Komplexität mit Neugierde begegnen

Julia Dellnitz vom Hamburger Learnical im Interview

Eine „kreative, ernsthaft-spielerische Herangehensweise“ verspricht Julia Dellnitz vom Hamburger Learnical, wenn es mit ihrer Unterstützung um agiles Lernen geht. Gern überträgt die einfallsreiche Unternehmensberaterin und IT-Expertin ihre Herangehensweise an komplexe Themen auch auf den Hochschulkontext. Spiel, Spaß und Erkenntniszuwachs garantiert.

Frau Dellnitz, Sie sind Expertin für das Thema „agiles Lernen“. Könnten Sie kurz umreißen, was hinter dem Konzept steckt?

Julia Dellnitz : Agiles Lernen lehnt sich als Begriff an agiles Arbeiten an. Das ist eine Vorgehensweise, die ursprünglich aus der Softwareentwicklung kommt. Dabei geht es darum, Ideen für Produkte möglichst schnell in anfassbare Dinge zu überführen und sie mit Kunden und Anwendern zu testen. So bekomme ich schnell Feedback, ob eine Idee funktioniert und kann sie von da weiter entwickeln. Das bietet sich vor allem bei vielschichtigen oder unklaren Fragestellungen an. Zum agilen Arbeiten gehört auch die Idee, auf die Motivation und die Fähigkeit zur Selbstorganisation derer zu setzen, die eine Idee umsetzen wollen. Und Abstand zu nehmen von Delegation und Micromanagement.

 

Inwiefern lässt sich Ihr Ansatz aus der Unternehmensberatung auf die Hochschullehre übertragen? Und in welchen Bereichen gibt es vielleicht doch große Unterschiede?

Das Gelernte frühzeitig sichtbar zu machen, gute Feedbackprozesse zu organisieren, aus der Perspektive von Anwendern zu denken – denn das sind Studierende ja auch – auf Selbstorganisation zu setzen und Zeit für Reflexion einzuplanen, sind sicher übertragbare Konzepte. Agiles Lernen meint vor allem, eine neugierige, entdeckende und wertschätzende Haltung einzunehmen – bei allem, was ich berufsbezogen tue. Der große Unterschied ist für mich, dass Lernen nicht unter Wirtschaftlichkeitsaspekten betrieben werden sollte – agiles  Arbeiten die Wirtschaftlichkeit eines Produkts aber selbstverständlich immer im Fokus hat.

 

Ihre Workshops für Lehrende verfolgen einen Ansatz, der zunächst sehr spielerisch erscheint: Sie zeigen, wie sich Komplexes mithilfe von Legosteinen herunterbrechen und veranschaulichen lässt. Was ist aus Ihrer Sicht das Spannende an einer solchen Herangehensweise?

Das Spannende ist, dass ich mit den Methoden und Materialien aus dem Lego® Serious Play® vielschichtige, verwobene, abstrakte, auch vielleicht noch nicht ganz klare Gedanken unkompliziert sichtbar machen kann. Ich baue aus Plastiksteinen nach, welche Bilder zu einem Thema ich im Kopf habe. Diese gebauten Bilder kann ich dann ganz leicht in Beziehung zu den Ideen von anderen Menschen, die mit mir bauen, setzten. So entstehen neue Ideen oder auch – im Lernkontext – Klarheit, um was es wirklich geht, was wie verstanden worden ist usw.

 

Und wo liegen die Grenzen? Was können die Methoden und Materialien aus dem  Lego® Serious Play® nicht leisten?

Die Methoden und Materialien aus dem Lego® Serious Play® sind für Situationen entwickelt worden, in denen etwas Neues entstehen kann und darf. Sie eignen sich nicht gut, wenn Situationen sehr verfahren, schwere Konflikte zu lösen oder harte Entscheidungen zu treffen sind. Die Fragestellungen sollten zu einer kreativen, ernsthaft-spielerischen Herangehensweise passen.

 

Was konkret können Lehrende und Studierende aus solchen Workshops mitnehmen?

Wir können zusammen entdecken, wie man Metaphern nutzen kann, um über abstrakte und komplexe Themen ins Gespräch zu kommen; wie man Ideen und Lösungen gemeinsam modellieren kann und damit auch den gemeinsamen Lernerfolg langfristig sichert; dass Spielen ein wichtiger Anteil von Entwicklungsarbeit und Lernen ist und eine Menge Spaß bringt.

Inspiration, Literatur- & Linkempfehlungen von Frau Dellnitz

aus dem Blogartikel Daily Play – täglich spielen! der Expertin

 

 

 

 

 

 

 

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