Integration durch Hochschulen

Erhebung zum Thema „Studium für Flüchtlinge“

Die Bereitschaft deutscher Hochschulen, Geflüchtete bei der Aufnahme eines Studiums zu unterstützen, ist groß. Dennoch fühlen sich die Hochschulleitungen schlecht auf diese Aufgabe vorbereitet. Das ergab eine Umfrage des Stifterverbandes und der Heinz Nixdorf Stiftung unter allen Hochschulleitungen. Die Befragten wünschen sich mehr Unterstützung aus Wirtschaft und Politik.

Text: Lisei Ziesmer (Studentin/PerLe)

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) schätzt, dass sich 30.000 bis 50.000 Menschen auf der Flucht nach Deutschland befinden, die für ein Hochschulstudium befähigt sind. Ihnen die Möglichkeit zum Studieren zu geben, ist aus vielerlei Gründen sinnvoll. Junge Menschen bringen sich besser in die Gesellschaft ein, wenn sich ihnen dort berufliche Perspektiven bieten. Zudem ist das Studium eine Plattform für die soziale Vernetzung – und ist dadurch ein wesentliches Medium der Integration.

* Quelle: Protokoll zum öffentlichen Fachgespräch im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag (pdf) vom 17.2. 2016

Just hat der Stifterverband eine Erhebung zum Thema Studium und Flüchtlinge veröffentlicht, der zufolge die meisten deutschen Hochschulrektor_innen die Einschätzung des DAAD teilen: 70% aller Befragten geben an, dass Hochschulbildung  eine wichtige Rolle bei der Integration spiele. Und 72% der Hochschulen bieten der Studie zufolge bereits konkrete Hilfestellungen für den Studieneinstieg von Geflüchteten an.

 

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Grafik: Stifterverband.

 

 

37% aller Umfrageteilnehmer_innen sind davon überzeugt, dass die Aufnahme von Flüchtlingen auch einen positiven Effekt auf die eigene Hochschule haben wird. Die Internationalisierung des Campus stellt neue Herausforderungen an die Lehre und fordert innovative Konzepte. Die dadurch angestoßenen Weiterentwicklungen von Lehr- und Lernformen jedoch kommen allen Studierenden zugute.

Ohne ehrenamtliches Engagement läuft es nicht

Zugleich gibt die Integrationsaufgabe externen Netzwerken der Hochschulen frische Impulse. Regionale Partner aus der Wirtschaft, Gesellschaft und Bildung werden benötigt, um  Flüchtlingen ein breites Hilfsangebot zu bieten. Auf diese Weise lassen sich alte Netzwerke auffrischen oder stärken und neue erschließen. 82% der Hochschulen, die schon Hilfe leisten, arbeiten aus diesem Grund mit externen Partnern zusammen.

Auch die Kieler Universität will den Studieneinstieg für Geflüchtete möglichst reibungslos gestalten. Es stehen Informationsangebote, Deutschkurse, Rechtsberatungen, Hilfe bei Lernschwierigkeiten u. v. m. zur Verfügung. Doch die bestehenden Strukturen reichen hierfür nicht aus:  Zahlreiche Hochschul-Angehörige engagieren sich ehrenamtlich – beispielsweise als Deutschlehrer_innen, in studentischen Projekten oder schlicht durch Kleider- und Sachmittelspenden.

Fehlende Mittel & unübersichtliche Gesamtlage

Gerade was die Unterstützung durch Politik und Gesellschaft anbelangt, sehen die Hochschulrektor_innen laut der aktuell veröffentlichten Stifterverbands-Studie noch große Defizite. Nur 30% der staatlichen und 15% der privaten Hochschulleitungen meinen, dass die Politik ausreichende finanzielle und rechtliche Maßnahmen getroffen habe.

Ein weiteres Problem ist die Datenlage, denn 40% der Hochschulen können noch gar nicht absehen, wie hoch die Zahl geflüchteter Studierender an der eigenen Hochschule eigentlich ausfallen wird. Das macht es schwierig, angemessene Hilfsmaßnahmen zu konzipieren und anzubieten. Aktuell wird davon ausgegangen, dass der Prozentsatz von Flüchtlingen an den Hochschulen bei rund 0,6% liegt.

 

Weiterführende Informationen

zur Studie

 

zu Angeboten & Informationen für Geflüchtete an der CAU

 

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