Blended Learning: Lehrinnovationen in der Geographie

Neue Möglichkeiten dank Erweiterungen im OpenOLAT

Die Lernplattform OpenOLAT ist am Geographischen Institut lange Zeit eher als Online-Ablage und Austauschforum für Materialien benutzt worden, eine Integration der eLearning-Funktionen im engeren Sinne hat dagegen kaum stattgefunden. Das wollte Diplomgeographin Sakura Yamamura ändern. Eine Erweiterung der Testfunktionen sowie ein iSpring-Quizmaker bieten inzwischen vollkommen neue Möglichkeiten für die Lehre. Ein Bericht aus der Praxis, Anwendungsbeispiele inklusive.

  Autoren: Luis Karcher, Sakura Yamamura

Dieses Vorhaben wurde mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

Das Konzept des E-Learnings kann eine effektive Unterstützung im Lernprozess der Studierenden darstellen. Insbesondere durch die Kombination unterschiedlicher medialer Vermittlungsformen und der räumlichen und zeitlichen Unabhängigkeit beim Lernen entstehen Vorteile. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel steht OpenOLAT als Lernplattform im Vordergrund. Das primäre Problem am Geographischen Institut bezüglich der Nutzung des eLearning-Angebots besteht jedoch darin, dass OpenOLAT hauptsächlich als Online-Ablage und Austauschforum für Materialien benutzt wird und bis dato keine Integration der eLearning-Funktionen im engeren Sinne stattfand.

Die Nutzung von OpenOLAT als Lernplattform wurde zusätzlich erschwert, da die in OpenOLAT im Vorhinein integrierte Testfunktion zum Zeitpunkt des Projektstarts relativ rudimentär ausgestattet war und wenig Möglichkeiten für interaktive und abwechslungsreiche Fragen bot.  Die Testtypen, die in OpenOLAT damals zur Verfügung standen, umfassten lediglich  Single-Choice-Fragen, Multiple-Choice-Fragen und Lückentexte. Zudem stieß die Testfunktion in OpenOLAT bei komplexeren Anforderungen an die Testeinstellungen, wie zum Beispiel einer Shuffle-Funktion oder der Funktion zufällige Fragen aus bestimmten Fragensets auszuwählen, an seine Grenzen.*

Deshalb wurde im Rahmen der Vorlesung „Methoden empirischer Sozialforschung“ am Geographischen Institut die E-Learning-Funktion mit Hilfe des Tools iSpring-Quizmaker maßgebend verbessert und ausgebaut. Durch eine Schulung von Markus Alber, e-Learning Produktionsmanager – Leitung Medienlabor eLK.Medien – zentraler e-Learning Service an der CAU, war der Einstieg in die neue Software iSpring-Quizmaker sehr unkompliziert. Das Programm kann als Uni-Lizenz mit Rabatt erworben werden, wobei diese abgesehen von Aktualisierungen fristlos benutzt werden kann.

* Inzwischen wurde auch der OpenOLAT-eigene Testeditor deutlich überarbeitet, sodass dort mittlerweile 13 verschiede Fragetypen zur Verfügung stehen. In einem Beispieltest hat der zentrale 
eLearning-Service der CAU einige der neuen Fragetypen zur Ansicht eingerichtet: https://lms.uni-kiel.de/url/RepositoryEntry/1554808834.

Die Erweiterung von Testfunktionen und Einbindung von iSpring-Quizmaker bringt mehrere Vorteile sowohl für die Endnutzer*innen, d.h. Studierenden, als auch für die Dozent*innen mit sich.

 

Studierenden-Seite:

Auf der studentischen Seite sind es vor allem die Abwechslungen der Frageformate als auch das attraktive Design des iSpring, die auf das Lernen und Geprüftwerden positiv auswirken.

 

Responsives Design für mobile Nutzung

Gerade im Kontext von Selbsttests zum Üben von Testaufgaben und zur Wiederholung der Lehrveranstaltungsinhalte spielt die mobile Nutzung eine sehr große Rolle bei Studierenden. Die in OpenOLAT eingebetteten iSpring-Quizes sind komplett responsiv (Abb. 1), so dass die Studierenden die Tests auch mobil an ihrem Smartphone oder Tablet durchführen können. Hiermit wird die Auseinandersetzung mit den zu lernenden Inhalten außerhalb der Lehrveranstaltung niedrigschwelliger gestaltet.

 

Abbildung 1: Responsives Design.

 

 

 

Übersichtlichkeit

Abbildung 2: mit iSpring-Quizmaker ersteller Fragebogen (links) versus auf OpenOLAT erstellter Fragebogen (rechts)

Eine weitere eher oberflächlichere, jedoch für Jugendliche durchaus wichtige Verbesserung ist auch das übersichtlichere und attraktivere Design. Die linke Abbildung stellt einen exemplarischen Test dar, der mit dem iSpring-Quizmaker entworfen wurde (Abb. 2). Die rechte Abbildung zeigt im Gegensatz dazu einer in OLAT erstellter Test. Es fällt auf, dass die Darstellung mit Hilfe des iSpring-Quizmakers deutlich übersichtlicher und ansprechender ausfällt.

 

Vielfalt an Fragetypen

Ein inhaltlich großer Vorteil von iSpring Quizmaker ist, dass mehr Fragetypen als auf OLAT möglich sind. Neben gängigen Single-Choice, Multiple-Choice und Fill in the blank (Lückentext), die auch in der Form von OpenOLAT angeboten werden, gibt es unter anderem die Fragetypen Sequence (Abbildung 3), die eine Sequenzierung von Sachverhalten, hier die Reihenfolge vom idealtypischen Forschungsablauf abfragen kann.

Abbildung 3: Fragetyp – Sequence

Auch das Matching (Abbildung 4), bei denen sowohl definitorische Ergänzungen oder aber auch inhaltlich komplexere Zusammenhänge zusammengefügt werden müssen, wurde öfter eingesetzt. Für manche andere Fachrichtungen könnten auch sogenannte Hotspot-Fragen, bei denen im hochgeladenen Bild bestimmte Punkte zu markieren sind, nützlich sein.

 

Abbildung 4: Fragetyp – Matching

 

Einbindung von Medien

Weiterhin ist in iSpring die Einbindung von Bildern, Grafiken (Abbildung 5) und sogar Videos (Abbildung 6) problemlos möglich.

Abbildung 5: Fragetyp – Grafiken

Abbildung 6: Fragetyp – Videosequenz

 

 

 

So können interaktivere und abwechslungsreichere Tests erstellt werden, die ein effektiveres Lernen ermöglichen. Besonders der Einsatz von Multimedien schien bei Studierenden gerade in der ansonsten eher trockenerer Methodenausbildung positiv aufgenommen zu werden.

 

Feedback-Funktion

Wie in Abbildung 1 und 2 auch ersichtlich wird, besteht in iSpring-Quizmaker ist die Möglichkeit eines direkten Feedbacks zu Selbstlernzwecken bei iSpring vorhanden. Es können pro Aufgabe „korrekt“ oder „falsch“ angezeigt werden (die Wortwahl ist individuell einstellbar; ggf. sind auch motivierende Sprüche möglich). Auch ist es im Rahmen der iSpring-Erweiterung im OpenOLAT auch möglich, dass Studierende nach dem Ablegen des jeweiligen eTests die Ergebnisse ihres Tests online einsehen und so ihren Lernerfolg selbst beurteilen können.

 

Dozenten-Seite:

Auf der Seite der Dozierenden ist vor allem die Integration des iSpring Quizmakers in OpenOLAT eine administrative Erleichterung, da alle Benotungen im OLAT-Kurs gesammelt werden können. Außerdem stellt das sehr benutzerfreundlich gestaltete Programm keine weitere Bürde für den Dozierenden dar (Anm: vor allem im Vergleich zur Einstellung von Tests direkt in OpenOLAT scheint iSpring-Quizmaker bei weitem benutzerfreundlicher zu sein).

 

Benutzerfreundlichkeit

Abbildung 7: Benutzeroberfläche des iSpring-Quizmakers

 

Neben den Vorteilen der erweiterten Fragekategorien bietet ISpring-Quizmaker eine einfachere Handhabung und ist damit deutlich stärker „user-friendly“. Durch weitere Einstellung wie das „Shuffeln“ von ganzen Fragen, Fragen in bestimmten Fragensets oder nur der Antworten, können die jeweiligen Tests nach Bedarf zusammengestellt und durchgeführt werden. Dies verhindert z.B. die gleichzeitige Beantwortung der Testfragen durch mehrere Studierende, da nach dem Zufallsprinzip unterschiedliche Fragen in unterschiedlicher Reihenfolge gestellt werden und auch das schnelle Abgucken von Antworten durch das Shuffeln der Antworten selbst auch verhindert wird.

 

Notenverwaltung

Eingesetzt wurden diese mit iSpring erstellten Tests als Selbsttests zur Übung der Vorlesungsinhalte, wobei die Selbsttests beliebig oft abgelegt werden konnten. Eine Einstellung in OpenOLAT erlaubt auch eine Freischaltung einer mit Lösungen ausgestatteten Selbsttests, nachdem der/die Studierende eine bestimmte Punktzahl erreicht, so dass die Lernphasen zweistufig abliefen. Der verbindliche eTest wurde dann auch über OpenOLAT im Prüfungsmodus abgeleistet.

Statistiken können über die Häufigkeiten, die Dauer und auch die jeweils erreichten Punktzahlen der abgelegten Selbsttests generiert werden. Die Ergebnisse vom eTests werden direkt im OpenOLAT-Kurs angezeigt, was die Verwaltung von unterschiedlichen Prüfungsformaten erheblich erleichtert. So können zu jedem Studierenden Individualnoten zu den eTests, aber auch ggf. Gruppennoten durch in OpenOLAT gestellten Gruppenaufgaben zentral gesammelt werden.

Abbildung 8: Ergebnisübertragung von iSpring in OpenOLAT

 

Fazit

Neben den Vorteilen des iSpring-Quizmakers sind uns bei unserer Nutzung mit der Verknüpfung mit OLAT auch einige Herausforderungen begegnet. Schon durch die Nutzung eines weiteren Programms außerhalb von OLAT, wird der „Workflow“ etwas komplexer, als nur die eLearning-Funktionen direkt in OLAT zu nutzen. Auch entsteht dadurch der Nachteil, dass man mögliche Fehler im konzipierten Test nicht direkt in OLAT verbessern kann, sondern eben nur im iSpring-Quizmaker, was ein anschließendes erneutes Hochladen der aktualisierten Testdatei nötig macht. Anfängliche Bugs bei der Übertragung von Testergebnissen wurden schnell durch Einstellung auf der OpenOLAT-Platform beseitigt. Das Drücken von „zurück“ oder „neuladen“ der Webseite im Browser während eines Tests verursacht einen Abbruch des Tests; das Zurücksetzen des abgebrochenen Tests kann jedoch schnell auf OpenOLAT durchgeführt werden.

Zusammengefasst können mit der Benutzung des iSpring-Quizmakers relativ einfach abwechslungsreiche und interaktive Tests für die Studierenden erstellt werden. Natürlich stellt ein zusätzliches Programm extern von OpenOLAT ein Nachtteil dar, jedoch lassen sich die Tests gut in OpenOLAT integrieren und bieten dann einen großen Mehrwert gegenüber der sowieso auf OpenOLAT verfügbaren Testfunktion. Die Studierenden profitieren damit von inhaltlich und grafisch ansprechenden Tests, die Dozenten von der guten Bedienbarkeit des iSpring-Quizmakers und der Darstellung der Ergebnisse auf OLAT.

 

Mehr über das umfangreiche neue Blended Learning-Angebot in der Geographie erfahren Sie auch in den folgenden Blogbeiträgen:

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