Forschungsbasierte Methodenlehre am Geographischen Institut

Empirische Sozialforschung innovativ vermittelt

Die Methodenausbildung am Geographischen Institut der CAU ist vollständig umgekrempelt worden: Vorlesung, Übung und Vertiefungsübung zur empirischen Sozialforschung sind nun noch stärker miteinander verzahnt, zudem wurden sie wesentlich anwendungsbezogener gestaltet – und orientieren sich jetzt am Konzept der Forschungsbasierten Lehre. Wie all das funktioniert, erfahren Sie im Blogartikel der Projektinitiatorin.

 Text: Sakura Yamamura
Projektinitiatorin

Die Methodenausbildung im Bachelor-Studiengang Geographie besteht aus zwei Lehrveranstaltungen in „Empirischer Sozialforschung“, die über zwei aufeinanderfolgende Semester in Form einer 2SWS-Vorlesung mit Übung (Pflicht) und einer 2SWS-Vertiefungsübung (Wahlpflicht) stattfinden. Diese zweiteilige Methodenausbildung ist im Rahmen der PerLe-Förderung* über das Sommer- und Wintersemester innovativ verändert worden, hochschuldidaktisch orientiert sie sich nun stark am Konzept der Forschungsbasierten Lehre.

Forschungsbasierte Methodenlehre

(Angelehnt an: Ruess, J., C. Gess und W. Deike (2016): Forschendes Lernen und forschungsbezogene Lehre- empirisch gestützte Systematisierung des Forschungsbezugs hochschulischer Lehre. In: Zeitschrift für Hochschulentwicklung, Jg. 11, Nr.2, S.35.)

Nach der Systematik zum Forschenden Lernen und forschungsbezogener Lehre von Ruess, Gess und Deike (2016), decken die Vorlesung (EmSo I), die dazugehörige Übung sowie die Vertiefungsübung (EmSo II) zusammen die für die forschungsbasierte Lehre wesentlichen Aspekte ab.  Nach einer rezeptiven Phase wenden die Studierenden das erlernte Wissen auch praktisch und werden selbst forschend tätig.

EmSo I (Vorlesung): In der einführenden und verpflichtenden Vorlesung zur Empirischen Sozialforschung I lernen die Studierenden zunächst im Sommersemester (im Rahmen eines Frontalunterrichts mit interaktiven Momenten) Forschungsprozess sowie quantitative und qualitative Forschungsmethoden kennen. Anhand von Beispielen aus der humangeographischen und sozialwissenschaftlichen Forschung setzen sie sich zudem mit Forschungsergebnissen sowie mit angewandten Forschungsmethoden auseinander. Die Diskussion der theoretischen Ansätze in Bezug auf ihre praktische Anwendbarkeit nimmt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein. Der Forschungsprozess – beginnend mit der Fragestellung und der Operationalisierung über das Forschungsdesign bis hin zur konkreten Anwendung von Methoden – wird in einzelnen Schritten erklärt und vermittelt.  Die Studierenden besprechen dabei auch typische Praxisprobleme, wie zum Beispiel die Verzerrungen von Antworten und Daten.

EmSo I (Übung): Im Rahmen der begleitenden Übung (Tutorium und Einzel-/Gruppenarbeiten) wenden Studierende einzelne in der Vorlesung vermittelte Forschungsmethoden anhand von Beispielen praxisnah an. Es werden Gruppenaufgaben gestellt, bei denen über die Vor- und Nachteile von Methoden reflektiert und ausgewählte Methoden angewandt werden. Erste Erfahrungen mit der Konzeption eines Forschungsdesigns und der Durchführung einer Online-Umfrage führen die Studierende in die Forschungspraxis ein und bereiten sie auf die Vertiefung im Rahmen der Übung Empirische Sozialforschung II vor, bei der sie selbst ein eigenes Forschungsprojekt umsetzen. Außerdem erlernen die Studierenden den Umgang mit technischen Auswertungsprogramme wie SPSS.

EmSo II (Vertiefungsübung): Die in der Vorlesung und der begleitenden Übung vermittelten und eingeübten Grundlagen zur qualitativen und quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung werden in der Wahlpflicht-Lehrveranstaltung zur Empirischen Sozialforschung II geübt und vertieft. In kleinen Forschungsprojekten durchlaufen Studierende eigenständig und ergebnisoffen den gesamten Forschungsprozesses: Beginnend mit Brainstormings zu Ideen oder Formulierungen über  die Konkretisierung der Forschungsfragen sowie die Auswahl und Beurteilung von geeigneten Methoden bis hin zur Konzeption eines Forschungsdesigns. Durch die empirischen Feldarbeiten quantitativer und qualitativer Art nebst Datenanalyse und -Interpretation vertiefen die Studierenden das vermittelte methodische Wissen in der Realität. Im Form eines Lernportfolios sowie Lerneinheiten im Workshopformat diskutieren sie über die Auswahl sowie über Vor-und Nachteile einzelner Forschungsmethoden, auch den Forschungsprozess an sich reflektieren die Teilnehmenden dort gemeinsam. Die selbständig erarbeiteten Forschungsergebnisse werden in einer Abschlusssitzung wiederum präsentiert und in der Gruppe ausführlich diskutiert.

Die Besonderheit des von PerLe geförderten Lehrprojektes besteht in der Kopplung der forschungsbasierenden Lehre mit dem Service-Learning:

Es findet eine Zusammenarbeit mit dem externen Kooperationspartner PÄDIKO statt, sodass die Lehrveranstaltung nicht nur forschungsorientiert, sondern auch Service-Learning-basiert ist. Die Forschungsprojekte werden in Absprache mit Pädiko erarbeitet, die Kontakte zu den Zielgruppen werden über den Ansprechpartner hergestellt und das Forschungsfeld entsprechend zur Verfügung gestellt. Eine abschließende Sitzung findet mit der Leitungsebene von PÄDIKO statt, bei der die Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert werden; die methodischen Herangehensweisen und Reflektionen über den Forschungsprozess werden unter Einbindung von PerLe-MitarbeiterInnen durchgeführt (Details hierzu im weiteren Blogeintrag).

 

In weiteren Blogartikeln erfahren Sie mehr über die Neuausrichtung der Methodenlehre am Geographischen Institut – konkret zu folgenden Aspekten:

*Dieses Projekt wurde durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

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