„Den Berg reduzieren“: Schritt für Schritt zur Hausarbeit

Lange Nacht der Hausarbeiten 2019: Nachbericht, Tipps & Downloads

Wenn die Abgabetermine für Hausarbeiten näher rücken und die Nerven langsam blankliegen, begegnen viele Studierende inneren Schweinehunden und Fragen rund ums wissenschaftliche Schreiben gern gemeinsam. Die sechste Lange Nacht der Hausarbeiten in der Universitätsbibliothek (UB) bot ihnen am 7. März mit zahlreichen Workshops und individuellen Beratungsangeboten Gelegenheit dazu. Und das kam an: Mit rund 850 Studierenden zählte die Veranstaltung in diesem Jahr so viele Teilnehmende wie noch nie. Ein Rückblick nebst Tipps der Referent_innen und Materialien zum Herunterladen.

Text: Mirjam Michel (Studentin/PerLe)

Die Lange Nacht der Hausarbeiten fand zum sechsten Mal in Folge statt. Archivbild © Farah Claußen, Uni Kiel

 

Informationen aus den Workshops der Langen Nacht der Hausarbeiten nebst Empfehlungen Handouts und Beispieldateien der Referent_innen finden Sie in der Sidebar. ➡️

 

Unter dem Motto „Leinen los – gemeinsam Schreiben“ erwartete die Teilnehmenden am Abend des 7. März ein breites Programm: Von individuellen Schreibberatungen über Workshops zu Literaturverwaltungssoftware oder gegen Schreibblockaden bis hin zum Basteln eines persönlichen Notizbuchs. „Ziel der Veranstaltung ist es, vor allem niedrigschwellige Angebote fernab der üblichen Lernorte an der Universität bereitzustellen“, erklärte Rüdiger Schütt aus dem Organisationsteam, das die Lange Nacht als Kooperationsprojekt zwischen der UB, dem Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) und dem Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) auf die Beine gestellt hatte.

„Wenn Studierende etwas schüchtern sind, fällt es ihnen manchmal schwer, mit Problemen zu ihren Dozentinnen und Dozenten zu gehen. In unseren Workshops haben sie die Möglichkeit, Expertinnen und Expertinnen ohne diese Hemmschwelle zu verschiedenen Themen zu befragen.“

Dr. Rüdiger Schütt (Organisationsteam)

Die Workshops boten Raum für Austausch, zudem hielten die Referent_innen zahlreiche individuelle Tipps bereit. Abgerundet wurde das Programm durch die Möglichkeit eines persönlichen Schreibtypentests. Wer daran teilnahm, konnte herausfinden, an welchen Punkten es im eigenen Schreibprozess gern einmal hakt – und welche Strategien dagegen hilfreich sind.

 

Die 24-jährige Miray hält ein Notizbuch in der Hand, das sie bei der Langen Nacht der Hausarbeiten 2019 selbst gebunden hat. Sie möchte es für ihre anstehende Hausarbeit nutzen. © Nils Fischer, Uni Kiel

 

Die 24-jährige Englisch- und Skandinavistik-Studentin Svenja Buth befindet sich gerade in der heißen Prüfungsphase. Zwei Hausarbeiten muss sie noch bis zum Ende des Monats fertigstellen. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie besser mit dem Stress umgehen kann, besuchte sie während der Langen Nacht den Workshop „Lass Dich nicht Stressen! Stressoren erkennen und vorbeugen“. Anja Gehl vom ZFS erklärte dort das Fünf-Säulen Modell der Identität nach Petzold, mit dessen Hilfe die Teilnehmenden sich einen Überblick darüber verschaffen konnten, wie es um ihre Work-Life-Balance steht. Es sei wichtig auch in stressigen Zeiten auf gute Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten, empfahl Gehl beispielsweise. Auch sein soziales Netzwerk aufrecht zu erhalten, sich realistische Ziele für die Arbeit zu setzen und seinen Hobbies auch in der Prüfungszeit weiter nachzugehen, sei essenziell, um nicht vom Stress überwältigt zu werden.

„Wenn ich mir die Säulen anschaue, über die wir gesprochen haben, merke ich, dass ich schon viele  der Ratschläge beachte“, stellt Svenja Buth nach dem Workshop fest, „deswegen glaube ich, dass mein Arbeitspensum einfach zu groß ist und dass es mir persönlich wieder besser gehen wird, wenn ich da etwas wegnehme.“

 

BWL-Student Tim nutzte die Veranstaltung optimal aus und besuchte gleich drei verschiedene Vorträge. Seine Bachelorarbeit kann kommen. © Nils Fischer, Uni Kiel

 

Auch der 27-jährige Bryan Richter, der Wirtschaftswissenschaften und Sport im Handelslehramt studiert, hat aus dem Workshop einiges mitgenommen. „Das Fünf-Säulen Modell ist hilfreich, um mir darüber bewusst zu werden, wo mich Faktoren stressen und was mich entspannt.“ Er schreibt selbst gerade seine Masterarbeit über Stressmanagement im Sportunterricht und kann sich vorstellen, Workshopelemente auch einmal an der Schule auszuprobieren: „Zu Beginn der Workshops haben wir zum Beispiel eine Assoziationsübung gemacht: ‚Macht mal die Augen zu und überlegt, was ihr mit Stress assoziiert‘. Diese Übung werde ich, glaube ich, für meine Arbeit mit Schülerinnen und Schülern übernehmen“, sagt er.

 

Mit Pensum-Schreiben realistische Etappen festlegen

Unterdessen ging es im Workshop „Schreiben mit Spaß und Erfolg – mit täglicher Schreibroutine, Schreibfluss und Freude zu fertigen Texten“ konkret um den Prozess des Schreibens. Gleich zu Beginn bekamen die Studierenden die Aufgabe, sich verschiedenen Aussagen zuzuordnen und setzten sich so mit Gründen auseinander, die sie am Schreiben hindern. Haben sie eher Probleme beim Formulieren des Textes, fällt es ihnen schwer, inhaltlich den Anfang zu finden, oder fehlt ihnen gar die Motivation? Je nach Problemlage erhielten die Teilnehmenden kurze schriftliche Aufgaben. In der anschließenden Reflexionsrunde kristallisierten sich bei vielen neue Erkenntnisse heraus.

„Ich glaube, ich habe gerade die Einleitung zu meiner Hausarbeit geschrieben!“, freute sich beispielsweise die 21-jährige Johanna Schomaker, Lehramtsstudierende in den Fächern Deutsch und Englisch. Sie hat die sogenannte Stichwortmethode ausprobiert, bei der zunächst fünf Stichwörter aufgeschrieben und dann zu Sätzen ausformuliert werden. „Diese Methode hat mir sehr geholfen. Außerdem hilft es mir, meine Probleme überhaupt einmal auszusprechen und gedanklich in einen Satz zu bringen“, berichtet Schomaker.

Workshopleiterin Dr. Kathrin Ludwig von PerLe legt den Teilnehmenden vor allem das sogenannte Pensum-Schreiben ans Herz, bei dem für jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern festgelegt wird, welche man auf jeden Fall zu Papier bringen will. Am besten funktioniere dies gekoppelt an feste Schreib-Zeiten, so die Expertin.

Der 28-jährige Martin Gagelmann, der Deutsch, Spanisch und Russisch auf Lehramt studiert und gerade seine Masterarbeit schreibt, ist positiv überrascht:

„Für mich war es eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Ich habe mir überlegt ‚Ich kann jetzt zwei Stunden riskieren und mich in die Workshops setzen und durch neue Erkenntnisse viel Zeit sparen – oder ich setze mich jetzt nochmal zwei Stunden in meine Arbeitskabine und schaffe wahrscheinlich gar nichts.“

Martin Gagelmann (Teilnehmer)

Er sei froh, der Veranstaltung trotz anfänglicher Skepsis eine Chance gegeben zu haben. „Besonders der Workshop ‚Schreiben mit Spaß und Erfolg’ hat mir sehr geholfen, weil die Referentin genau das Problem angesprochen hat, für das ich mir eine Lösung erhofft hatte: die Angst vor dem weißen Blatt und die Schwierigkeit, jeden Tag wieder neu anzufangen und sich selbst zu disziplinieren. Durch das Pensum-Schreiben zwingt man sich realistisch zu bleiben und sich nicht selbst zu enttäuschen. Das ist wirklich sehr gut“, resümiert Gagelmann.

Am Ende der Langen Nacht sind viele Teilnehmende um einige Erkenntnisse reicher und gehen gestärkt in die Endphase der Prüfungszeit. Felix Rudolph, 27, Student der Politikwissenschaft und Geschichte, resümiert für sich die wichtigsten Tipps:

„Es geht darum diesen Berg, der vor einem ist, zu reduzieren. Ich habe erkannt, dass es im Rahmen einer Hausarbeit nicht möglich ist, eine perfekte wissenschaftliche Arbeit zu schreiben. Es ist wichtig, sich nicht zu viel vorzunehmen. Das kann der Schlüssel dafür sein, mehr zu schaffen.“

Felix Rudolph (Teilnehmer)

 

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