Innovative Methoden & Ideen für die Lehre

Reallabor-Workshopreihe

Im Wintersemester 2018/19 bietet das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) im Reallabor wieder eine Reihe von Methodenworkshops an. Irina Bartmann und Teresa Inclan haben im vergangenen Jahr an der Workshopreihe teilgenommen – im Gespräch schildern sie jetzt, wie die innovativen Ideen sie bei der Gestaltung eigener Lehrprojekte vorangebracht haben.

 

 

Irina: Aus welchem der Workshops hast du bereits Methoden selbst angewandt?
Teresa: Der Workshop „Partizipative Projektarbeit” hat mir wertvolle Methoden vermittelt, um Gruppenarbeiten effektiv zu gestalten. Vor allem das „Daily Stand-up Meeting“ aus dem agilen Projektmanagement  ist eine super Möglichkeit, um in kurzer Zeit alle Teammitglieder auf den gleichen Stand zu bringen. Anhand des Projekt Canvas kann man mit einer Gruppe zielgerichtet verschiedene Projektbausteine besprechen. Bei der Feedback-Methode „I like, I wish, what if“ aus dem Design Thinking werden Rückmeldungen innerhalb einer Minute auf Notizzettel geschrieben und dann geclustert. Das schafft einen guten visuellen Überblick und eignet sich besonders gut, wenn am Ende einer Lehrveranstaltung nicht mehr viel Zeit bleibt, um Feedback von den Teilnehmenden einzusammeln und bei den Studierenden eine Reflexion der Veranstaltung anzuregen. Die Methode habe ich nun schon mehrmals in Veranstaltungen eingebracht. Sie bietet eine gute Abwechslung, weil die Teilnehmenden dabei stehen. Sie lässt sich zum Beispiel auch zum Clustern von Themen nutzen.

 

Teresa: Und du? Welche Methoden nutzt du für deine Arbeit mit Studierenden?
Irina: Für mich war der Design-Thinking-Workshop besonders wertvoll. Design Thinking ist eine praktische, bedürfnisorientierte Methode, um Projekte zu planen und zu gestalten. In meinen Workshops entwickeln Studierende eigene Projekte im Bereich Nachhaltigkeit. Hier ist wichtig, die Bedürfnisse der Zielgruppe von Anfang an mitzudenken. Dazu schicke ich die Studierenden auf den Unicampus oder in die Stadt, um Interviews mit potenziell Betroffenen zu führen. Es ist immer eine tolle und gleichzeitig sehr lehrreiche Erfahrung, da die  Interviewten oftmals ganz andere Bedürfnisse haben, als zuvor angenommen. Dadurch lernen die Studierenden, wie wichtig es ist, nicht von eigenen Sichtweisen auszugehen, sondern die tatsächlichen Bedürfnisse zu beachten, um mit ihren Projekten auch tatsächlich einen Mehrwert zu schaffen. Im Design Thinking wird auch immer ein Prototyp als Entwurf einer Idee erstellt. So bauen die Studierende zum Beispiel einen kleinen Kühlschrank aus Pappe, Holz und Stiften und zeigen, wie ihre Idee von einem Foodsharing-Kühlschrank aussehen könnte. Dieses Hands-On-Lernen hilft den Studierenden nicht nur, praxisrelevante Projektideen zu entwickeln, sondern macht ihnen auch richtig viel Spaß.

 

Irina: Du hast doch den Art-of-Hosting-Workshop bei PerLe mitorganisiert. Wodurch zeichnet sich dieser Ansatz aus?
Teresa: Im Art of Hosting geht es darum, die kollektive Weisheit und Fähigkeit zur Selbstorganisation von Gruppen zu nutzen. Es soll ein Raum für Interaktionen und gute Gespräche geschaffen werden, in dem gemeinsam Neues gestaltet werden kann. Das klingt anfangs abstrakt, aber die Methoden zeigen, wie eine kreative und positive (Lern-)Atmosphäre entstehen kann.

 

Irina: Kannst du Beispiele für Art of Hosting Methoden nennen? Wie würdest du diese Methoden im Unikontext anwenden?
Teresa: Im Art of Hosting arbeiten die Teilnehmenden im Kreis. Es gibt ein sogenanntes Check-in (Einstieg) und Check-out (Austieg), das die Workshop-Inhalte einrahmt. Ich finde, dieser Rahmen lässt sich auch gut auf andere Treffen übertragen. Einfach Mal zu Beginn eine Frage zu stellen und alle im Raum ankommen und jede Stimme zu Wort kommen lassen.  Lehreinheiten werden im Art of Hosting in maximal 20-minütige Teachings verpackt und von partizipativen Einheiten eingerahmt. Schaubilder und Flipcharts werden in der Regel nicht vorbereitet sondern entstehen im Prozess während der Veranstaltung. Der Vortragende kann sich in die Mitte des Kreises begeben und von dort die Inhalte der Sitzung vorstellen. Diese Spontaneität und Position im Raum habe ich als ungewohnt und herausfordernd empfunden, aber es auch eine wirkungsvolle Möglichkeit, gewohnte Positionen im Raum aufzubrechen.

Ich achte nun mehr auf die Länge von Inputs in Lehrveranstaltungen und gestalte sie abwechslungsreicher, zum Beispiel indem ich im Kreis arbeite und Stichpunkte in die Mitte lege. Das kam gut bei den Studierenden an. Allerdings geht das nur, wenn es eine lockere Atmosphäre und eine nicht zu große Gruppe ist.

 

Teresa: Warum sind die Methoden aus den Reallabor-Workshops für Lehrende interessant?
Irina: Die kreativen und interaktiven Methoden lassen sich in verschiedenen Kontexten anwenden. Sie basieren auf einer wertschätzenden Haltung des Lehrenden, die Raum und Offenheit für persönliche Lernerfahrungen und gemeinsames Gestaltung von Prozessen ermöglicht. Die Methoden können sowohl im Berufskontext verwendet werden, zur effektiveren Zusammenarbeit im Team als auch zur Gestaltung von interaktiven, prozessorientierten Seminaren für Studierende.

 

Irina Bartmann arbeitet als Workshop Facilitator und Coach bei yooweedoo, einem Lernprogramm in dem Studierende unterstützt werden, eigene Projekte oder Start-Ups im Nachhaltigkeitsbereich zu starten. Außerdem ist sie Autorin bei Funkenzeit. Für ihre Workshops nutzt sie gerne Art-of-Hosting-Methoden, da sie eine wunderbare Möglichkeit sind, mit Menschen kreativ und partizipativ zu arbeiten. 

Teresa Inclan hat an der CAU den Master „Sustainability, Society and the Environment“ studiert. Sie schreibt für Funkenzeit und arbeitet für zukunftsmacher.sh und yooweedoo. In dem einjährigen Lernprogramm lernen Studierende, Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu finden, indem sie eigene Projekteideen entwickeln und umsetzen.

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