Kritisches Denken statt Wissenskonsum

Alternative Lernräume an der CAU – Teil I

Anneke Schaardt ist die Koordinatorin der ChangeBox, eines alternativen Lehr- und Lernraums am Wilhelm-Seelig-Platz in Kiel. Die Blogredaktion stattete ihr dort im Sommer einen Besuch ab, um mehr über die Idee zu erfahren, die hinter dem Projekt steckt. Nach den Semesterferien stehen die Pforten der ChangeBox jetzt wieder allen Interessierten offen.

Text: Johanna Rädecke (Studentin/PerLe)

 

 

Im Baustellenchaos rund um den WSP an der Christian-Albrechts-Universität fallen die neuen Container erst einmal gar nicht auf. Doch schon beim Näherkommen wird klar, dass es sich hier nicht um Bauwagen oder provisorische Seminarräume handelt. Aus der stets offenen Tür der ChangeBox weht Kaffeeduft, durch das Fenster sehen aufmerksame Beobachter gemütliche Sofas und Tische, die in verschiedenen Gruppen angeordnet sind. An den Wänden hängen Plakate und eine Studierenden-Gruppe räumt gerade die Reste des „Zukunftmacher Frühstück“ weg.

Seit dem Frühling herrscht Trubel in den Containern. „Im April haben wir die Schlüssel zu unserer ChangeBox bekommen. Auch wenn die Baumaßnahmen noch nicht abgeschlossen waren, haben wir schon angefangen, den Raum zu gestalten. Wir wollten das Sommersemester schon nutzen, um Veranstaltungen anzubieten“, erzählt Anneke Schaardt. Seitdem wurden die vier Container, beziehungsweise das Leichtbauhaus liebevoll gestaltet und eingerichtet. Doch wofür?

 

 

Die ChangeBox entstand im Rahmen eines YooWeeDoo-Projekts am Geographischen Institut. „Sie soll einen Ort für soziale Innovationen und nachhaltige Entwicklung sein. Wir haben viele Projekte dieser Thematiken an der School of Sustainability und möchten hier Austauschmöglichkeiten bieten. Das soll auch mehr Aufmerksamkeit an der Uni schaffen“, so die Koordinatorin.

Soziale Innovationen und Nachhaltigkeit sind Dinge, die nicht einfach in Vorlesungen gelernt werden können. Aus diesem Grund beschäftigte sich das Team mit der Frage, wie alternatives Lernen geschaffen werden kann. Die ChangeBox bietet unzählige Antwortmöglichkeiten. Sie ist ein Seminarraum – aber mit möglichst wenig Seminarraumcharakter. Die Tische sind schnell für jeweilige Konzepte zusammengestellt, es gibt Pinnwände und natürlich auch einen Beamer. Jeder und jede Interessierte kann während der Öffnungszeiten (Montag -Donnerstag, 10-16 Uhr) vorbeischauen, sich mit seinem Laptop zurückziehen oder mit einer Gruppe zusammenarbeiten. „Die ChangeBox ist primär ein Projekt der Geo Medien und ist Teil der School of Sustainability. Aber während der Öffnungszeiten ist die Box offen für alle. Der Raum richtet sich auch an Leute, die sich für soziale Innovationen und Nachhaltigkeit interessieren und zu den Themen gerne einen Workshop gestalten oder besuchen wollen. Das gilt natürlich auch für Dozentinnen und Dozenten!“ Im Wintersemester 2018/19 finden in der Changebox immer mittwochs Veranstaltungen mit Bezug zu Nachhaltigkeit  und/oder Sozialer Innovation in englischer Sprache statt – darunter beispielweise eine Campus climate protection bicycle tour (7. November) oder ein Sustainable Development Goals-Workshop (21. November, für Details s. Kalender/rechte Spalte).

 

 

Die Möglichkeit, eigene Workshops zu gestalten und in der ChangeBox abzuhalten, ist für viele Studierende besonders interessant. „Wir möchten uns mit alternativen Lernsystemen auseinandersetzen. Dafür regen wir Studierende an, ihre eigenen Workshops zu gestalten – neulich hatten wir einen zum Thema collective parenting, letzte Woche zum Thema Zero Waste“, so Schaardt. „Die Studierenden sollen sich ausprobieren können und selbst etwas schaffen. Dabei soll jedoch keine Prüfungssituation herrschen. In entspannter Atmosphäre sollen sich die Leute treffen, die am Thema interessiert sind. Das ist ein sehr positiver Umgang.“

Die Koordinatorin erklärt, dass es ihre Meinung nach zu wenig Raum für Austausch an der Universität gebe. Hin zur Veranstaltung und danach direkt wieder nach Hause – so sehe der Alltag für viele Studierende inzwischen aus. „An der Uni Kiel sind viele der Seminarräume sehr steril. Nach den Kursen werden sie häufig abgeschlossen – also kein Arbeitsraum für Gruppen. Wir brauchen Räume, in denen sich Studierende ohne Konsumpflicht ungezwungen treffen und möglichst ungestört arbeiten können“, führt Anneke Schaardt weiter aus.

 

Kritisches Denken & Hinterfragen statt Wissenskonsum

Es gibt einen großen Bedarf an Lernräumen an der CAU. In der ChangeBox soll vor allem zu Diskussionen und eigenständigen Auseinandersetzen mit Themen angeregt werden. Schaardt sagte hierzu: „Wir müssen kritisch denken und Informationen hinterfragen, anstatt nur Wissen zu konsumieren wie dies oftmals in der klassischen Vorlesungsform der Fall ist.“

Projekte wie die ChangeBox zeigen die Weiterentwicklung der Lehre: „Ich glaube, dass sich die klassische Lehre stark verändern muss“, so Schaardt. „Klassische Vorlesungen sind in Zeiten des Internets nicht mehr unbedingt notwendig. Die physische Zusammenkunft von Menschen ist aber trotzdem ungeheuer wichtig, um Diskussionen und das kritische Denken anzuregen.“

 

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