Gut vorbereitet vor die Klasse treten

Erfahrungsbericht zum Zertifikat „Lehrer*in werden: fokussiert und reflektiert“

Warum mir das Zertifikatsprogramm „Lehrer*in werden: fokussiert und reflektiert“ meine Panik vor dem Beruf nahm? Ein Erfahrungsbericht der Lehramtsstudentin Sarah Mae Rudloff.

Text: Sarah Mae Rudloff (Lehramtsstudentin)

Als erste Absolventin des Programms erhält Sarah Mae Rudloff (rechts) ihr Zertifikat von Merle Kohlrausch (Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen der CAU).

„Wo bin ich? Wo will ich hin?“ Diese Fragen beschäftigen mich seit Beginn meines Studiums. Als Lehramtsstudentin hatte ich während meines Bachelorstudiums kaum Pädagogikkurse. Vorlesungen haben sich überschnitten, Seminare waren ohne Anwesenheitspflicht – ja, es war einsam mit fünf Leuten in einem Seminarraum, der für 30 Student*innen ausgelegt ist. Wenn man jedoch nur mit diesen Kommiliton*innen in den Seminaren sitzt, erfährt man viel über einander.

Da dies auch gerade Thema im Seminar war, erzählte mir eine Kommilitonin, dass sie nächsten Dienstag ein Training zu Unterrichtsstörungen mache. Unterrichtsstörungen, Konflikte im Klassenraum – das ist mehr, als nur vor eine Klasse zu treten und seinen Unterrichtsentwurf durchzugehen. Was mache ich denn, wenn mein Unterricht nicht so verläuft wie geplant? Was mache ich, wenn mir nicht zugehört wird? Was mache ich, wenn mich keiner respektiert? Es kochte eine Panik in mir hoch, die mich nicht mehr in Ruhe ließ.

Praxisnähe, Spaß & Sicherheit

Sobald ich also zu Hause war, Laptop auf, Google an. Die Workshops und Zertifikate des Zentrums für Lehrerbildung waren schnell zu finden und übersichtlich aufgebaut. Das Angebot hat mich im ersten Moment erschlagen und meine Panik stieg umso mehr an, je mehr ich realisierte, was ich alles nicht kann. Weil es schon mitten im Semester war, meldete ich mich zunächst für nur einen Workshop an und fuhr an einem SAMSTAG NACHMITTAG in die Uni, um für drei oder vier Stunden über Unterrichtsstörungen informiert zu werden und zu üben, diese zu bewältigen.

Leider hatte ich nur Zeit für den Theoriekurs, tatsächlich war der jedoch sehr praxisorientiert. Die Zeit verging wie im Flug und wir hatten wirklich Spaß. Aber das Beste daran war, dass mich der Workshop ein Stück weit beruhigt hat. Nun war ich etwas vorbereiteter auf meinen späteren Beruf als Lehrerin und meine Vorfreude stieg an. Neues Semester, neuer ZfL-Newsletter. Nun habe ich mir diesen auch einmal aufmerksam durchgelesen und mich gleich für zwei, drei Workshops eingetragen. Zusätzlich habe ich den Zertifikatskurs zu Darstellendem Spiel gemacht.

Von Denkanstößen und Rollenbildern

Ein Semester darauf habe ich überlegt, welches Zertifikat ich nun machen könnte. „Lehrer*in werden: fokussiert und reflektiert“, das klingt für mich danach, an sich zu arbeiten und über sich selbst nachzudenken – also genau nach dem, was mir fehlte, um beruhigt und mit dem Gefühl, gut vorbereitet zu sein, in meinen Beruf einzusteigen. Dieser Zertifikatskurs besteht aus sechs Workshops aus vier Kategorien, welche später für mich von Bedeutung sein werden, nämlich Erziehen, Unterrichten, Beurteilen und Innovieren. Zusätzlich wird eine Exkursion an einen außerschulischen Lernort vorbereitet und sich mit der Planung dieser auseinandergesetzt.

Somit wird eine fünfte Kategorie abgebildet, welche mir zusätzlich sehr wichtig ist. Ich möchte viel Engagement in meinen Unterricht stecken, um diesen interessant zu gestalten. Hierzu gehören auch Exkursionen und Ausflüge. Diese haben den Vorteil, die Klassengemeinschaft stärken zu können, wenn sie denn gut gemacht sind. Meine Erwartungen an die Workshops waren nicht niedrig, aber offen. Mein Wunsch war, Denkanstöße zu bekommen, um darüber nachzudenken, wie ich als Lehrkraft sein möchte, wie ich agieren und reagieren möchte, wie ich lehren und auch lernen möchte.

Inputs & neue Ziele

Die thematischen Inhalte hätte ich mir theoretisch auch selbstständig aneignen können, jedoch wird es dadurch vereinfacht, dass Lehrende in einem Workshop Themen vorbereiten und reduzieren, sodass man nicht von der Informationsfülle einer Internetsuche erschlagen werden muss. In der Gruppe hat es vor allem auch Spaß gemacht, engagiert an komplexe Themen heranzugehen. Es wurde sich ausgetauscht und voneinander gelernt.

Ich habe viel mitnehmen können durch Gespräche mit meinen Kommiliton*innen und den Lehrenden der Workshops. Es wurden auch Workshops außerhalb des Zertifikats angeboten, die in ihrer Qualität sehr unterschiedlich waren. Die Workshops, die zu dem Zertifikat gehörten, waren allesamt okay bis sehr gut – wobei die sehr guten überwogen. Mein Gefühl hierzu ist, dass die Workshops strenger auf ihren Inhalt und die lehrenden Personen hin kontrolliert und ausgesucht werden, sodass die Qualität durchgängig hoch ist. Jetzt bin ich deutlich weiter gekommen in meinen Fragen. Ich weiß, wo ich in meinem Entwicklungsstand bin und ich weiß, wohin ich mich noch entwickeln möchte.

Mehr über das Zertifikatsprogramm erfahren Sie in diesem Blogartikel und auf den Seiten des ZfL.

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