„Bedeutungsvolle Lernerfahrung“ für Lehramtsstudierende

Lernbereich Globale Entwicklung

Eine Kooperation der Arbeitsgruppe Didaktik der Geographie und des Zentrums für Lehrerbildung (ZFL) ermöglicht Lehramtsstudierenden der CAU praxisnahe Einblicke in den Lernbereich Globale Entwicklung. In fachübergreifenden Teams erarbeiten die Studierenden Unterrichtskonzepte und Projektideen im Kontext Nachhaltiger Entwicklung und globales Lernen und setzen diese an Partnerschulen um. Ein Blog-Beitrag von Mark Müller-Geers.

Die Weltgemeinschaft ringt um Lösungen für die globalen Herausforderungen unseres Jahrhunderts. Die schulische Bildung spielt eine zentrale Rolle bei der Befähigung junger Menschen, sich an den Gestaltungsprozessen zu beteiligen. Moderne schulische Bildung arbeitet deshalb fächerübergreifend und vermittelt die Kompetenz zum interdisziplinären Denken und Handeln. Sie ist alltagsbezogen und handlungsorientiert. Sie ermutigt zu gesellschaftlicher Partizipation und befördert den (selbst-)kritischen Diskurs ebenso wie ein kooperatives Vorgehen. Mit dem Ziel, diesen Bildungsansatz zu unterstützen, wird das Konzept des Globalen Lernens von der Arbeitsgruppe Didaktik der Geographie der CAU und dem ZFL angeboten.

 

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Susanne Blum erhält von Wilfried Hoppe ihr Zertifikat für das Gruppenprojekt „Fairtrade aus kultureller Sicht am Beispiel Kaffee“. Foto: Raissa Nickel

 

An der CAU bieten Melanie Korn (Zentrum für Lehrerbildung) und Prof. Wilfried Hoppe (Arbeitsgruppe Didaktik der Geographie) Lehramtsstudierenden aller Fächer und Fachsemester die Möglichkeit, den Lernbereich Globale Entwicklung für den eigenen Unterricht kennen zu lernen. Die Lehrveranstaltung ist ein extracurriculares Angebot und wird nach regelmäßiger Teilnahme, Erarbeitung und Durchführung einer Lerneinheit sowie Erstellung einer zusammenfassenden Dokumentation mit einem Zertifikat belohnt. Im Fach Geographie können Masterstudierende zusätzlich Leistungspunkte erwerben.

Seit dem Start im WS 2011/12 wird die Lehrveranstaltung in diesem Wintersemester bereits zum vierten Mal mit unterschiedlichen Jahresschwerpunkten angeboten. Die bisherigen Schwerpunktthemen im Überblick:

  • WS 2011/12: Wasser
  • WS 2012/13: Ernährung
  • WS 2013/14: Kultur
  • WS 2014/15: Nachhaltig(keit) lernen am anderen Ort

Innerhalb dieser Schwerpunkte können und sollen die Studiernenden konkrete Themen frei wählen. Das Thema Wasser wurde 2011/12 beispielsweise unter den Aspekten politischer Interessenlagen, ökologischer Systeme oder als Wirtschaftsfaktor beleuchtet. Auch kulturelle und künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Motiv Wassers fanden statt.

 

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Betreuer Harald Denckmann von der Thomas-Mann-Schule Lübeck freut sich über die Arbeitsergebnisse, die unter Anleitung von Rena Deppe und Lucas Hillringhaus zusammen mit einer achten Klasse entstanden sind. Foto: Raissa Nickel

 

Die Zertifikatsveranstaltung ist durchgängig aktivierend und im Sinne eines „bedeutungsvollen Lernens“ bzw. des „deep learning approaches“ angelegt. Dabei steht bedeutungsvolles Lernen für überwiegend selbstbestimmtes, selbstorganisiertes und erfahrungsbasiertes Lernen in lebensnahen Kontexten. Kern des Lernangebots ist die Entwickelung und Erprobung individueller Unterrichtseinheiten für den Lernbereich Globale Entwicklung. Deren Ausarbeitung erfolgt in fächerübergreifenden Arbeitsgruppen, die inhaltlich von externen Fachleuten unterstützt werden. Eine Vorgabe bei der Zusammensetzung der Gruppen aus drei bis vier Studierenden ist, dass pro Gruppe mindestens drei unterschiedliche Fachrichtungen vertreten sind. Prof. Hoppe sieht darin einen wesentlichen Erfolgsfaktor der Veranstaltung.

Die Lehrveranstaltung beginnt zum Semesterstart mit einem tagesfüllenden Einstiegsworkshop und endet mit einer internen Ergebnis- und Reflexionssitzung im Plenum und einer öffentlichen Abschlussveranstaltung, während derer die  Studierenden ihre Ergebnisse präsentieren. Beim Einstiegsworkshop wird das Veranstaltungsformat erläutert, es werden die Arbeitsgruppen gebildet und die möglichen Themen der Unterrichtseinheiten gemeinsam erarbeitet. Während des Semesters erfolgt die Ausarbeitung, Organisation und Umsetzung der Unterrichtseinheiten weitgehend selbstständig. Die Unterrichtskonzepte werden von den Studierenden mit Schulklassen eigenständig erprobt. Unterstützt werden die Gruppen während des Semesters durch mehrere „Scharniersitzungen“, die Gelegenheit zur Reflexion und Nachjustierung bieten.

Die Hauptaufgabe der Lehrenden in diesem Veranstaltungsformat ist es, nicht nur einen organisatorischen Rahmen bereitzustellen, sondern auch, die Studierendengruppen in den Scharniersitzungen individuell zu unterstützen und zu beraten. Bei aller Routine, die sich auch dabei über die Jahre einstellt, ist es für die Lehrenden bisher nie langweilig geworden. Jedes Jahr sind neue Aufgaben und Situationen zu bewältigen, die neue Erkenntnisse mit sich bringen. Die Arbeit im Team mit externen Partnern und Lehrbeauftragten ermöglicht erfrischenden und lehrreichen kollegialen Austausch.

Die Studierenden schätzen an dem Format besonders die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten und die praktischen Erfahrungen, auch in der Rolle als Lehrkraft. Im Austausch und in der Zusammenarbeit mit außerschulischen Akteuren erfahren die Studierenden mehr über den Nutzen und die Grenzen von Kooperationen mit schulinternen und -externen Partnern. Sie lernen dabei auch, wie wichtig und produktiv es sein kann, Unterricht im Team vorzubereiten. Neben ihren eigenen Ausarbeitungen nehmen Sie Unterrichtsanregungen und Vorlagen der weiteren Gruppen für ihre spätere Schulpraxis mit. Durch die jährlich wechselnden Themen und immer neuen Ideen der unterschiedlichen Gruppen ist das so ergiebig, dass einzelne Studierende die Veranstaltung bereits zum dritten Mal gebucht haben.

Die nächste Veranstaltung beginnt im Wintersemester 2014/15 am 25.10.2014. Weitere Informationen und die Anmeldungen sind über das ZFL bzw. hier zu finden.

 

Weiterführende Informationen:

Links zum „bedeutungsvollen Lernen“ und dem „deep learning approach“:

 

 

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