Kommunikationstraining für studentische Projektarbeit

Mit Videoclip für zukünftige Lehreinheiten

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Empirische Sozialforschung“ am Geographischen Institut konzipierten Bachelor-Studierende in Kleingruppen empirische Umfragen. Besonderes Augenmerk galt einer semesterbegleitenden Betreuung der Studierendengruppen. Tutor*innen höherer Semester vermittelten methodische und fachliche Kompetenzen. Um die komplexen Gruppenprozesse koordinativ zu unterstützen und für den späteren Studien- sowie Berufsgang essenzielle Soft-Skills zu stärken, erhielten die Studierenden zudem ein Kommunikationstraining durch eine externe Expertin.

Text: Svenja Bierwirth, Sakura Yamamura
(Projektteam)

 

Trotz der vielen curricular vorgegebenen Projektarbeiten, war es am Geographischen Institut ein Novum, Studierende aktiv dabei zu unterstützen, die für solche Vorhaben erforderlichen Sozial- und Selbstkompetenzen zu erwerben. Nachdem die Vorlesung zur empirischen Sozialforschung angelaufen war und die Studierenden Projektteams gebildet hatten, fanden nun erstmals Kommunikationstrainings für Studierende statt.

 

Abbildung 1: Stephanie Janssen.

Ziel der beiden Sessions mit Kommunikationstrainerin Dipl.-Päd. Stephanie Janssen war die Vermittlung von Wissen um verschiedene Persönlichkeitsstrukturen und Arbeitsstile. Die Studierenden sollten lernen, die unterschiedlichen Arbeitsstile in Gruppenarbeiten im wissenschaftlichen Kontext zu betrachten und dadurch strukturelle Störungen zu vermeiden. Um bestehende Konflikte besser managen zu können, wurde außerdem die Notwendigkeit persönlichkeitsadäquater Kommunikation besprochen. Zudem lernten die Studierenden, wie sie ihren individuellen strukturellen Einflussbereich in Gruppenarbeiten erweitern können.

Interaktive Reflexion im Kommunikations-Workshop

Einleitend diskutierten die Teilnehmenden, welche Merkmale eine erfolgreiche Gruppenarbeit ausmachen. Dabei konnten sie auch ihre gegenseitigen Erwartungshaltungen erkennen und evaluieren. Neben Kompromissbereitschaft, Kritikfähigkeit und gemeinsamer Motivation war den Studierenden insbesondere eine respektvolle und offene Kommunikation wichtig.

 

Abbildung 2: Im Kommunikationsworkshop erarbeitete Schaubilder

Theoriegeleitete Analyse und Reflexion der Gruppendynamik

In Absprache mit der Kursleiterin wurden in einer vorbereitenden Sitzung mit der Trainerin Konzepte identifiziert, die im Rahmen von eintägigen Workshops gelehrt, aber auch interaktiv reflektiert und in Diskussionen weiter besprochen werden können.

Schwerpunkt des Workshops stellte demnach das Handlungssteuerungsmodell von Julius Kuhl dar. Das sogenannte Modell der Persönlichkeits-System-Interaktion (PSI) verknüpft psychologisches Wissen mit den neusten Erkenntnissen der Neurobiologie. Eine schematische Unterteilung des menschlichen Gehirns symbolisiert vier verschiedene Persönlichkeitssysteme. Jedes Areal ist für andere Aufgaben zuständig und prägt daher jeweils andere Arbeitsweisen aus. Während zwar jeder Mensch über alle vier Persönlichkeitssysteme verfügt, besitzen die meisten Menschen Dominanzen in einem (oder mehreren) System(en). Individuelle Verhaltens- und Kommunikationsweisen, insbesondere in der zwischenmenschlichen Interaktion und innerhalb stressiger Situationen, orientieren sich an den Eigenschaften der dominanteren Persönlichkeitssystemse.

 

Abbildung 3: Persönlichkeits-System-Interaktionen nach Kuhl

 

Über die Auseinandersetzung mit dem PSI-Modell wurde den Studierenden nicht nur ein Verständnis für verschiedene Persönlichkeitsstrukturen vermittelt, sondern auch das Erkennen von Motiven, Interessen und Bedürfnissen des*r Kommunikationspartner*in erklärt.

Abschließend stellte Stephanie Janssen das Phasenmodell des Teamentwicklungsprozesses nach Tuckman dar. Es unterteilt den Gruppenarbeitsprozess zeitlich in verschiedene Phasen der Interaktion. Die Studierenden sollten dabei insbesondere verstehen, dass Konflikte während einer Gruppenarbeit („Storming“) als normal und sogar als erwünscht verstanden werden können und zumeist von temporärer Dauer sind.

Gemeinsame Reflexionssitzung im Gruppenarbeitsprozess

In einer abschließenden Gruppensitzung hatten alle Studierenden die Möglichkeit, die erlernten Methoden zu reflektieren und das Kommunikationstraining insgesamt zu evaluieren. Besonders die Anwendung der Konzepte in der eigenen Gruppenarbeit wurde von vielen Studierenden im Austausch mit Stephanie Janssen erörtert. Die Studierenden tauschten sich dabei über ihre praktischen Gruppenerfahrungen und die Anwendung des vermittelten Wissens aus. Für Studierende, welche an der Abschlusssitzung nicht teilnehmen konnten, bestand zudem die Möglichkeit einer schriftlichen Reflexion.

Diese Gruppenreflexion ist für den Lernprozess essenziell, damit das Erlernte aus der Theorie in der Praxis angewandt werden kann. Dabei wurde den Studierenden verdeutlicht, dass diese Reflexion über das Geschehene ein wesentliches Ergebnis der Lehrveranstaltung darstellte. So konnten auch gruppenarbeitstechnisch und eventuell methodisch „gescheiterte“ Projekte als wichtige Produkte aus der Lehrveranstaltung hervorgehen.

Eindrücke & Feedback der teilnehmenden Studierenden

 

 

Kommunikationstrainings-Videoclip für zukünftige Lehreinheiten

Um die Lehreinheit zum Kommunikationstraining auch bei der Unterstützung studentischer Projektarbeiten in zukünftigen Lehrveranstaltungen nachhaltig anbieten zu können, wurden die Lehrinhalte der Workshops kompakt in Form eines Videoclips zusammengestellt. Behandelt werden im Video-Training die Fragen nach einer erfolgreichen Gruppenarbeit, inklusive der Erkenntnisse aus Tuckman’s Phasenmodell sowie des Handlungssteuerungsmodells nach Kuhl sowie Tipps zur Bildung von „perfekten Teams“.

Dieser Videoclip ist als OpenOLAT-Kurselement universitätsintern frei zugänglich und steht somit auch Kolleg*innen und Student*innen über die Instituts- und Fachbereichsgrenzen hinaus zur Verfügung.

 

Persönliche Literaturempfehlungen vom Kommunikationstrainerin
Dipl.-Päd. Stephanie Janssen schlägt folgende Einstiegslektüre vor


Die Kraft aus dem Selbst: Sieben PsychoGyms für das Unbewusste von Maja StorchJulius Kuhl
„Dieses Buch erklärt leicht verständlich das Handlungssteuerungsmodell, Teil der PSI-Theorie (Persönlichkeits-System-Interaktionen). Lohnenswert, wenn es auch der Komplexität der Theorie nicht ansatzweise gerecht wird (jedoch ein guter Einstieg). Ihr findet dort zudem die neuen Begrifflichkeiten. Der innere Geschäftsführer heißt das Selbst. Der innere Manager ist der Verstand, der Controller heißt Fehlerzoom und der spontane Macher ist die Intuitive Verhaltenssteuerung. Julius Kuhl hat vor kurzem diese Begrifflichkeiten eingeführt. In unserer Veranstaltung hatte ich sie schon mit angesprochen.“ (Stephanie Janssen)

Die Kunst der Selbstmotivierung. Neue Erkenntnisse der Motivationsforschung praktisch nutzen (Taschenbuch) von Jens U. MartensJulius Kuhl
„In diesem Buch findet Ihr ebenfalls etwas zum Handlungssteuerungsmodell.“(Stephanie Janssen)

Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie: Motivation, Emotion und Selbststeuerung (Gebundene Ausgabe) von Julius Kuhl
„Hier geht´s ans Eingemachte!“ (Stephanie Janssen)

Handlungspsychologische Grundlagen des Coachings: Anwendung der Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI) (essentials) von Julius KuhlAlexandra Strehlau
„Ein kleines Büchlein mit einem schnellen Überblick über die Persönlichkeitssysteme.“ (Stephanie Janssen)

 

Dieses Vorhaben wurde mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

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