Interview mit Democrazy-Initiator Dr. Wilhelm Knelangen

Audiobeitrag von Jan Voß

Dr. Wilhelm Knelangen verrät, warum er dem Hörsaal gerne mal den Rücken kehrt. Ein Gespräch über die Wagnisse des Lehrens, über Neugierde – und gute Verpflegung. Ein Interview von Jan Voß.

Das volle Interview zum Anhören:

Wie sind Sie auf die Idee gekommen die Seminare außerhalb der Uni stattfinden zu lassen?
Wilhelm Knelangen: Ich glaube, dass man außerhalb der universitären Räume eine ganz andere Atmosphäre schafft dadurch, dass die Studierenden länger zusammensitzen. Die Atmosphäre in den Räumen in Tagungshäusern ist freundlicher und offener und es ergibt sich auch viel leichter die Möglichkeit, Querverbindungen zwischen Themen herzustellen. Das ist so im wöchentlichen Rhythmus an den Universitäten kaum möglich.
Hinzu kommt natürlich auch, dass man hier einfach nett und angenehm verpflegt wird. Das ist etwas, was man bei einem Blockseminar in Universitätsräumen auch nie so hinbekommt.

Welches Ziel wollen Sie für die Studierenden erreichen?
Ich bin realistisch und deshalb glaube ich, dass bei diesem Seminar das, was man so im klassischen Sinne die Forschungsorientierung nennt, nicht so stark im Vordergrund steht, wie wenn man sich von Woche zu Woche trifft. Ich glaube, dass die Studierenden eher einen Baustein, ein Set von Bausteinen, von Themen und von Motiven hier kennenlernen, und das Ganze im Idealfall zu Hause noch einmal nacharbeiten.
Ich glaube, dass da tatsächlich auch durch die Art und Weise, wie die Studierenden die Themen gestaltet haben, eher Anregungen gegeben worden sind. Nach dem Motto: Das will ich selber genauer wissen, weil wir viele Dinge hier nur angerissen haben, uns vorläufig ausgetauscht haben, ohne dass wir zu abschließenden Ergebnissen gekommen sind.

Sie haben es vorhin schon kurz angesprochen: Hier werden Themen von den Studierenden auch anders aufbereitet, als es vielleicht in der normalen Seminarsituation der Fall ist. Und in zwei Wochen treffen wir auf die Gruppe aus Dänemark. Was erwarten Sie von diesem Treffen in Hinsicht auf die Zusammenarbeit der Kieler Studierenden mit der dortigen Gruppe?
Einerseits bin ich gespannt, wie die Kieler Studierenden das Problem lösen, dass man plötzlich eigenverantwortlich Dinge für eine Gruppe machen muss, die man gar nicht kennt. Deren Reaktionen man auch nicht kennt. Und zum anderen gibt es hier nach meiner Wahrnehmung so einen sozialdemokratischen Grundkonsens in der Gruppe. Das ist etwas, das sich vielleicht nicht unbedingt deckt mit dem, was Menschen aus ganz anderen Ländern mitbringen an Erwartungen, an Erfahrungen. Und von daher glaube ich, wird es dieser Gruppe sehr guttun, die eigenen Sichtweisen mal ein bisschen zu hinterfragen.

Abschließend: Was können Sie Lehrenden mitgeben, die vielleicht auch mit dem Gedanken spielen so ein Seminar zu veranstalten?
Es macht immer mehr Arbeit, wenn man sich gewissermaßen außerhalb der eigenen vier Wände begibt und natürlich kostet es auch Geld. Was man glaube ich schaffen kann, durch diese Art des Lernens, ist einerseits, dass die Studierenden motiviert werden, sich selber einzubringen und auch sich Gedanken darüber zu machen, wie man Themen gestalten kann. Ich glaube, dass man dadurch Anregungen bekommt, die im fachlichen Bereich sind, aber auch im außerfachlichen Bereich. Vermittlungskompetenz steht ja hier verstärkter im Vordergrund, als es im normalen Seminar der Fall ist. Und von daher glaube ich,  dass es immer mal eine Alternative sein kann. Wir könnten gar nicht die ganze universitäre Lehre so machen, wie wir das hier machen, aber als Ergänzung finde ich das ganz gut.

Vielen Dank für das Interview.

knelangenDr. Wilhelm Knelangen

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