Journalismus, Inklusion & sportliche Höhepunkte

Special Olympics: Berichterstattung aus studentischer Feder

Als Studierende Teil einer Redaktion für das größte nationale Sportereignis für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung: Athletinnen und Athleten interviewen, Momente und Emotionen festhalten, spannende Texte verfassen. Das alles konnten wir mithilfe des Projekts erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) im Sommersemester bei den Special Olympics in Kiel. Aber wie genau läuft so etwas ab und was für Vorbereitungen sind notwendig? Das Ganze aus studentischer Sicht hier im Blog.

Text: Tamara Scherf & Sascha Hamann

Das Sommersemester 2018 stand vor der Tür und jeder „Zwei-Fach-Bachelor“ wird die Frage kennen: Was wird denn dieses Semester im Profil Fachergänzung angeboten? Klar geht der erste Blick in Richtung PerLe. Dann folgt die Überlegung: Ich sollte etwas wählen, das mich meinem Berufswunsch näher bringt. Da wird die Luft schon dünner und oftmals sind Kompromisse bei der Auswahl fachergänzender Lehrveranstaltungen das Ergebnis. Aber nicht so in diesem Semester: Das Special Olympics Seminar war für beide von uns ein Volltreffer, da wir uns gut vorstellen können, nach dem Studium in einem journalistischen Beruf zu arbeiten.

2018 ist nicht nur wegen der Fussball-Weltmeisterschaft ein Jahr zum Jubeln für alle sportbegeisterten. Auch in der Landeshauptstadt Kiel wurde im Rahmen der Special Olympics vom 14. bis zum 18. Mai sportlich Großes geleistet. Und dank PerLe waren wir als Studierende mittendrin statt nur dabei. Wir wurden Teil der Inklusiven Redaktion und der Social Media Redaktion des Großevents – und durften als Journalisten live vor Ort sein. Doch bevor wir in die Arbeit einsteigen konnten, bedurfte es einer Blitzschulung in Sachen Journalismus und arbeiten mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Um uns Studierende dafür so gut es geht zu rüsten, wurden Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten angeboten. Mindestens zwei davon sollten wir auswählen und besuchen. Wir entschieden uns für eher praktisch ausgerichtete Workshops, da wir durch Praktika und Hospitationen bereits Vorkenntnisse im Journalismus mitbrachten. Nummer eins Fotografie und Nummer zwei Video-Content.

 

 

Mit reichlich Vorwissen und gespannt auf die Inhalte hieß es am 2. Mai für uns: Kamera raus und lächeln, bitte! Geleitet wurde der Foto-Workshop von Thomas Eisenkrätzer, freier Journalist und Fotojournalist, der unter anderem auch für die Kieler Nachrichten arbeitet. Nach einer kurzen Einführung und einigen theoretischen Hinweisen war es soweit: Wir durften die Kameras rausholen und das Gelernte ausprobieren. Die ersten Kniffe studierten wir noch im Seminarraum ein. ISO-Wert, Blende, Belichtungszeit – wie hängt das noch gleich miteinander zusammen? Klar könnte man auch einfach die Automatikfunktion benutzen, aber dafür waren wir nicht dort.

Nach den ersten Gehversuchen folgte die Praxis in der Natur: Auf den Sportplätzen der CAU wurden diverse Szenarien nachgestellt und wir mussten die Kamera jeweils anpassen. Immer an unserer Seite: Thomas Eisenkrätzer, der jederzeit einen Tipp parat hatte. Bei bestem Wetter haben wir leider schnell die Zeit aus den Augen verloren und kamen nicht mehr dazu, die eingefangenen Bilder auch auszuwerten. Schade, dass wegen mangelnder organisatorischer Abstimmung dieser Bestandteil des Workshops komplett entfallen musste. Trotzdem hat Thomas Eisenkrätzer die sehr heterogene Gruppe der Teilnehmenden mit vielen Tipps und Know-How ausstatten können.

Moderation, Interview, Emotion, Skandale & sportliche Höhepunkte

Von Stillleben zu Bewegtbildern und damit zum zweiten Workshop mit Linus Krebs, freier Filmemacher. Auch hier gab es wieder einen kurzen theoretischen Teil vorweg. Worauf muss man beim Filmen achten? Was interessiert das Publikum? Wie verhalte ich mich als Kommentatorin, Moderator richtig? Welche Kameraeinstellungen sollte man benutzen? Diesen Fragen widmeten wir uns, bevor es an den praktischen Teil ging. In kleinen Gruppen und bewaffnet mit diversen Sportgeräten sollten wir einen kleinen Beitrag filmen. Anmoderation, Interviews, Abmoderation, Emotionen, Skandale, sportliche Höhepunkte. Alles sollte dabei sein und möglichst ansehnlich und spannend aufbereitet werden.

Nachdem die eingefangenen Szenen fertig zusammengeschnitten und bearbeitet waren, haben wir die Filme gemeinsam angeschaut, mithilfe von Linus analysiert und uns auch gegenseitig Tipps mit auf den Weg gegeben. Ein gelungener Tag, der für viele auch die erste Berührung mit dem Medium Film darstellte. Anfangs war es schon ein komisches Gefühl seine eigene Stimme zu hören und sich vor einer Kamera zu präsentieren. Aber mit der Zeit wurden wir alle routinierter, die Nervosität verflog und die Beiträge gestalteten sich allesamt sehr unterhaltsam und spannend.

Am Ende hatten wir die nötigen Werkzeuge mit auf den Weg bekommen, um während der Special Olympics auch richtig mitarbeiten zu können. Bis auf Kleinigkeiten, wie die organisatorischen Probleme beim Foto-Workshop, war das Projekt für uns Studierende eine gute Möglichkeit, einerseits bei einem spannenden Groß-Event mitarbeiten zu können und andererseits wertvolle Praxiserfahrungen im Arbeitsfeld Journalismus zu sammeln.

 

Beispiele für die journalistischen Arbeitsergebnisse der Teilnehmenden finden sich auf den Social-Media-Kanälen von Special Olympics Deutschland. Etliche Artikel aus studentischer Feder sind zudem auf dem Onlineportal und in den Printausgaben des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags erschienen. Ein paar Beispiele:

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