Erfahrungen mit digital gestützter Lehre sammeln

Projektkurs zum Unterricht mit dem Tablet für Englisch-Lehramtsstudierende

Seit 2015 werden vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein Schulen mit dem Titel „Modellschule für Lernen mit digitalen Medien“ ausgezeichnet. Ihre Zahl ist inzwischen auf über 100 angewachsen. Höchste Zeit also, dass zukünftige Lehrkräfte während ihres Studiums auch die Gelegenheit erhalten, Erfahrungen mit dem Einsatz digitaler Endgeräte im Unterricht zu sammeln. Am Englischen Seminar der CAU wurde im Wintersemester 2017/18 erstmals ein Projektkurs mit dem Titel „Mobile Enhanced Language Learning and Teaching“ (MELLT) angeboten, der Lehramtsstudierenden genau dies ermöglichen sollte.

 

Das Projektteam an der Kieler Uni bei der Arbeit. Hinten links im Bild: Projektinitiatorin Professorin Susanne Heinz.

Text: Sven Pitann
Projektteam

Unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Heinz (Lehrstuhl für Fachdidaktik Englisch) hatten 16 Studierende in diesem Kurs die Gelegenheit, sich nicht nur mit theoretischen Grundlagen des digital gestützten Englischunterrichts auseinanderzusetzen, sondern ihre erworbenen Kenntnisse auch für die Entwicklung und die praktische Erprobung eigener digital gestützter Lernszenarien zu nutzen. Als Kooperationspartner für einen Einblick in die schulische Praxis konnte das Projektteam die Auguste-Viktoria-Schule (AVS) in Itzehoe gewinnen. Seit dem Schuljahr 2016/17 haben Eltern dort die Möglichkeit, ihre Kinder für die fünfte Klasse mit dem Profil „iPad-Klasse“ anzumelden, in der – wie es der Name schon vermuten lässt – im fünften und sechsten Schuljahr der Unterricht im Wesentlichen mithilfe des iPads gestaltet wird.

 

Die Projektplanung

In den ersten Wochen des MELLT-Projekts setzten sich die Lehramtsstudierenden mit theoretischen Grundlagen des digital gestützten Lernens in den verschiedenen Kompetenzbereichen des Englischunterrichts auseinander. Hierzu schlossen sie sich zu Expertengruppen für einzelne Kernkompetenzbereiche zusammen (Schreiben, Lesen, Sprechen, Hörverstehen, sprachliche Mittel mit Fokus auf der Wortschatzarbeit) und referierten anschließend jeweils die von ihnen erarbeiteten Grundlagen. Anschließend begann die Planung der Lernszenarien, die die  Studierenden selbst für den Englischunterricht entwickeln sollten: Die Expertengruppen entwarfen jeweils zu dem von ihnen gewählten Teilkompetenzbereich ein Lernszenario für die iPad-Klasse der AVS.

Natürlich lassen sich die Unterrichtsentwürfe nur dann optimal auf die Durchführung an der Schule abstimmen, wenn den Studierenden bei der Planung ebenfalls iPads zur Verfügung stehen. Die Studierenden konnten deshalb auf die 30 aus Sonderberufungsmitteln für den Lehrstuhl für Fachdidaktik Englisch angeschafften iPads zurückgreifen. Diese sind mit der zugehörigen Tastatur und den geläufigsten Apps für den Englischunterricht ausgestattet. Eine Förderung durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation ermöglichte es, die iPads zudem mit weiteren kostenpflichtigen Apps für den Unterricht zu versehen. Verwaltet werden die Geräte durch das Zentrum für Schlüsselqualifikation (ZfS) und sind von dort aus mithilfe der ebenfalls angeschafften professionellen Transportkoffer auch für Lehrzwecke an der CAU entleihbar.

 

„Der Austausch über die vielfältigen Möglichkeiten, Englischlernenden nicht nur auf der inhaltlichen, sondern auch auf der technischen Ebene mit Neuem und Überraschendem begegnen zu können, macht das Seminar zu einem riesigen Gewinn.“

Feedback eines Studenten

 

Schon bei der Planung ihrer Lernszenarien erhielten die Studierenden tatkräftige Unterstützung aus den Reihen der AVS.  Die Klassenlehrkräfte der aktuellen fünften Klasse mit dem Profil „iPad-Klasse“, Anne Gruitrooy und Benjamin Frahm, standen den Studierenden an mehreren Kursterminen und darüber hinaus auch digital für einen intensiven Erfahrungsaustausch und eine Beratung beim Erstellen der Lernszenarien zur Verfügung. Beide sind Fremdsprachenlehrkräfte (in den Fächern Französisch bzw. Englisch) und engagieren sich neben ihrer Tätigkeit als Klassenlehrkräfte in der iPad-Klasse auch als Mitglieder der schulinternen Medienkonzeptgruppe. Somit erwiesen sie sich sowohl in Hinblick auf technische und organisatorische Fragen als auch bei Fragen der Unterrichtsgestaltung als ideale Ansprechpersonen für die Studierenden.

 

AVS-Englischlehrer Benjamin Frahm erklärt im Projektkurs organisatorische Aspekte des Englischunterrichts in der iPad-Klasse.

 

Erprobung der Lernszenarien an der Auguste-Viktoria-Schule

Während die Studierenden des Projektkurses ihre insgesamt fünf verschiedenen Lernszenarien vorbereiteten, ist ihnen ein wesentlicher Vorteil der Lehre mit digitalen Endgeräten ganz praktisch vor Augen geführt geworden: Ohne digitale Endgeräte wäre wahrscheinlich einige Zeit in Kopier- und Sortierarbeiten geflossen, für die Lehrkräfte der iPad-Klasse entfallen solche oft unliebsamen Tätigkeiten fast komplett. Alle für den Unterricht benötigten Materialien werden an der AVS mithilfe der schulinternen Lernplattform iServ, deren Konzept im Groben mit der der CAU-internen Lernplattform OpenOLAT vergleichbar ist, an Schülerinnen und Schüler verteilt. So waren es am Ende ausschließlich die Studierenden, die fürs Verteilen ihrer Stundenentwürfe an ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen vor Ort noch auf Papier zurückgriffen.

Am 11. und am 18. Januar war es schließlich so weit: An diesen Terminen durften die Lehramtsstudierenden ihre Lernszenarien vor Ort an der Auguste-Viktoria-Schule ausprobieren. In Kleingruppen setzten sie die fünf verschiedenen Entwürfe in der iPad-Klasse um – und konnten am zweiten Termin zusätzlich durch Interviews mit den Schülerinnen und Schülern ein erstes Feedback erhalten. Die Idee, den Studierenden die Unterrichtsplanung und -durchführung zu ermöglichen, erregte sogar das Interesse der lokalen Presse.

 

Entwurf einer digitalen Karteikarte zum Vokabel-lernen im Rahmen einer Projektstunde zum Vokabellernen.

 

Auch wenn Englischlehrer Frahm den Studierenden bei einem Besuch im Seminar Ende November 2017 noch in Aussicht stellte, dass einige Prozesse sich nach der Einführung der iPads im Unterricht Anfang November „noch ein bisschen einschleifen“ müssten, war bei den Terminen in Itzehoe davon weit weniger zu spüren als von der „riesengroßen Euphorie“, von der er im November ebenfalls berichtete. Dass sich der Einsatz des iPads im Unterricht in der Tat besonders  motivierend auf die Schülerinnen und Schüler auswirkt, zeigte auch eine ebenfalls im Rahmen des Kurses von den Studierenden mitentwickelte, -durchgeführte und -ausgewertete Studie. (Deren Ergebnisse werden in einem Abschlussbericht zusammengefasst, der unter den weiterführenden Links dieses Artikels ergänzt wird, sobald er fertiggestellt ist.)

Die im Seminar gebotene Kombination aus Forschung und Projektunterricht fand auch bei den Teilnehmenden großen Zuspruch:

 

„Die Verknüpfung von Theorie, Praxis und Forschung ist etwas, wodurch sich das Seminar „Mobile Enhanced Language Learning and Teaching“ besonders hervorgehoben hat. Zum einen konnten wir mithilfe unsers theoretischen Wissens hinsichtlich des Unterrichtens mit digitalen Medien innovative Stundenentwürfe planen, welche wir zu Beginn des Jahres an der Tabletklasse in Itzehoe erprobt haben. Dabei haben uns die Praxiserfahrungen vor Ort eindeutig gezeigt, wie begeistert die jungen Lernenden von innovativen Unterrichtskonzepten sind, welche durch den Einsatz von Tablets unterstützt werden. Zum anderen hat mir das forschende Arbeiten in unserem Seminar viel Freude bereitet, da ich in meinem Englischstudium bisher wenige Gelegenheiten hatte, dies auszuprobieren. In einem nicht unerheblichen Umfang, haben wir im Laufe des Seminars einen Fragebogen für die Itzehoer Schülerinnen und Schüler des fünften Jahrgangs entwickelt. Wir haben das Testinstrument primär dafür genutzt, Erkenntnisse über die digitalen Kompetenzen der Teilnehmenden und deren Vorlieben beim Erlernen einer Fremdsprache zu gewinnen. Da die Datenerhebung sowohl bei Teilnehmenden der Tabletklasse als auch bei ‚regulären‘ Schülerinnen und Schülern stattgefunden hat, konnten wir zudem eindrucksvolle Vergleichswerte beziehen und interpretieren. “

Feedback einer Studentin

 

Weiterführende Links

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