Forschendes Gestalten in der inklusiven Medienarbeit

Wissensvermittlung mit und für Menschen mit geistiger Behinderung

Pädagogikstudierende entwickeln in einem forschungsbasierten Projekt mediengestützte Lernangebote zum Thema „Gesunde Lebensweise“ für das Gesundheitsprogramm der Special Olympics. Menschen mit geistiger Behinderung sind dabei nicht nur die Adressaten: Sie werden auch frühzeitig als beratende Expertinnen und Experten mit einbezogen. Diese gemeinsamen Termine werden durch das Institut für Inklusive Bildung begleitet.

Text: Merle Heyrock, studentische Hilfskraft

Die zwei Seminare des Moduls Bildung und Erziehung: Disziplinäre Zugänge werden
mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

Am 6. Dezember 2017 bekam das Seminar „Gesundheit konkret begreifen – inklusive Mediengestaltung im Handlungsfeld Gesundheitsprävention“, geleitet von Julia Albrecht (Medienpädagogik/Bildungsinformatik, Institut für Pädagogik), Besuch: vier Bildungsfachkräfte als Expertinnen und Experten in eigener Sache vom Institut für Inklusive Bildung kamen in das Seminar, um zusammen mit den Studierenden über Ideen und Konzepte der Wissensvermittlung für Menschen mit Behinderung zu sprechen. Die Studierenden standen zu diesem Zeitpunkt gerade noch am Anfang ihrer Gestaltungsprozesse: Es soll ein mediengestütztes Lernobjekt im Bereich der Gesundheitsprävention zu den Themen Raucherberatung und Hydration entwickelt werden. Die Arbeit mit den Bildungsfachkräften ist für die Projektgruppen eine außergewöhnliche Chance, ihre Lernobjekte fortlaufend und zu unterschiedlichen Momenten im Gestaltungsprozess mit der Zielgruppe zu evaluieren.

Um in der ersten gemeinsamen Sitzung einen Eindruck voneinander zu bekommen, eröffnen die Bildungsfachkräfte das Seminar mit einem Warm-Up. Anschließend stellen sie sich den Studierenden vor und erzählen dabei ganz offen von den Hindernissen, die ihre Behinderung oder Lernschwierigkeit in Bezug auf ihre Lernbiographie mit sich bringt. Hierbei berichten sie ausführlich darüber, wie sie gut Lernen können. Die Bildungsfachkräfte bringen neben der eigenen Erfahrung auch eine dreijährige Qualifizierung mit, die sie zum einen zur Bildungsarbeit an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen befähigt und es ihnen zum anderen ermöglicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mit Lernenden verschiedener Bildungsorganisationen zu arbeiten.

Anschließend stellen die studentischen Arbeitsgruppen ihre bisherigen Ideen anhand von Prototypen vor. Es gibt nicht nur Feedback für die Konzepte, sondern, aufbauend auf den Erfahrungen der Bildungsfachkräfte, werden auch gemeinsam Ideen generiert und weiterentwickelt.

 

Bildungsfachkraft Samuel Wunsch testest ein selbstprogrammiertes Lernspiel.

Bildungsfachkraft Marco Reschat im Gespräch mit einer Arbeitsgruppe.

 

Die Gruppen berichten, dass sie aus dem ersten Zusammentreffen mit den Bildungsfachkräften viel mitnehmen konnten, um ihre Lernobjekte weiterzuentwickeln. Auch die Bildungsfachkräfte bestätigten einen positiven Eindruck des ersten Zusammentreffens und ein großes Interesse an der weiteren Zusammenarbeit.

Für eine selbstständige und unabhängige Lebensgestaltung ist Medienbildung für Menschen mit Beeinträchtigung ein wichtiges Thema. Erste Denkanstöße zu diesem Thema lieferten in vorangehenden Sitzungen, u. a. Wilko Huper von der Lebenshilfe Schleswig-Holstein (Thema: „Leichte Sprache“) sowie Sara Groß vom Institut für Inklusive Bildung. In den nächsten Wochen werden weitere Sitzungen mit den Bildungsfachkräften folgen, um die Lernobjekte fortlaufend im Gestaltungsprozess mit der Zielgruppe diskutieren zu können.

Am Mittwoch, 31. Januar 2018, findet eine Abschlussveranstaltung gemeinsam mit dem Institut für Inklusive Bildung und Special Olympics in Schleswig-Holstein e. V. statt. Die studentischen Arbeitsgruppen stellen ihre entwickelten Lernobjekte vor und berichten aus ihren Forschungsprozessen. Interessierte Personen sind herzlich eingeladen.

Gruppe I: 10:15 – 11:45 Uhr
Gruppe II: 12:15 – 13:45 Uhr

Veranstaltungsort: Olshausenstr 75, Gebäude 3, Raum 506
Anmeldungen bitte an albrecht@paedagogik.uni-kiel.de

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