„Wir werden als vollwertiges Fach akzeptiert”

Frisistik an der CAU

Gräzistik, Hauswirtschaftswissenschaft oder Verwaltungswissenschaft sind Fächer, die man an der Uni Kiel studieren kann. Sie behandeln Nischenthemen und gehören zu den sogenannten kleinen Fächern. Jarich Hoekstra, Professor für Frisistik an der CAU, erzählt, was Lehrende beschäftigt und gibt Einblicke in eine Welt mit zweistelligen Studierendenzahlen im Fach.

Text: Rebecca Such
(Studentin/PerLe)

Die interfriesische Flagge des Friesenrat

„Ik snååk frasch” heißt es auf dem Sticker an der Bürotür von Jarich Hoekstra. Der Professor für Frisistik lehrt und forscht an der CAU zur friesischen Sprache und hat mit seinem Fach einen Exotenstatus. Er ist jedoch nicht der einzige: 33 sogenannte Orchideenfächer gibt es insgesamt in Kiel. Laut der Arbeitsstelle Kleine Fächer an der Uni Mainz, darf es nicht mehr als drei unbefristete Professuren mit deutschlandweit zwei Ausnahmen geben, damit ein Fach als klein gilt. 

Im Gegensatz zu traditionellen Massenfächern wie BWL oder Jura, sehen sich die kleinen Fächer nicht mit überfüllten Hörsälen und Anonymität auf den Institutsfluren konfrontiert. Ihre Probleme sind anderer Natur, zum Beispiel müssen sie ihre Existenz häufig rechtfertigen und sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, nur eine Teildisziplin zu sein. Aus ökonomischer Sicht lohnen sie sich kaum. Dass es sie gibt, hat andere Gründe: „Warum gibt es Frisistik in Kiel – natürlich, weil das etwas ist, was zum Land Schleswig-Holstein gehört, zur Geschichte, so wie Dänisch auch. Deshalb macht es Sinn, dass das Land und die Uni sich in irgendeiner Weise mit Friesisch beschäftigen,” erklärt Hoekstra.  

Die historische Bedeutung begründet auch, warum Frisistik eigenständig gelehrt und erforscht wird und nicht als Teildisziplin in die Germanistik eingegliedert ist. „Was eine Teildisziplin ist und was nicht, ist auch wieder eine politische Frage,” so Hoekstra. Es muss genug Druck und Interessierte geben, damit ein potentielles Fach eine Lobby hat und die wissenschaftliche Notwendigkeit da sein. Politisch genießt die Frisistik breite Unterstützung, zum Beispiel setzt sich das Friesengremium im Landtag für die Belange der friesischen Minderheit und ihrer Sprache ein. 

„Vielfalt und regionale Kulturgüter werden von der Hochschule in vielfacher Weise gefördert, dies gilt auch für das Dänische, das Niederdeutsche und das Friesische, deren akademische Repräsentanz mindestens im aktuellen Umfang weiterhin sichergestellt werden.“

(Ergänzende Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit der Europa-Universität Flensburg und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2016 bis 2019)

Und wie steht es um die Stellung an der Uni? „Ich kann mich gar nicht beschweren. Wir haben innerhalb der Uni eine gute Position, wir sind sehr gefestigt,” freut Hoekstra sich. Die Zusammenarbeit mit anderen Fächern funktioniere auch gut: „Wir werden als vollwertiges Fach akzeptiert.” Seine positiven Erfahrungen führt er auch auf die Minderheitenpolitik des Landes zurück, die richtungsweisend für das universitätspolitische Geschehen ist. 

Der Status als kleines Fach wirkt sich besonders auf die Lehre aus. Frisistik kann in Kiel als 2-Fach-Bachelor und 2-Fach-Master studiert werden, aktuell sind ungefähr 25 bis 30 Studierende immatrikuliert. „Das Problem bei so einem kleinen Fach ist natürlich, dass wir nicht immer alles thematisch abdecken können,” erklärt Hoekstra, der zusammen mit einem weiteren Kollegen für die Lehre zuständig ist. Es gibt immer wieder Überlegungen zu universitätsübergreifenden E-Learningangeboten, wie zum Beispiel die Uni Köln es bereits im Fach Skandinavistik möglich gemacht hat. Bisherige Ideen dazu in Kooperation mit der Universität Groningen sind leider am unterschiedlichen Studienaufbau gescheitert. „Wir versuchen aber schon, Lehrmaterialien gemeinsam zu entwickeln,“ berichtet Hoekstra. Das kleine Fach bietet durchaus viele Vorteile für die Studierenden: Sie können ihre Stundenpläne flexibel gestalten und werden eng betreut – ein Seminar zu dritt wäre für BWL- oder Jura-Studierende wohl kaum möglich.

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