Kieler Studierende gründen eine „Law Clinic“

Engagement und Praxisbezug im Jura-Studium

Für sie zählen Menschen, keine Noten: Eine Gruppe Kieler Jura-Studierender gründet zurzeit eine „Law Clinic“ – eine Einrichtung, in der schon Juristen in Ausbildung rechtlich beraten dürfen. Gesellschaftliches Engagement und Berufsvorbereitung gehen dabei Hand in Hand, denn Rat­su­chen­de sollen in der „Law Clinic“ kostenlos nied­rig­schwel­lige Rechts­hilfe erhalten, und Stu­die­ren­de kön­nen er­lern­tes Wis­sen prak­tisch an­wen­den. Ein Beitrag von Engin Kenter aus dem Kieler „Law Clinic“-Team.

Text: Engin Kenter (Law Clinic)

Was ist eine Law Clinic?

Ursprünglich stammt das Konzept der Law Clinic aus den USA, hat sich im Laufe der letzten Jahre aber an Universitäten weltweit verbreitet. In einer Law Clinic sollen Studenten der Rechtswissenschaften bereits früh, d.h. nach Erwerb rudimentärer Rechtskenntnisse, das in den Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften Gelernte in der Praxis anwenden und ihre Fähigkeiten zum Wohle von Rechtsuchenden nutzen, indem sie diese unter Anleitung eines Anwalts beraten. Bei diesem Lehrmodell geht es darum, die (theoretische) juristische Ausbildung auch mit Praxiserfahrungen abseits der üblichen Praktika zu koppeln. Dadurch erhalten die Studenten die Möglichkeit, sich bereits während des Studiums intensiv mit der anwaltlichen Tätigkeit auseinanderzusetzen, die gesammelten Erfahrungen mit den universitären Lerninhalten zu verbinden und diese auch lebensnah anzuwenden. Es sollen schon während des Studiums Kompetenzen vermittelt werden, die sich Juristen üblicherweise erst im Rahmen der ersten Berufserfahrungen aneignen.

Eine Law Clinic dient als Plattform  für Menschen, die rechtlichen Beistand benötigen, aber sich aufgrund ihrer persönlichen und/oder finanziellen Situation eine konventionelle Rechtsberatung durch Anwälte nicht leisten können. Stattdessen erhalten sie diese dann durch Studenten der Rechtswissenschaften. Realisiert wird dies in der Regel durch eine Kooperation mit sozial engagierten Anwälten und Mitgliedern der juristischen Fakultät, die Studenten an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lassen – und sie bei der Bearbeitung der Fälle unterstützen und anleiten.

Das Konzept der Law Clinic Kiel

Die Studenten sollen im Rahmen eines Schlüsselqualifikationskurses durch einen Anwalt auf die Aufgaben, die sich im Rahmen der Law Clinic für sie ergeben, vorbereitet und in der Lösung geschult werden. Geplant ist, die Fähigkeiten der Studenten im Bereich der Gesprächsführung auszubauen, und zusätzliche Fertigkeiten – etwa im Zusammenhang mit der Mandantenbetreuung, Problemerfassung und gegebenenfalls Mediation – zu vermitteln.

Die Studenten hospitieren zunächst bei Anwälten, um Einblicke zu erhalten, wie man sich gegenüber seinem Mandanten verhält, wie man versucht, den zu bearbeitenden Lebenssachverhalt zu erfassen und wie man Kernprobleme erkennt und löst. Zudem sollen sich die Studenten bereits im Zuge dieser Hospitation aktiv mit Lösungsvorschlägen einbringen und zunächst in Kooperation mit dem Anwalt Mandanten beraten, um dann im nächsten Schritt diese Beratung alleine, aber unter Aufsicht des Anwalts, durchzuführen.

Die Studenten erhalten so die Möglichkeit, schon während des Studiums ihre erworbenen Rechtskenntnisse anzuwenden und ihren Erfahrungsschatz zu erweitern. Der nächste Schritt besteht darin, dass die Studenten im Rahmen eines Mandats der Anwälte diese durch das Erstellen von Gutachten, Schriftsätzen und Stellungnahmen unterstützen und auf diese Weise immer mehr auf die berufliche Tätigkeit vorbereitet werden. Geplant ist zunächst eine Rechtsberatung im Bereich des Bürgerlichen Rechts und eine Unterstützung Asylsuchender. Finanziert werden soll dieses Projekt langfristig durch ein Sponsoring (etwa von Finanzinstituten, Versicherungsunternehmen, Anwaltskanzleien, juristischen Verlagen oder anderen lokalen (Groß)Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen).

Was versprechen wir uns von diesem Projekt?

Wir hoffen durch die Etablierung einer Law Clinic an der CAU einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Ausbildung der Studierenden der Rechtswissenschaften um weitere praxisnahe Erfahrungen bereichert wird. Wir wünschen uns, dass dies es den Studierenden erleichtert, sich schon früh zu orientieren, in welchem konkreten Bereich sie später einmal arbeiten wollen. Weiter versprechen wir uns, dass sich Teilnehmende der Kieler Law Clinic aktiver und motivierter in Vorlesungen einbringen, da ihre Erfahrungen sie im juristischen Denken vorangebracht haben.

Zudem stellt es einen Mehrwert für die Persönlichkeitsentwicklungentwicklung dar, die eigenen Fähigkeiten zum Wohle jener einzusetzen, die Unterstützung benötigen – dass das Übernehmen von Verantwortung für Gerechtigkeit zudem etwas ist, das einen Beitrag zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung leistet, steht außer Frage.

Für die Professoren ergibt sich durch die Law Clinic die Gelegenheit, Studierende über die Vorlesungen hinaus an ihrem Wissen teilhaben zu lassen und sie auch dadurch dazu zu animieren, die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Darüber hinaus eröffnet eine Law Clinic vielfältige Kooperationsmöglichkeiten mit Einrichtungen, die sich dem Wohle der Gesellschaft widmen und hierbei durch das Engagement der Studierenden und der juristischen Fakultät unterstützt werden können.

Last but not least: Für die Universität ergibt sich die Möglichkeit einer Einbindung gesellschaftlicher Fragestellungen in die universitäre Ausbildung und der Kundgabe der Bereitschaft, auch außerhalb des Lehrbetriebes Verantwortung für das Wohl jener zu übernehmen, die Hilfe benötigen. Diese Bereitschaft vermittelt die CAU dadurch auch ihren Studierenden.

Mehr zur Kieler Law Clinic

 

Hier erfahren Sie mehr zum Thema Law Clinics:

  • Als Inspiration diente der Kieler Law Clinic unter anderem die Bucerius Law Clinic in Hamburg, die auf So­zi­al­recht und Aus­län­der­recht sprezialisiert ist.
  • Umfassende Informationen liefern auch die Seiten der Refugee Law Clinic Munich.

 

Kontakt

  • Möchten Sie mehr über die Kieler Law Clinic erfahren? Dann wenden Sie sich einfach per Mail an den Autoren dieses Blog-Beitrags, Engin Kenter: enginkenter@googlemail.com.
  • Jens Theilen vom Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht hat bereits an der Bucerius Law Clinic in Hamburg mitgewirkt – jetzt berät er die Kieler Studierenden bei der Umsetzung ihres Vorhabens. Auch er steht bei Rückfragen gern zur Verfügung: jtheilen@wsi.uni-kiel.de.
  • Die Kieler Refugee Law Clinic auf facebook

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