40 Jahre lang diskutieren – und kein bisschen müde

Forschungsgruppe zur „Konstruktiven Erziehungswissenschaft“

Seit rund 40 Jahren existiert in der Pädagogik eine Arbeitsgruppe zur konstruktiven Erziehungswissenschaft. Noch immer tagen die – aktuell rund 25 – Mitglieder wöchentlich. Selbst in der vorlesungsfreien Zeit diskutieren Lehrende und Studierende freitags zwischen 15 und 17 Uhr, um ihre gemeinsamen Zielen zu verfolgen: die Lehre stetig verbessern und innovative Forschungsprojekte starten.

 

zke

Text: Antonia Nuding (Studentin/PerLe)

Die Arbeitsgruppe konstruktive Erziehungswissenschaft des Instituts für Pädagogik ist ein Unikat. Zurzeit erlebt sie bereits die sechste Lehrenden-Generation, die in aktueller Konstellation seit nunmehr sechs Jahren zusammenarbeitet. Professor Peter Krope, der mit zu den Initiatoren der Gruppe zählt, blickt nicht ohne Stolz auf das knapp 40-jährige Bestehen zurück. Das Motto für die gemeinsame Arbeit mit Sitzfleisch und Elan: „Menschen brauchen Zukunft. Zukunft braucht Forschung.“

Ihre Geburtsstunde feierte die Forschungs- und Arbeitsgruppe 1978, damals untersuchten die Teilnehmer_innen vorrangig die Prüfungsangst Studierender. Daraus resultierend sind erstmals Gruppenprüfungen entstanden, die heute an vielen Instituten der CAU fester Bestandteil der Lehre sind. Von Anfang an war es ein zentrales Anliegen, Studierende aktiv in aktuelle Forschungsprojekte mit einzubinden, die sowohl während der Semester als auch außerhalb der Semesterzeiten realisiert wurden.

Im Laufe der Zeit haben Krope und Kolleg_innen diese Arbeit auf immer breitere Füße gestellt – bis sie im Januar 1999 sogar eigens das Zentrum für Konstruktive Erziehungswissenschaft (ZKE) gründeten, dessen Leitung heute Frau PD Julia Prieß-Buchheit innehat.  Inzwischen führt das ZKE zahlreiche Projekte im Bereich sozialer Systembildung durch. Gemeinsamer Nenner ist stets das gemeinsame Entwickeln und Erproben von forschenden Lernkonzepten. Zudem finden dort Forschungsseminare für Masterstudierende sowie verschiedene Workshops zu verwandten Themen statt.

Weiterführende Informationen

  • Master-Forschungsseminar: In diesem Forschungsseminar diskutieren Lehrende der Fokusgruppe über aktuelle Themen, die meist von außen z.B. durch Studierende an sie herangetragen werden – Studierende können für ein oder mehrere Semester mit in Themen einsteigen. Um das Seminar angerechnet zu bekommen, kann man sich die Anwesenheit flexibel einteilen, muss aber natürlich am Ende auf eine Mindestanzahl an SWS kommen.
  • Das ZKE bietet regelmäßig im Frühjahr und Herbst Workshops an, in denen die theoretischen Grundlagen fundiert neu ausgerichtet und diskutiert werden. Dabei werden auch von außerhalb Experten eingeladen. Einsehen lassen sich die Termine auf der Internetseite des ZKE.

 

3 Beispiel-Projekte am ZKE

  • 2013 setzte das ZKE eine Studie mit dem Titel: Dialogische Migrationssozialberatung – Argumentative Wege zur Anerkennung des anderen. „Wie sollen Menschen ohne Migrationshintergrund und Menschen mit Migrationshintergrund miteinander umgehen?“, lautete dabei die zentrale Fragestellung. Unter anderem wurde im Rahmen der Studie das Konzept der Migrationssozialberatung in Schleswig-Holstein analysiert und darauf aufbauend wurde ein Programm für eine Dialogischen Migrationssozialberatung entwickelt.
  • 3-Jahres Europa Projekt „Wege aus der Gewalt“: Dieses Europa-Projekt, mündete in einer breitangelegten Studie zur häuslichen Gewalt gegen Frauen, es wurde insgesamt in fünf Ländern durchgeführt. Beteiligt waren Frauenorganisationen aus Deutschland, Finnland, Rumänien und Slowenien, eine Organisation aus Schweden sowie das Zentrum für Konstruktive Erziehungswissenschaft an der Universität Kiel. Unter anderem wurden in Zusammenarbeit mit Dozierenden und Studierenden der CAU eine explizite und eindeutige Gewaltdefinition festgelegt sowie ein Interventionsprogramm ins Leben gerufen.
  • Aktuelles Forschungsprojekt „Storytelling und Gewalt“: Im Sommersemester 2016 startete nun das nächste vierjährige Projekt zum Thema Storytelling und Gewalt[5]. Es sind neue Fragen in Bezug auf die bereits im vorangehenden Seminar thematisierten Gewaltdefinitionen und -präventionen entstanden. Diese sollen nun in diesem ganz neuen Projekt erörtert werden. Basierend auf der  Methode des Storytelling[6], sollen Frauen sprachliche Wege finden, die es ihnen ermöglichen – angelehnt an Vorbilder der belletristischen Literatur – mit anderen über ihre Gewalterlebnisse und Gewalterfahrungen in Kommunikation zu treten. Laut Fr. PD Dr. Prieß-Buchheit, der leitenden Koordinatorin dieses Forschungsprojektes, soll dies auch dabei helfen, die ersten verbalen Hürden zu nehmen und die Wort-und Sprachlosigkeit vieler weiblicher Gewaltopfer zu überwinden.

 

[5] Teilnehmende Dozenten: Dipl. Päd. A. Kohrs, Prof. Dr. Krope, Dr. Dipl. Päd. J. Petersen, Dr. M.A. J. Prieß-Buchheit, Dipl. Päd. N. Wilder, PD Dr. W. Wolze, Hr. Prof. Dr. D. Klemenz, Hr. Prof. Dr. J. Schaefer.

[6] Storytelling (deutsch: „Geschichten erzählen“) ist eine Erzählmethode, mit der explizites, aber vor allem implizites Wissen in Form einer Metapher weitergegeben und durch Zuhören aufgenommen wird.

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