

 

„Solche Lehrmethoden machen viel mehr Spaß als der Frontalunterricht, den man sonst mitunter zugemutet bekommt.“

6

Alexander Guterl (22)

Auch meine Kommilitonen finden innovative Lehrmethoden in Uni-Seminaren angemessen. Alexander Guterl ist 22 Jahre alt und studiert Deutsch und Politikwissenschaft im 6. Semester. Abwechslungsreiche Methoden sind für ihn nichts Neues, viele der Seminare, die er besucht, gestalten sich mittlerweile abwechslungsreich und machen ihm dadurch einfach mehr Spaß. „So werden Seminarteilnehmer stärker einbezogen, man kommt immer miteinander ins Gespräch und bleibt am Ball. “

Beim gemeinsamen Erarbeiten – so stelle auch ich wieder fest – bleibt einfach viel mehr hängen, als bei einem langwierigen Frontalvortrag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.