„Engagement für gute Lehre lohnt sich!“

Fachschaft Geographie entwickelt eigenes Tutorium

Von Studierenden für Studierende: Begleitend zu einer komplexen Einführungsvorlesung hat die Fachschaft Geographie an der CAU eigens ein Blended Learning Tutorium konzipiert. Im Rahmen dieses spannenden Projekts mit dem Titel „GeoAccess – EachOneTeachOne“ ist unter anderem ein Lehrvideo über Braunerde entstanden. Im Vorfeld hatte die Fachschaft mit etlichen Hürden zu kämpfen – doch Nerven und Sitzfleisch zu beweisen, hat sich gelohnt. Mehr verrät Fachschaftsmitglied Philipp Pache im Interview.

 

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Ziel des Projekts GeoAccess – EachOneTeachOne im Fach Geographie war es, nicht nur Inhalte zu vertiefen, sondern den Teilnehmenden auch Raum zum Üben und zum vernetzten Lernen zu bieten. Das Tutorium fand begleitend zu der Zweitsemester-Vorlesung Physische Geographie statt. Es sollte die Studierenden dabei unterstützen, sich komplexes Wissen eigenständig zu erarbeiten – und wichtige Inhalte von unwichtigen zu unterscheiden. Zudem wollte die Fachschaft Geographie mit dem Projekt ungünstige Lernbedingungen, wie z.B. ungleiches Vorwissen, auflösen: durch Team Teaching – von Studis für Studis. Keine triviale Aufgabe, wie Fachschaftsmitglied Philipp Pache im Interview erläutert.

 

Wie seid Ihr als Fachschaft denn eigentlich auf die Idee für ein so komplexes Lehr-/Lernprojekt gekommen?

Philipp Pache: Als Fachschaftmitglieder bekamen wir das Feedback, dass die Studierenden erhebliche Probleme beim Bestehen des Moduls: Physische Geographie II hatten. Die Durchfallquoten waren hoch.

Zudem konnten wir uns selbst an die Probleme erinnern, die uns das Modul zu Beginn unseres Studiums bereitet hatte. Das waren neben der reinen Stoffmenge auch das mangelnde Verständnis für Prozesse und Zusammenhänge sowie die verwendete Fachsprache, in die uns niemand wirklich eingeführt hatte. Außerdem waren große Teile der Materie im Schulunterricht allenfalls rudimentär behandelt worden. Und nicht zuletzt: Den Studierenden im zweiten Semester fehlen häufig die richtigen Methoden und Herangehensweisen, um sich komplett neue Inhalte selbstständig zu erarbeiten.

Wir haben uns daraufhin zusammengesetzt und darüber nachgedacht, wie wir helfen können. So kam uns die Idee für das Tutorium zum Modul.

 

Wie seid Ihr dann vorgegangen?

Philipp Pache: Zunächst haben wir überlegt, welche Schwerpunkte unser Tutorium haben sollte. Abgeleitet aus den zuvor identifizierten Problemen der Studierenden wollten wir ein möglichst praxisnahes Tutorium anbieten, um den Einstieg in die – stark von der Theorie geprägte – Materie zu erleichtern. Zudem haben wir uns darauf geeinigt, moderne Medien zu nutzen, um ein möglichst großes didaktisches Spektrum zu nutzen und vielfältige Zugänge zum Thema zu eröffnen.

Beispielsweise wollten wir Erarbeitetes über die E-Learning-Plattform OLAT sichern und allen Tutand_innen zugänglich machen. Wir wollten nicht nur Inhaltliches vermitteln, sondern auch mit den Studierenden unsere Erfahrungen teilen – sowohl inhaltlich als auch geeignete Lernstrategien betreffend. So entstand im Übrigen auch der Name unseres Projekts: GeoAccess (inhaltliche Hemmschuhe abbauen und einen Zugang zur theoretischen Materie schaffen) und EachOneTeachOne (von Studierenden für Studierende).

Daraufhin haben wir uns Kooperationspartner für unser Vorhaben gesucht. Für unsere Ideen konnten wir zunächst den Lehrstuhlinhaber des Moduls begeistern, anschließend auch noch die Arbeitsgemeinschaft GeoMedien des geographischen Instituts und elk.Medien, welche uns alle bei der späteren Umsetzung unseres Projekts sehr geholfen und unterstützt haben. Trotzdem blieb es bis zum Ende ein Projekt der Fachschaft Geographie unter eigener Regie.

 

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Wieso habt Ihr einen Förderantrag bei PerLe gestellt und woher wusstet Ihr vom PerLe-Fonds für Lehrinnovation?

Philipp Pache: Wir hatten bereits in der Vergangenheit als Fachschaft bei PerLe einen erfolgreichen Antrag gestellt: die Schreibwerkstatt. Dieses Projekt war in unserem Institut nach Ablauf der Förderphase sogar verstetigt und ist inzwischen fester Bestandteil des Angebots für Studierende. Auch hatten wir bereits Erfahrungen als HiWis bei dem von PerLe geförderten Blended-Learning-Projekt: QGeo 3.0 mit ebenfalls guten Erfahrungen.

Insofern lag es nahe, einen Förderantrag zu stellen. Dass unsere Idee als förderfähig bewertet wurde, freute und half uns natürlich sehr. Beispielsweise haben wir das Qualifizierungsprogramm von PerLe speziell für Tutor_innen gerne in Anspruch genommen und bekamen während der Förderphase auch in anderen Bereichen hilfreiche Unterstützung.

 

Wie habt Ihr Euer Projekt nach der erfolgreichen Antragsstellung beworben?

Philipp Pache: Unser Ziel war es, die Studierenden auf möglichst vielen Wegen über unser Tutorium zu informieren. Hierfür publizierten wir unsere Termine im Vorlesungsverzeichnis der CAU und planten am ersten Vorlesungstermin des Moduls der Physischen Geographie II eine kleine Einführung, in der wir den Studierenden unsere Intentionen und Ziele vermittelten. Zudem sprachen wir gezielt die Dozenten der Begleitseminare an, und baten sie, ebenfalls für eine Teilnahme an unserem Tutorium zu werben. Außerdem haben wir selbstverständlich unsere Kontakte als Fachschaftmitglieder genutzt, um Mund-zu-Mund-Propaganda zu betreiben.

 

Wie können wir uns den Ablauf Eures Tutoriums vorstellen?

Philipp Pache: Jede Sitzung lief anders ab. Selbstverständlich haben wir uns anfangs einen groben Ablaufplan für unser Tutorium überlegt. An dem Ablaufplan haben wir uns orientiert und die Inhalte der einzelnen Sitzungen geplant. Die in der Tabelle (s.u.) aufgeführten Schwerpunkte wurden chronologisch in jeder Sitzung abgearbeitet.

 

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Am Anfang des Semesters standen die Schwerpunkte Präsentation und Praxis im Vordergrund. Zum Ende hin nahmen die Schwerpunkte Theorie und Lernmethoden sowie Fragen und Fachsprache einen größeren Platz ein. Insofern stellt der Ablaufplan nicht nur eine chronologische Reihenfolge einer einzelnen Sitzung dar, sondern vielmehr auch eine Verschiebung der Schwerpunktsetzung innerhalb des Semesters.

Ausnahmen gab es lediglich bei der ersten Sitzung, welche dem Kennenlernen, der Koordination und dem Interessensabgleich diente, sowie bei einem Tag im Geolabor unseres Instituts. Hier stand der Schwerpunkt der Praxis im Vordergrund.

 

Ihr wolltet moderne Medien einsetzen. Inwieweit habt Ihr das umgesetzt?

Philipp Pache: Zunächst haben wir uns – mit Ausnahme des Labortags – bei jeder unserer Sitzungen gefilmt. Das diente in erster Linie der Selbstreflexion und der Videoanalyse unserer angebotenen Leistung. Ein weiterer Hintergedanke war es, aus offensichtlichen Problemen der Studierendenden bei speziellen Lehrinhalten der Vorlesung und Begleitseminare, Themen für Lehrvideos abzuleiten, die in Zukunft allen Studierenden und Lehrenden zugutekommen. So entstand beispielsweise die Idee, ein Lehrvideo zu Böden zu produzieren.

 

 

 

Ferner haben wir die referierenden Tutand_innen während ihrer Präsentationen mit dem Programm Camtasia aufgenommen und die produzierten Videos über OLAT allen Teilnehmer_innen zur Verfügung gestellt, auf dieser Grundlage bekamen die Vortragenden auch Feedback von uns. Auf Wunsch der Tutand_innen, wurden diese Videos jedoch nicht außerhalb des Tutoriums veröffentlicht.

 

Wie war denn das Feedback der Teilnehmer_innen?

Philipp Pache: Durchweg positiv! Wir hatten eine stete Teilnehmerschaft von 12 bis 16 Personen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Teilnahme freiwillig war und unsere Veranstaltungen ein Semester lang wöchentlich angeboten wurden, werten wir die rege Teilnahme allein als sehr positives Feedback. Zudem haben alle Tutand_innen, die regelmäßig zu unseren Terminen erschienen sind, überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Am Ende unserer letzten Sitzung führten wir auch eine Evaluation unserer Leistungen durch, welche ebenfalls durchweg positiv ausfiel.

 

Es gab also keine Kritikpunkte?

Philipp Pache: Natürlich gab es die. Die wesentlichen Kritikpunkte betrafen technische Probleme und nicht digital bereitgestellte Informationen. Es bedarf einer gewissen Vorbereitung, wenn man Präsentationen mit Camtasia aufnimmt. Man muss vor jeder Sitzung alle technischen Geräte auf dessen Funktionalität überprüfen. Das haben wir an manchen Stellen versäumt. Bspw. funktionierte bedauerlicherweise bei einer Sitzung das Mikrofon nicht, weil der Akku leer war.

Ferner haben sich die Tutand_innen mehr digital bereitgestelltes Material erhofft. Wir haben versucht dem nachzukommen, es aber aus zeitlichen Gründen manchmal nicht geschafft, was wir sehr bedauern.

 

Ihr konntet nicht alle Eure Vorhaben umsetzen. Woran lag es?

Philipp Pache: Zuallererst wollten wir für unser Tutorium das Programm: Adobe Connect nutzen. Allerdings erschien uns – nach mehrmaliger Rücksprache mit unseren Kooperationspartnern – das Programm: Camtasia die geeignetere Wahl. Der Grund: Adobe Connect eignet sich gut für Webinare und Fachgespräche über das Internet. Wir wollten jedoch, dass die Tutand_innen zu uns in den Seminarraum kommen und die Ergebnisse nach jeder Sitzung online bereitstellen. Hierfür eignet sich Camtasia einfach besser.

Des Weiteren wollten wir zu jedem Bodentyp ein Lehrvideo produzieren und anhand von Rechenbeispielen in Videotutorials, den Studierenden Hilfestellungen geben und die Angst vor dem Rechnen nehmen. Es gibt dafür zwar entsprechende Videoaufnahmen, aber diese sind qualitativ für eine Veröffentlichung nicht gut genug. Deshalb veröffentlichen wir exemplarisch nur ein Video zur Braunerde. Wir hoffen trotzdem, dass es den Studierenden hilft und Interessierte für die Produktion weiterer Lehrvideos inspiriert.

 

Welche Erfahrungen konntet Ihr während Eures Projekts sammeln?

Philipp Pache: Anknüpfend an die vorherige Frage. Es braucht sehr viel Zeit ein qualitativ gutes Lehrvideo zu produzieren. Der Aufwand geht über das bloße Drehen weit hinaus. Den zeitlichen Aufwand für die Konzeption und das Schneiden darf man nicht unterschätzen!

Zudem gab uns das Tutorium die Möglichkeit, persönliche Kontakte mit Zweitsemestern zu knüpfen. Wir erwarben neue Kompetenzen im Umgang und beim Einsatz moderner Medien, sowohl in Hinsicht auf die Planung von Unterrichtseinheiten als auch im Hinblick auf das Zeitmanagement. Ferner konnten auch wir durch die Lehrerfahrung unser eigenes Wissen vertiefen.

Habt Ihr abschließend noch Empfehlungen an Studierende oder Lehrende?

Philipp Pache: Ja haben wir. Falls Ihr in Eurem Studium eine Idee zur Verbesserung der Lehre habt, setzt Euch dafür ein. Es lohnt sich! Durch unser Engagement gibt es in Zukunft ein Tutorium für das Modul: Physische Geographie II.

Von den Lehrenden würden wir uns mehr Mut im Umgang mit modernen Medien und einen stärkeren Praxisbezug wünschen. Die Studierenden werden Ihnen es persönlich und auch mit besseren Prüfungsleistungen danken!

 

Kontakt

Für Rückfragen steht die Fachschaft  Geographie gerne per Mail zur Verfügung.

Frauke Lindenstruth: stu101799@mail.uni-kiel.de
Philipp Pache: stu91750@mail.uni-kiel.de
Katharina Schluck: stu104570@mail.uni-kiel.de

Ein Gedanke zu „„Engagement für gute Lehre lohnt sich!“

  1. Das ist mal ein klasse Ansatz. Nicht warten, dass „von oben“ gute Leere sozusagen vorgegeben wird, sondern selber etwas sinnvolles aufbauen. Tolles Vorgehen!
    Lieben Gruss, Agnes

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