„Hier ist ziviler Ungehorsam gefragt!“

Hochschulen wenden sich gegen sozialen und politischen Ausschluss von Geflüchteten

Das Hochschulnetzwerk „Bildung durch Verantwortung“ – dem auch die Kieler Universität angehört – fordert einen bildungsgerechten Zugang für Flüchtende zu Bildungsinstitutionen. Auf der Frühjahrstagung des Netzwerks kamen die Teilnehmer_innen zu dem Schluss, dass sich Bildungseinrichtungen mutiger einmischen müssen.

Text: Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung

„Hier ist ziviler Ungehorsam gefragt“, forderte die Lüneburger Migrationsforscherin Prof. Dr. Manuela Bojadžijev in ihrem Einführungsvortrag auf der Frühjahrstagung „Refugees Welcome! – Aufbruch und Wandel an Hochschulen?“, die vom 27. bis 29. April an der Leuphana Universität Lüneburg stattfand. Veranstalter der Tagung war das Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung, ein Zusammenschluss von 30 deutschsprachigen Hochschulen.

Hochschulen müssen sich mutiger einmischen. Darin waren sich die über 80 Tagungsteilnehmer_innen einig. Die Bemühungen, Flüchtende zu unterstützen und dabei Veränderungen in der Hochschulbildung umzusetzen, stehen oft im Widerspruch zu migrationspolitischen Maßnahmen und asylgesetzlichen Verschärfungen. „Diese zementieren sozialen und politischen Ausschluss, statt eine inklusive Öffnung der deutschen Einwanderungsgesellschaft voranzubringen“, so die Sprecher des Hochschulnetzwerks Prof. Dr. Wolfgang Stark und Dr. Detlev Buchholz. Sie forderten diese Widersprüche politisch aus dem Weg zu räumen. „Nur so können sich Bildungsinstitutionen wirklich für studierwillige und akademisch vorgebildete Menschen mit Fluchthintergrund und Migrationserfahrungen öffnen.“

Das beinhalte konkret:

  • Anerkennungsverfahren für Abschlüsse, Ausbildungen und Studienleistungen zu erleichtern;
  • Brückenmodule zu etablieren, die die nachträgliche Anerkennung von Studienleistungen eröffnen;
  • Maßnahmen zur Finanzierung des Studiums zu schaffen und Stipendienprogramme für Studium, Lehre, Promotion und Forschung zu entwickeln;
  • eine ausreichende finanzielle und konzeptionelle Programmförderung hinsichtlich Sprachförderung, Studienvorbereitung und -begleitung bereitzustellen;
  • die praktische Wohnsitzauflage und Residenzpflicht für Geflüchtete und Asylsuchende zu flexibilisieren, um studierwilligen Geflüchteten und Lehrenden einen Hochschulzugang und Hochschulmobilität zu ermöglichen.

 

Wie kann die Inklusion von Flüchtlingsgruppen in die Gesellschaft insgesamt gelingen? Auch diese Frage beschäftigte die Tagungsteilnehmer. Eine mögliche Antwort: Helfende Menschen und Einrichtungen zu qualifizieren und selbstorganisierte Migrantinnen und Migranten zu unterstützen.

Zahlreiche praktische Projekte und Initiativen, die auf diesem Ansatz fußen, sind bereits an Hochschulen entstanden. Diese sind häufig als „Service Learning“ eingebunden in Lehrveranstaltungen, wie z. B. Sprachkurse, migrationsrechtliche Beratung durch Studierende oder Begegnungsprojekte in Flüchtlingsheimen. „Das Engagement der Hochschulangehörigen muss dringend finanzielle Unterstützung erhalten. Nur so kann es verstetigt werden“, unterstrichen die Sprecher des Hochschulnetzwerks.

 

Über das Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung e. V.

Das Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung ist ein seit 2009 bestehender Zusammenschluss von mittlerweile 30 Hochschulen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung bewusst wahrnehmen wollen. Ihr Ziel ist es, das zivilgesellschaftliche Engagement von Studierenden und anderen Hochschulangehörigen systematisch zu fördern, es mit Lehre und Forschung zu verbinden, Wertevermittlung und Persönlichkeitsentwicklung zu stärken, in die Gesellschaft hineinzuwirken und zum wechselseitigen Wissenstransfer beizutragen.

 

Kontakt
Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung e.V.
c/o UniKasselTransfer, Universität Kassel
Dr. Imke-Marie Badur

Telefon 0561-804-7469
Mail info@netzwerk-bdv.de

www.bildung-durch-verantwortung.de

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