Forschendes Lernen in der Pädagogik

Kurzinterview mit Frau PD Dr. phil. Julia Prieß-Buchheit

Alle wollen gute Hochschullehre. Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Im Kurzinterview erklärt Frau PD Dr. Julia Prieß-Buchheit vom Zentrum für Konstruktive Erziehungswissenschaft (ZKE) am konkreten Beispiel, wie Lehre aus ihrer Sicht gelingt.

Beispielprojekt:„Storytelling und Gewalt“
Ab SoSe 2016 auf 4 Jahre angelegtes Forschungsseminar der konstruktiven Erziehungswissenschaften; Studierende können laufend einsteigen (Bedingung: Bachelorabschluss), Masterarbeiten möglich. 

Mehrere Dozierende, u.a. Hr. Prof. Dr. Krope, Dipl. Päd. A. Kohrs, Dr. Dipl. Päd. J. Petersen, Dr. M.A. J. Prieß-Buchheit, Dipl. Päd. N. Wilder, PD Dr. W. Wolze

Forschendes Lernen durch…
Das Forschungsprojekt ist methodisch konstruktiver Natur und ergebnisoffen gehalten. Studierende können im Rahmen der Lehrveranstaltungen frei wählen, wann sie anwesend sein möchten. Das Seminar findet auch zur vorlesungsfreien Zeit statt. Außerdem besteht die Möglichkeit an Workshops teilzunehmen und einen individuellen Beitrag zum Projekt beizusteuern.
In der ersten Seminarphase gilt es, belletristische Literatur zu finden, die sich für das Storytelling und die empirische Fragestellung des Forschungsbereiches eignen. Zudem sollten die Vorstellungen zu Gewaltthemen unter den Studierenden, die ins Seminar miteinsteigen, abgeglichen und erörtert werden. Mithilfe der belletristischen Erzählungen soll dann in einer zweiten Phase des Seminars eine neue Art der Definition von Gewalt entstehen. Die dritte Phase dient dazu, Gewaltopfer zu finden und zu befragen – um ihnen schließlich in Form eines Interventionsprogrammes oder planes in einer vierten Phase zu helfen. Das wird in erster Linie die Aufgabe der Studierenden sein.

 

 

Frau Prieß-Buchheit, was bedeutet „gute universitäre Lehre“ für Sie?

Julia Prieß-Buchheit: Ich teile die Lehre gerne in zwei Komponenten auf. Die eine Seite kann dann mit „gut“ bezeichnet werden, wenn alle Erkenntnisse aus einem Fachbereich oder einer Disziplin präsentiert worden sind oder wenn die Studierenden Zugang zu diesen Erkenntnissen erhalten haben. Diese Seite stellt die Grundlage dar.

Darauf aufbauend und meist wichtiger sind der reflektierende Umgang mit Wissen und sicherlich auch das eigene Forschen. Dieser Lehrprozess ist schwieriger aber letztendlich doch machbar, ganz nach dem Prinzip: vormachen – nachmachen.

 

Warum liegt Ihnen gute Lehre am Herzen?

Praktiker in der Pädagogik (Kindergarten, Schule, etc.) sagen bisweilen, sie bräuchten keine Theorie. Und diesem Missverständnis möchte ich entgegentreten. Theorie sollte stets eine Basis sein, auf der man arbeitet. Das bedeutet nicht, dass Theorie mir sagen kann, was ich zu tun habe, sondern dass ich über die Umstände und Bedingungen, unter denen ich arbeite, reflektieren kann. Über eine theoretische Reflexion kann ich Dinge in meinem praktischen Tun so ändern, dass ich meine Ziele letztlich besser erreiche.

 

Wie binden Sie die Studierenden aktiv in Ihre Lehrveranstaltung mit ein?

Allen, die an unserem Forschungsseminar teilnehmen, wird das Verfahren und der Ablauf des methodischen und dialogischen Arbeitens nähergebracht. In den ersten Veranstaltungen wird erst einmal nach dem Prinzip „vormachen- nachmachen“ gearbeitet. Besonders ist in unserer Lehrveranstaltung, dass nicht nur ein Dozent oder eine Dozentin zur Verfügung steht, sondern gleich mehrere. Die Lehrenden diskutieren über ein Thema – und die Studierenden können sich währenddessen deren Vorgehensweise anschauen und auch abschauen. Wie nähert man sich der Theorie oder dem Praxisproblem?

Erst anschließend werden die Studierenden dazu aufgefordert, auch ihren Standpunkt darzustellen. Es zeigt sich, dass dies ein guter Weg ist. Vielleicht auch deshalb, weil wir ein recht diskursorientiertes Seminar sind, in dem sich die Studierenden Schritt für Schritt integrieren können, dürfen und sollen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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