Das große Ganze erleben

Praxisnahe Lehrer-Ausbildung im Lernbereich Globale Entwicklung

Globale Gerechtigkeit und der Schutz unserer Lebensgrundlagen sind drängende Anliegen – daran zweifelt niemand. Aber wie gelingt es mir als (zukünftiger) Lehrkraft, Schülerinnen und Schüler mit diesen Themen zu erreichen? Und wie fördere ich bei ihnen Kompetenzen, die ihnen die aktive Mitgestaltung einer lebenswerten Zukunft für alle Menschen ermöglicht?

Text: Heike Hackmann & Melanie Korn
(Ökopartner Bildung – Beratung – Projekte & ZfL)

Diesen Fragen widmeten sich in diesem Wintersemester Lehramtsstudierende im extracurricularen Zertifikatsangebot Lernbereich Globale Entwicklung. Im Februar 2016 stellten die Studierenden ihre Ideen und Erfahrungen auf einer Abschlussveranstaltung im RBZ Wirtschaft Kiel vor.

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Exemplarisch: zwei Unterrichtskonzepte

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von Studierenden.

Seit fünf Jahren bieten das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) und die AG Didaktik der Geographie diese Lehrveranstaltung im Wintersemester an. Machten sich die Veranstalter in den ersten Jahren noch die Mühe, das Seminar mit Plakat und Faltblatt zu bewerben, reicht es mittlerweile, eine Ausschreibung ins Vorlesungsverzeichnis zu setzten. Die vorhandenen 30 Plätze für Lehramtsstudierende aller Fächer und Fakultäten sind so begehrt, dass innerhalb weniger Tage alle Plätze belegt sind.

Hauptgrund dafür ist die Gelegenheit, konkrete Praxiserfahrungen zu sammeln. Dabei geht es nicht allein um die klassischen Lehrerfähigkeiten wie die Erstellung einer soliden Sachanalyse, die Auswahl und Anwendung von geeigneten Methoden für die Lerngruppe und die zu vermittelnden Inhalte, ferner haben die Studierenden die Aufgabe, Themen in kleinen Arbeitsgruppen fächerübergreifend zu erschließen. Und sie sollen zudem außerschulische Partner einbinden, die durch ihr Fachwissen, ihre Erfahrung und/oder den Zugang zu besonderen Lernorten den Unterrichtserfolg unterstützen können.

Didaktische Inszenierung in Eigenregie

Keine leichte Aufgabe, die sich den Studierenden stellt. Doch mit Unterstützung der Seminarleitung und mit vereinten Kräften in den interdisziplinären Arbeitsgruppen gelingt es allen, spannende Unterrichtsangebote zu konzipieren und an Schulen zu erproben. Die Ergebnisse, die dabei erzielt werden, erstaunen und begeistern gleichermaßen die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte, die KommilitonInnen und auch die SeminarleiterInnen.

Das Leitungsteam, bestehend aus Prof. Wilfried Hoppe vom Geographischen Institut, Melanie Korn vom ZfL und der freiberuflichen Trainerin Heike Hackmann, legt gemeinsam für jeden neuen Durchgang der Lehrveranstaltung ein anderes Oberthema fest. Nach Wasser, Ernährung, kultureller Vielfalt und Lernen an anderen Orten ist das übergeordnete Thema in diesem Jahr „Alte Heimat – neue Heimat, Globale Migration“. Die Studierenden definieren entsprechend ihren Interessen und der fachlichen Zusammensetzung ihrer Arbeitsgruppen ein Teilthema, zu dem sie Unterricht entwickeln. Parallel dazu nehmen sie Kontakt zu einer Erprobungsschule auf, um so die Inhalte didaktisch für eine spezielle SchülerInnengruppe inszenieren zu können.

Die aktuellen Unterrichtsthemen reichen von unterschiedlichen Formen und Gründen der Migration, über die Auseinandersetzung mit den Begriffen Heimat, Fremdsein, Identität und Alterität bis zu interkultureller Begegnung. Die Zugänge und Methoden, die die Studierenden wählen, sind vielfältig und bedingt durch die in den AGs vertretenen Fächer, die Unterrichtszeiten und vorherrschenden Rahmenbedingungen an der Erprobungsschule. Der Kreativität und Experimentierfreudigkeit der Studierenden sind dabei kaum Grenzen gesetzt und so können Projektarbeit, Kochen, Gespräche und Diskussionen mit MigrantInnen dann genauso zur Inszenierung gehören wie Vorträge, Filme, Musik und Simulationen. Ganz nebenbei erweitern die Studierenden nicht nur ihre Methodenkenntnisse, sondern üben sich auch im Teamteaching.

Rollenwechsel – auch im Leitungsteam

Die Studierenden erhalten direktes Feedback, das sowohl während der Planungsphase von Seminarleitung und KommilitonInnen als auch nach dem Unterricht von den SchülerInnen und der begleitenden Lehrkraft an der Erprobungsschule gegeben wird. Die Zertifikatsveranstaltung endet mit einem Austausch über Unterrichtsangebote und -erfahrungen in einem Kreis von geladenen Gästen aus Universität, Schule und Zivilgesellschaft, die alljährlich begeistert sind vom Engagement und den Ergebnissen dieser außergewöhnlichen Lehrveranstaltung. Und somit erhalten die Studierenden für ihr großes Engagement verdientermaßen ein Zertifikat, das Schulleitungen in Schleswig-Holstein zu schätzen wissen.

So vielfältig die Aufgaben der Studierenden, so vielfältig ist auch die Rolle des Leitungsteams: Eine fachliche Einführung in den Lernbereich Globale Entwicklung bestimmt den ersten Seminarblock. Ab dann wandelt sich die Rolle vom Inputgebenden zum Lernbegleitenden. Sowohl in den zwei weiteren ganztägigen Block-Seminaren als auch in den dazwischenliegenden sogenannten Scharniersitzungen, halb- bis einstündigen Treffen mit jeder einzelnen Arbeitsgruppe, stehen die Reflexion der inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Überlegungen der Studierenden sowie deren Arbeitsfortschritte im Fokus. Offene Fragen werden geklärt, Einschätzungen gegeben und – wenn nötig – Tipps oder Kontakte z.B. zu externen Fachleuten oder Erprobungsschulen vermittelt.

Kontakt

Melanie Korn
Koordinatorin „Workshops & Zertifikate“ und „Lehramt international“
CAU Kiel

Zentrum für Lehrerbildung
Leibnizstraße 3
24118 Kiel

Tel.: 0431-880-1266
Mail: korn@zfl.uni-kiel.de

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