Inklusion: Lehren und Lernen im Schneesport

„Good Practice“ aus der CAU – mit Video

Enge Verzahnung von Theorie und Praxis: Im Lehrprojekt „Inklusion im Sport: Lehren und Lernen im Schneesport“ haben angehende Lehrer_innen sowohl die Bedeutung als auch die Herausforderungen inklusiven Lernens erlebt. Von der methodischen Konzeption bis hin zur simulierten Lehrsituation am Hang.

Als krönender Seminar-Abschluss erwartete die Studierenden eine Exkursion ins Kleinwalsertal – direkt am Hang sollten die angehenden Lehrer_innen Praxiserfahrungen mit verbundenen Augen sammeln. Aber eins nach dem anderen: Der Start des Kurses „Inklusion im Sport: Lehren und Lernen im Schneesport“ unter der Tandem-Leitung von Prof. Dr. Manfred Wegner und Andreas Märzhäuser am Institut für Sportwissenschaft war eher konventionell verlaufen. Die Studierenden eigneten sich im Laufe des Wintersemesters grundlegendes Wissen zu Möglichkeiten inklusiven Sportunterrichts an, ergänzt wurden die Theorie-Einheiten allerdings schon in dieser Phase durch ausschnitthafte praktische Erfahrungen.

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Inhaltlich rückte zunächst der Umgang mit Menschen mit einer Sinnesbehinderung in den Fokus. Später entwickelten die Studierenden selbst pädagogische Maßnahmen, die es ermöglichen, sowohl Kinder und Jugendliche mit Sinnesbehinderung als auch nicht eingeschränkte Kinder und Jugendliche gemeinsam und inklusiv zu betreuen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Landes-Förderzentren „Sehen“ und „Hören“ erleichterte den Zugang zu diesen Themenfeldern. Zu diesem Zweck waren auch Referenten beider Zentren  an der CAU zu Gast.

„Ein Kollege des Landesförderzentrums ‚Hören‘ in Schleswig führte beispielsweise mit allen Seminarteilnehmern ein Praxisstunde durch“, schildert Projektinitiator Andreas Märzhäuser, „und zwar genau so, wie sie mit hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen stattfinden würde.“ Deshalb lief auch die gesamte Kommunikation während dieser Unterrichtseinheit ausschließlich in Gebärdensprache ab. „Anschließend haben wir die Stunde sowohl inhaltlich besprochen, als auch die methodischen und organisatorischen Gegebenheiten reflektiert“, erläutert Andreas Märzhäuser weiter.

Anschließend nahmen drei der insgesamt 15 Studierenden zwei Wochen lang als Lehrpersonen an einem Schneesportlehrgang im Bayerischen Wald teil. Im März ging es dann endlich für alle Kursteilnehmer_innen an den Hang, in Hirschegg (Kleinwalsertal) erlebten sie Lehr- und Lernsituationen unterschiedlichen Komplexitätsgrades: Sie versuchten sich im Wechsel mit verbundenen Augen auf der Piste – auf diese Weise simulierten sie Lehr- und Lernsituationen mit Sehgeschädigten und hatten Gelegenheit, sowohl die Rolle des Skilehrers als auch die des sehgeschädigten Schülers intensiv kennenzulernen.

Im Video erläutert Andreas Märzhäuser die ersten praktischen Übungen am Hang:

Auf der Piste durchlebten die Studierenden dabei eine deutliche Sensibilisierung. Bereits während des ersten Einfahrens mit verbundenen Augen erfuhren sie, was es bedeutet, beim Schneesport ausschließlich auf Geräusche und taktile Wahrnehmungen angewiesen zu sein. Schon bei der Liftfahrt – 1:1 begleitet von sehenden Kommiliton_innen – wurde einigen Kursteilnehmer_innen flau im Magen. Bei den anschließenden Abfahrten herrschte indes zunächst komplette Verwirrung, viele konnten noch nicht einmal feststellen, in welcher Richtung es berauf ging, die lärmende Umgebung sorgte zusätzlich für Irritationen. Und das obwohl die Studierenden einander zunächst paarweise an den Händen festhielten – je ein Sehender begleitete einen nicht Sehenden.

Langsam vergrößerte sich nun der Abstand zwischen den Partnern. Nach einigen Abfahrten nutzten sie nur noch zwei Stangen/einen Reifen als taktile Hilfe. Noch später fuhren sie nur noch mittels Sprachführung des Sehenden paarweise voreinander her. Zudem erhöhten jetzt Orientierungsaufgaben für die Liftfahrten den Schwierigkeitsgrad- die Studierenden sollten beispielsweise schätzen, an welcher Lifttrasse sie sich gerade befanden und bei den Abfahrten wechselte der „Sehende“ die Position zum Kommilitonen (vorn vorwärts, vorn rückwärts, nebenbei, dahinter).

Reflexion in persönlichen Gesprächen

Das Erleben und Erproben dieser vielschichtigen Unterrichtssituationen am Hang bot den angehenden Lehrer_innen eine unmittelbare Vorbereitung auf die inklusive Berufspraxis. Erst durch diese praktische Erfahrung ist es ihnen wirklich möglich, Die Wahrnehmung von Kindern und Jugendliche mit einer Sehschädigung in Schneesportsituationen nachzuvollziehen. Gerade der Praxispart hat die Studierenden so – am Fallbeispiel Sehschädigung – an einen sensiblen und umsichtigen Umgang mit Inklusionsschüler_innen herangeführt.

Eine kurze Abschlussevaluation steht noch aus. Zur Reflexion der gesammelten Erfahrungen und des Gelernten fanden bereits während der Exkursion viele informelle Gespräche statt.

Übrigens: Einige Kursteilnehmer_innen haben die gesammelten Erfahrungen bereits einen Monat später mit in die Unterrichtspraxis genommen. Sie fuhren mit beim Projekt „snow&eyes“ gemeinsam mit 14 sehgeschädigten Teilnehmer_innen nach Norwegen. Über diese gemeinsame Veranstaltung von Kieler Sportwissenschaftlern und der Skischule Kiel ist ein weiterer Blog-Beitrag geplant.

Projektverantwortlich: Prof. Dr. Manfred Wegner, Andreas Märzhäuser, Institut für Sportwissenschaft

  • Das Lehrprojekt „Inklusion im Schneesport“ wurde mit dem Fonds für Lehrinnovation gefördert. Hier gelangen Sie zur Kurzbeschreibung.

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