Professur für Marketing 2.0

Hybride Lerneinheiten in der Vorlesung

Der Begriff „Hybride Lerneinheit“ bezeichnet Blended-Learning-Konzepte, die in klassische Präsenzveranstaltungen integriert worden sind. Auf eine aufgabenbasierte Vorbereitungsphase folgt dabei eine Präsenzphase, in der die Inhalte gemeinsam mit Kommiliton_innen und Dozent_innen reflektiert und analysiert werden. Dass dieses Vorgehen insbesondere bei anwendungsbezogenen Themenkreisen eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Lehrkonzepten ist, findet der Kieler Dozent Wassili Lasarov. Er testet zurzeit hybride Lerneinheiten in einer Lehrveranstaltung im Fachbereich Marketing.

 Text: Wassili Lasarov (Dipl.-Kfm.)

Wozu Hybride Lehre?

Wir brauchen Blended Learning Instrumente, um die Online-Vernetzung mit klassischen Lernmethoden zu verbinden. An der Professur für Marketing der Kieler Universität versuchen wir so, forschungsbasiertes und selbstverantwortliches Lernen zu fördern. Dies geschieht insbesondere dadurch, dass Studierende eigenständig Wiki-Beiträge ausarbeiten und Online-Webinare in Gruppen erstellen, zudem setzen wir auf einen gesteuerten gegenseitigen Review-Prozess. Dank der Veröffentlichung der studentischen Beiträge in unserem Wiki, das für alle nachfolgenden Semester frei verfügbar sein wird, setzen die Studierenden sich von vornherein mit einem (potenziell) kritischen Publikum auseinander. Seminar- und Hausarbeiten „verschwinden“ nicht einfach, sondern bleiben auch langfristig für die Kommiliton_innen verfügbar. Damit wollen wir noch ein weiteres sinnstiftendes Element in die Lehre einbauen und auch intrinsische Anreize bei den Studierenden setzen, um sie zu höheren Leistungen zu animieren. Zuletzt sollen die bereits erstellten Artikel und Webinare als Nachschlagewerk für Studierende dienen.

Die Idee hinter dem didaktischen Konzept „Flipped Classroom“ besteht darin, dass sich die Studierenden Zeit nehmen können, um eine Erklärung nachzuvollziehen und zu verstehen. Bisher wurden viele Dinge in den Vorlesungen erklärt, allerdings kommen die Studierenden aus verschiedenen Fachbereichen und haben ihren Bachelorabschluss an unterschiedlichen Universitäten erlangt. Dies ist insbesondere bei Vorlesungen der Fall, die statistische Auswertungsmethoden beinhalten. Deswegen kann es sein, dass die Teilnehmenden irgendwann abschalten oder sehr viel Zeit brauchen, um sich Inhalte selbst zu erarbeiten, die sie in der Vorlesung nicht richtig verstanden haben. Diesen Rückstand können sie bis zur Klausur häufig nicht mehr aufholen. Doch durch unsere Webinare haben die Studierenden jetzt die Möglichkeit, qualifizierte Fragen zu stellen und diese mit den Dozenten in der Vorlesung oder der Übung anschließend direkt zu diskutieren.

Außerdem lernt man Inhalte oft besonders gut, wenn man sie jemand anderem erklären muss. Deswegen bieten wir nicht nur themenspezifische Webinare an, die wir Dozenten erstellt haben, sondern leiten die Studierenden auch dabei an an, selbst Webinare zu erstellen, und diese – alternativ zu studentischen Vorträgen in Vorlesungen und Übungen – ihren Kommiliton_innen online zur Verfügung zu stellen.

Diese Inhalte stellen wir in unser Marketing-Wiki ein, das wir im vergangenen Jahr mit Unterstützung des Projekts erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) aufgesetzt haben. In diesem Wiki finden sich Inhalte „von Studierenden für Studierende“. Hier können sie nach spannenden Marketing-Themen aus verschiedenen Teilbereichen recherchieren. Durch die Webinare bieten wir nun zusätzlich zu reinen Texten ein neues Format an.

Erste Schritte in die Professur 2.0: Webinare für die Studierenden

Zunächst werden Webinare von der Professur vorbereitet und in die Vorlesungs- und Übungseinheiten integriert. Diese werden dann zu einem bestimmten Termin mit den Studierenden besprochen. Bis dahin haben die Studierenden die Möglichkeit, Fragen per Mail oder in der jeweiligen Veranstaltung zu stellen. Im vergangenen Semester konnten wir damit gute Erfahrungen machen und einen Leistungsanstieg bei den Klausuren verzeichnen. Ob dieses Konzept dauerhaft zu einer Verbesserung führt, werden wir über mehrere Jahre aufzeichnen und später analysieren. Die dazu nötigen statistischen Tools kann man bei einem Blick in unser Wiki erlernen.

Erste Schritte zu den Studies 2.0: Webinare von Studierenden

Keine Zeit für Präsentationen in den Lehrveranstaltungen? Online-Präsentationen sind die Lösung! Studierende müssen hierfür in Gruppenarbeiten eigene  Webinare erstellen. Diese werden anschließend in das Marketing-Wiki geladen. Wir machen einige Vorgaben und leiten die Studierenden dabei an, ihr jeweiliges Webinar als Kurzpräsentation zu betrachten. Dazu gibt es auch eine kurze Einleitung sowie ein Folientemplate, an dem sich die Studierenden orientieren können. Die Zielvorgabe: Sie sollen einer fachfremden Person innerhalb von 5 Minuten foliengestützt ein bestimmtes statistisches Thema erklären. An den interessierten Rückfragen der Studierenden merken wir, dass die Bereitschaft zur Erledigung dieser Aufgabe (die auch von uns bewertet wird) weitaus höher ist als bei vergleichbaren Präsentationen oder Kurzarbeiten. Momentan laufen die Aufzeichnungen für unsere Webinare noch. Wie immer in der Startphase eines Projekts merken auch wir, an welchen Stellschrauben wir noch drehen müssen.

Von Studierenden für Studierende – Einbindung in unser Marketing-Wiki

Das Marketing-Wiki ist ein Blended Learning Instrument, das zugleich als Nachschlagewerkt für Studierende dient. Es ist seit dem Wintersemester 2015/2016 verbindlicher Bestandteil der Veranstaltungen der Professur für Marketing. Studierende erstellen in Gruppen- oder in Einzelarbeit Beiträge für das Wiki, die nach einer redaktionellen Kontrolle und Bewertung durch den Lehrstuhl veröffentlicht werden. Das Marketing-Wiki kann man neuerdings auch über Smartphones und Tablets ansteuern. So haben die Studierenden leichteren Zugang zu den Inhalten. Bisher finden sich über 100 Artikel und 20 Webinare, die von den Studierenden für das Wiki erstellt wurden, auf der Plattform. Durch die erhöhte Motivation der Studierenden ist auch die Qualität der Artikel auf einem hohen Niveau. Nichtsdestoweniger verweisen wir stets darauf, dass dieses Wiki von den Studierenden für Studierende erstellt wurde.

Unser Fazit

Wir sind noch kein Lehrstuhl 2.0 (und vollständig wollen wir das auch nicht werden), aber mit der Implementierung des Wikis sowie der Webinare gehen wir die richtigen Schritte in eine nahe Zukunft, in der die Online-Interaktion mit unseren Studierenden und deren selbstverantwortliches Lernen einen wesentlichen Teil der Lehre abdecken.

Dieses Vorhaben wurde mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

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