„Gesellschaft gestalten – Participatory Leadership“

Von der Kunst, gemeinsam etwas zu (er-)schaffen

Wer jetzt die Stirn runzelt und sich fragt, was sich hinter diesem Titel verbirgt – keine Sorge: Als ich ihn zum ersten Mal im Kieler UnivIS gelesen habe, konnte ich damit auch nichts anfangen. Auch nach der Lektüre des Infotexts zur „Participatory Leadership“-Lehrveranstaltung blieb etwas Ratlosigkeit. Im Laufe des Wintersemesters kam jedoch Licht ins Dunkle.

Text: Naomi Kießling (Seminarteilnehmerin)

The Art of Hosting ist… also…hmm

„Participatory Leadership“ ist auch bekannt unter dem Namen The Art of Hosting: Es geht um die Kunst, ein Gastgeber für gute, wertvolle, tiefgreifende Gespräche zu sein. Mithilfe vieler verschiedener Methoden und Konzepte werden die Zusammenarbeit, Kreativität, Organisation und kollektive Intelligenz innerhalb einer Gruppe gefördert, um gemeinsam etwas zu (er)schaffen.

Auf der Art of Hosting Homepage lassen sich noch genauere Informationen finden. Außerdem vermittelt dieses Video einen  kleinen Einblick, wie Art of Hosting in Grundzügen angewendet wird:

 

 

Im Art of Hosting ist jede/r willkommen! Jede/r hat eine Stimme und eine Meinung, die wichtig sind! An der Grenze zwischen Chaos und Ordnung lebt die Kreativität. Beim Art of Hosting geht es darum, eine gute Balance zwischen Chaos und Ordnung zu halten, um gemeinsam voranzukommen und etwas zu entwickeln.

Wer jetzt noch skeptisch schaut und sich fragt, ob das alles funktionieren kann – es kann! Selbst in der Europäischen Kommission und anderen EU Institutionen werden verschiedene Praktiken des Art of Hosting erfolgreich angewendet. Hier gibt’s Details zum Thema Art of Hosting im Öffentlichen Dienst.

Was lange währt, wird endlich gut

Geleitet wurde das Kieler Seminar zum Thema von Frauke Godat mit tatkräftiger Unterstützung von Mary-Alice Arthur und Benjamin Kafka.

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Nach einer langen Planungsphase, konnte die im Blockseminar-Modus aufgebaute Veranstaltung in diesem Wintersemester endlich in den Modulkatalog für den Bereich der Fachergänzung aufgenommen werden.  Sie war aufgeteilt in einen Basiskurs, in dem wir die grundlegenden Konzepte und Methoden erlernt haben, und in einen Intensivkurs, in dem diese Methoden intensiviert und ergänzt wurden.

Gemeinsam lernen

Während der verschiedenen Blocktermine haben wir, die Seminarteilnehmer_innen, einen Einblick in die Welt des Art of Hosting erhalten. Wir wurden zu einer lernenden community und unsere Treffen zu community of practice-meetings. Das tolle an dem Seminar war, dass es anders war als die herkömmlichen Seminare an der Universität. Wir lernten viele verschiedene Praktiken des Art of Hosting kennen, unter anderem das World Café, Open Space, das Pro Action Café, das Journaling (s.u.) und viele viele mehr. Und wir lernten sie nicht nur durch Berichte und Erzählungen anderer kennen, sondern konnten die Methoden direkt anwenden – learning by doing.

Es  gab eine freundliche und entspannte Atmosphäre, Pausen in denen man essen, trinken und reden konnte und immer wieder Neues zu lernen und zu entdecken. Auch wenn es manchmal schwer fiel, den Überblick zu behalten bei den vielen Methoden, habe ich persönlich viel von dem Seminar mitgenommen. Ich habe nicht nur neue tolle Menschen kennengelernt, sondern auch etwas für mein persönliches und universitäres Leben gelernt.

Art of Hosting in der Universität

Einige der Methoden des Art of Hosting lassen sich auch auf den universitären Bereich anwenden…

Ist es mal wieder Zeit für die Phase der Hausarbeiten, fällt es manchmal schwer ein Thema zu finden, über das man schreiben möchte. Da kommt die Methode des Journaling sehr gelegen. Beim Journaling geht es darum, einfach mal drauf los zu schreiben und den Stift auch dann nicht abzusetzen und weiter zu schreiben, wenn einem nichts „Sinnvolles“ mehr einfällt. Denn gerade dann, wenn man nicht allzu viel nachdenkt, kommen die besten Ideen. Also einfach ein leeres Blatt Papier nehmen, eine Frage formulieren, einen Zeitrahmen zum Schreiben setzen und loslegen. Die Frage kann zum Beispiel auch lauten „Welches Thema nehme ich für meine Hausarbeit?“. Fängt man an über das belegte Seminar zu schreiben und welche Themen dort behandelt wurden, stellt man vielleicht fest, das einem ein Thema ganz besonders gefiel und man 3 Minuten lang nur über dieses Thema geschrieben hat. Dann lohnt es sich dieses Thema auch ausführlicher in einer Hausarbeit zu behandeln.

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Gruppenarbeit? – nicht schon wieder!

Wer kennt es nicht: die Gruppenarbeit. Fast jede/r musste in irgendeinem Seminar schon einmal eine Gruppenarbeit durchleben. Meist gibt es dann ein oder zwei Personen, die die Arbeit machen. Der Rest ist körperlich anwesend, geistig aber ganz woanders. Man kommt nicht wirklich voran und ist mit dem Endergebnis nicht zufrieden.

Mit ein paar einfachen Methoden lässt sich aber eine Struktur in die Gruppenarbeit bringen. Beginnt man, den Arbeitsauftrag zu diskutieren, kann es passieren, dass man irgendwann vom Thema abkommt und über ganz andere Sachen spricht. Dann bietet sich der so genannte „Parkplatz“ an. Fällt jemandem auf, dass die Gruppe über vieles spricht, nur nicht über die eigentliche Aufgabe, kann man ganz schnell wieder zum Wesentlichen zurückkehren, indem man den Rest auf den Parkplatz stellt. Das Thema wird auf einen Zettel geschrieben und zur Seite, auf den so genannten „Parkplatz“ gelegt. So muss niemand Angst haben, dass seine Idee vergessen wird und sie kann später zu einem passenden Zeitpunkt wieder aufgegriffen werden.

Generell kann man die Methoden des Art of Hosting in vielen verschiedenen Bereichen anwenden – ein wenig abgewandelt und der entsprechenden Situation angepasst.

Nimmt man sich die Zeit, sich auf diese Methoden einzulassen, stellt man fest, dass sie in ihrer Durchführung manchmal ein wenig unkonventionell erscheinen mögen, in ihrer Wirkung jedoch umso erfolgreicher sind.

Möchte man einmal über den Tellerrand schauen, sollte man sich auf jeden Fall mit dem Bereich des Art of Hosting beschäftigen. Es lohnt sich – ob für den universitären Bereich, den privaten oder den beruflichen. Für alle ist etwas dabei.

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