Didaktische Kompetenz durch subjektive Relevanz

Über das Seminar „Gender im Religions- und Konfirmationsunterricht“

Genderbewusst mit Schüler_innen und Konfirmand_innen arbeiten: Das haben Theologie-Studierende im Lehrprojekt „Gender im Religions- und Konfirmationsunterricht“ gelernt. Das innovative Konzept des Seminars verbindet erfahrungsorientiertes Lernen mit theoretischen und didaktischen Perspektiven. Ein Blogeintrag von Saskia Eisenhardt, die das Projekt als Tutorin begleitete.

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Die umgeschminkte Wahrheit: Genderswich der Kursteilnehmer_innen.

 

Text: Saskia Eisenhardt

Seminarkonzept

Voraussetzung einer gendersensiblen Didaktik in Schule und Gemeinde ist die subjektive Überzeugung der Lehrenden, dass die Genderkategorie gesellschaftlich, persönlich und religiös von Bedeutung ist. Basierend auf dieser Einsicht haben wir ein Seminarkonzept entwickelt, das erfahrungsorientiert an der Einstellung der Studierenden arbeitet.

Der Einsatz der feministischen Bewegung für die Gleichstellung der Geschlechter ist so erfolgreich verlaufen, dass die Genderkategorie in der Wahrnehmung heutiger Studierender oft für irrelevant gehalten wird. Die Genderkategorie wirkt sich aber nach wie vor auf das eigene Leben, die gesellschaftlichen Strukturen und die religiösen Überzeugungen aus, sodass sie auch weiterhin berücksichtigt werden muss.

Ausgangspunkt des Seminars waren die Überzeugungen und persönlichen Erfahrungen der Studierenden, anhand derer wir die Relevanz der Genderkategorie für das eigene Leben und die religiösen Einstellungen aufgezeigen und vermitteln wollten. Daraus haben wir in einem zweiten Schritt didaktische Überlegungen entwickelt.

Das Seminar setzte damit gezielt auf erfahrungsorientiertes Lernen und verband dies mit theoretischen und didaktischen Perspektiven.

 

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Eine weitere Besonderheit des Seminars stellte die Zusammensetzung des Leitungsteams dar, welches aus Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong (Professorin für Religionspädagogik/ Praktische Theologie) sowie den Tutor*innen Sarah von Deylen, Sebastian Hasler und Saskia Eisenhardt bestand. Da die subjektive Einstellung zur Geschlechterthematik hochgradig generationenabhängig ist, war es essentiell für das Seminar, Gleichaltrige aus der Studierendengeneration an der Konzeption des Seminars und seiner Durchführung zu beteiligen. Die Förderung durch den Perle-Fonds für Lehrinnovation ermöglichte es, das Seminarkonzept mit den drei Tutor*innen zu entwickeln, durchzuführen und auszuwerten.

Themen

Den Seminarplan(.doc) konzipierte das gesamte Team in mehreren Vorbereitungssitzungen. Dabei einigten wir uns erst einmal auf die Themen, die im Seminar behandelt werden sollten. Für die einzelnen Sitzungen waren dann jeweils zwei Teammitglieder hauptverantwortlich. Diese Paare verständigten sich bilateral über die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Sitzungen, die Literaturgrundlagen sowie über die Methoden, die in der jeweiligen Sitzung Anwendung finden sollten. Alle Sitzungen besprachen wir schließlich noch einmal im Team, wobei wir speziell auf methodische Varianz achteten.

Allerdings planten wir die einzelnen Seminarsitzungen zunächst nicht bis zum Schluss durch. Das letzte Drittel ab Januar, in dem es um die didaktische Umsetzung ging, konzipierten wir erst im Dezember, als wir die Seminargruppe, ihr Niveau und ihre Anliegen gut einschätzen konnten.

Inhalte, die Studierende im Seminar erarbeitet haben:

1. Sitzung:
Die Relevanz der Genderdimension für den Religions- und Konfirmationsunterricht (ppt)

2. Sitzung:
Das Wahrnehmen und Hinterfragen eigener Genderkonstruktionen (ppt) 
Arbeitsblatt: Überschriften zurordnen (pdf)

3. & 4. Sitzung:
Das Kennenlernen, Vergleichen und Reflektieren theoretischer Ansätze wie dem
Gleichheits- und Differenzfeminismus (ppt) sowie dem
dekonstruktiven Ansatz und „doing gender“ (ppt)

5. Sitzung:
Gründe für gendergerechte Sprache (ppt) und Möglichkeiten ihrer Umsetzung

6. Sitzung:
Kritik biologistischer Ansätze (ppt) 

7. Sitzung:
Queer – die Genderkategorie der Zukunft und das Ende der Heteronormativität? (ppt)

8. Sitzung:
Theorie und Praxis einer genderbewussten Theologie  (ppt) sowie einer gendergerechten Didaktik

Ergänzende Materialien:

Paulus 1

Paulus – Frauenfreund oder Frauenfeind?

 

 

 

Das semesterbegleitende Projekt „Forschendes Lernen“

Die Prüfungsleistung für das Seminar bestand in einem semesterbegleitenden Projekt im Sinne des forschenden Lernens, welches durch ein Poster visualisiert werden sollte.

Die Studierenden bekamen folgende Aufgabe:

In Kleingruppen (3-4 Personen) erarbeiten Sie exemplarisch den Weg von der Wahrnehmung über die Reflexion eigener Haltung und Verbindung zur Theorie bis zur didaktischen Umsetzung. Das Ergebnis dokumentieren Sie in Form eines Posters.

Dazu gehen Sie bitte folgende Schritte:

  1. Wahrnehmung von Geschlechterrollen/Genderkonstruktionen in der Realität in einem Feld ihrer Wahl (z.B. Spielzeugladen, Werbung, Videoclips, Spielplatz…) (ca. 2-3 Seiten)
  2. Reflexion der Wirkung dieser Wahrnehmung auf die eigene Person, Bezug zu eigenen Erfahrungen und Einstellungen (ca. 1-2 Seiten)
  3. Verbindung dieser Wahrnehmung mit einem (im Seminar vorgestellten, gerne aber auch darüber hinausgehenden) Theorierahmen (z.B. dekonstruktiver Ansatz, differenzorientierter Ansatz, Queer…) (ca. 3-6 Seiten)
  4. Reflexion der Wirkung des Theorierahmens auf die eigene Person, Bestätigung, Differenzierung, Infragestellung der bisherigen Überzeugungen (ca. 1 Seite)
  5. Didaktische Konsequenzen für ein gewähltes Handlungsfeld (ca. 1 Seite)
  6. Vorschlag für eine didaktische Umsetzung eines Aspekts der genannten Konsequenzen (Skizze einer Unterrichtsstunde im RU oder KU mit begründeten methodischen Ideen, kein ausgearbeiteter Unterrichtentwurf) (ca. 2 Seiten)
  7. Dokumentation der Ergebnisse mit den Aspekten Erfahrung – Theorie – Didaktik anhand eines Posters (ausstellungsfähig)

 Jede Kleingruppe wurde durch eine Tutorin / einen Tutor begleitet.

Einen Überblick über die Ergebnisse des Begleitprojekts liefern – neben dem Genderswich-Poster am Kopf dieser Seite – auch die folgenden Poster:

 

Final_Kinderbücher_genderPoster_G_Baumarkt aktualisiert-1

Lebensmittel und Gender (1)Werbung

 

 

Evaluationsergebnisse

Die Evaluation des Seminars erfolgte auf Grundlage eines Fragebogens(.doc), den die Studierenden ausfüllten. Insgesamt zeigt das Feedback eine überdurchschnittlich positive Bewertung des Seminars. Zentrale Evaluationsergebnisse können Sie hier einsehen(.doc).

Nach Abschluss des Seminars fand außerdem eine halbtägige Evaluation statt, die in der ersten Hälfte von Florin Feldmann vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe, Qualitätsentwicklung in der Lehre) begleitet wurde.

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