Historischer Faktencheck in der Forschungswerkstatt

Studierende nehmen mit Schüler_innen Geschichtsmythen unter die Lupe

Gegen Geschichtsklitterung und Vergangenheitsfälschung im Internet: Im Rahmen des Blog-Projekts „HISTORIES?!“ haben Geschichtsstudierende der CAU Lernstationen für Schüler_innen entwickelt. In der Kieler Forschungswerkstatt hat eine achte Klasse das neue Angebot jetzt gestestet – und gemeinsam mit den Studierenden die eigene historische Urteilsfähigkeit geschärft.

Text: Projektteam

Das Projekt „HISTORIES?! – Legenden unter der Lupe“ geht in die nächste Runde. Nachdem Studierende im Wintersemester 2016/2017 bereits eine Plattform gegen Geschichtsklitterung, Mythenbildung und Vergangenheitsfälschung im Internet aufgebaut hatten, wurde der Blog in diesem Semester weiter ausgebaut. Diesmal ging es aber noch einen Schritt weiter: die Studierenden sind nicht nur selbst dem Kern von Geschichte(n) auf den Grund gegangen, sondern haben im Rahmen eines Seminars verschiedene Lernstationen entwickelt, an denen Schüler_innen auf spannende Art ihre Kompetenzen im historischen Faktencheck erweitern können. Das Seminar fand in Kooperation mit der Kieler Forschungswerkstatt und der Wissenschaftlichen Weiterbildung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) statt.

Nach Wochen intensiver Vorbereitung war es soweit: Eine achte Klasse des Kieler Humboldt-Gymnasiums kam bei strahlendem Wetter mit ihrem Geschichtslehrer Boris Ehrig in die Kieler Forschungswerkstatt, wo sie zunächst von der abgeordneten Lehrerin Annika Klüter (Projekt LeaP@CAU) begrüßt wurde. Danach stellte Sebastian Barsch, Professor für Didaktik der Geschichte am Historischen Seminar der CAU und Leiter des Seminars, die Arbeit von Historikern vor. Die Klasse teilte sich anschließend in Kleingruppen auf, die an verschiedenen Lernstationen angeleitet von Studierenden an ihrer historischen Urteilsfähigkeit arbeiteten. Anhand verschiedener Quellen rekonstruierten sie beispielsweise eine Geschichte, untersuchten unterschiedliche Darstellungen historischer Persönlichkeiten und überlegten gemeinsam, wie man im Internet den Wahrheitsgehalt von Informationen prüfen kann.

„Theoretische Fragestellungen in der Praxis erproben“

Für alle Beteiligten war der Tag in der Forschungswerkstatt ein voller Erfolg, was sich nicht zuletzt in den begeisterten Gesichtern der Schüler_innen wie auch der Studierenden spiegelte. Aber es ging bei diesem Projekttag nicht nur um den Spaß. Bei der abschließenden Reflexion in Form eines World Cafés erklärten die Jungen und Mädchen, dass sie nach der Gruppenarbeit an den verschiedenen Lernstationen nicht nur das Fach Geschichte (weiterhin) spannend finden, sondern zukünftig auch genau darauf achten wollen, wer ihnen Informationen im Internet unterbreitet.

Zukünftig soll das Angebot des Historischen Seminars in der Kieler Forschungswerkstatt unter dem Titel zeit:werk fortgeführt und weiter ausgebaut werden. Aus verschiedenen Schulen liegen bereits Anfragen vor. „Für die Studierenden ist es ein großer Gewinn, hier direkt vor Ort theoretische Fragestellungen in der Praxis zu erproben“, sagt Prof. Sebastian Barsch, der den Tag ebenso wie die Jugendlichen und die Studierenden als sehr bereichernd empfunden hat. Für Annika Klüter ist der Projekttag, der auch als Probelauf genutzt wurde, in zweierlei Hinsicht ein Erfolg. Zum einen kann mit dem zeit:werk das Angebot der Kieler Forschungswerkstatt im Bereich der gesellschaftlichen Fächer ausgebaut werden. Zum anderen erhalten die Studierenden durch die Betreuung der Stationen auf vielfache Weise die Möglichkeit, sich im Umgang mit Kleingruppen zu erproben und die Umsetzung ihrer Ideen zu reflektieren.

Ein „didaktischer Doppeldecker“

Und auch Konstantin Stamm, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Didaktik der Geschichte, sieht in diesem Format einen sehr guten Weg, Studierende auf die Praxis vorzubereiten: „Das Seminar verbindet forschendes Lernen von Studierenden mit dem forschenden Lernen von Schülern. Das ist in gewisser Weise ein didaktischer Doppeldecker.“

Das Projekt zeit:werk verbindet allerdings nicht nur das Historische Seminar mit der Kieler Forschungswerkstatt. Dr. Katharina Abermeth von der Wissenschaftlichen Weiterbildung der CAU gehört ebenfalls zum Projektteam. Für sie ist das Konzept vor allem deswegen innovativ, weil es auf interdisziplinärem Teamteaching fußt, welches für eine neue Kultur des Lehrens und Lernens steht. So konnten in diesem Seminar mit all seinen Facetten zur Stärkung der historischen Urteilsfähigkeit vom Team der Lehrenden gemeinschaftlich Ansätze der forschungsbasierten und mediengestützten Lehre mit individuellen Formaten der Lernbegleitung verbunden und somit ein praxisnaher Lern- und Erfahrungsraum für die Studierenden geschaffen werden. Wir prüfen die Übertragbarkeit der Methoden auf andere Fächer und Fachbereiche, um interdisziplinäres Teamteaching gut zu unterstützen.

Mehr über das zugrundeliegende Blog-Projekt von Professor Sebastian Barsch erfahren Sie auch in den Artikeln Historiker gegen Halbwissen. & Geschichte im Netz – Fakten statt „fake news“. Und hier geht’s zum Portal „HISTORIES?! – Legenden unter der Lupe“.

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