Praxisnah arbeiten statt Trockenschwimmen

Biologie: Lehramtsausbildung im „knik-hus“

Echte Lehrerfahrung, fundierte Begleitung und Reflexion: In den vergangenen Semestern haben Jörg Großschedl und Birgit Heyduck vom IPN ein Seminar für angehende Biologie-Lehrer_innen praxisnah umgestaltet – als Service-Learning-Projekt am „knik-hus“ im Wildpark Schwentinental.

Bei der didaktischen Methode Service Learning verknüpfen Studierende universitäre Inhalte (Learning) mit gemeinnützigem Engagement (Service). Sie setzen das erworbene Wissen in realen Projekten um, wodurch sich das Verständnis des Gelernten und seiner Relevanz verstärkt. Dieses Konzept haben Jörg Großschedl und Birgit Heyduck vom IPN jetzt auf die Lehramtsausbildung im Fach Biologie übertragen. „Statt bloß Trockenübungen an der Uni zu machen, können Lehramts-Studierende in unserer neuen knik-hus-Veranstaltung* jetzt mit echten Schulklassen arbeiten“, bringt Jörg Großschedl sein Hauptanliegen auf den Punkt.

* Modul: Theoretische Fundierung, Gestaltung
und Reflexion fachlicher Lehr- und Lernprozesse

 

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Früher haben die angehenden Biologie-Lehrer_innen ihre Unterrichtsentwürfe oft nur für die Schublade der Dozent_innen geschrieben. Jetzt entwickeln die Studierenden ihre Lehrkonzepte für Schulklassen, die Exkursionen ins Umwelt- und Veranstaltungszentrum knik-hus (Raisdorfer Schwentinepark) unternehmen. Neben den Uni-Dozenten unterstützt die Studierenden dabei auch knik-hus-Leiter Josh Gertz. „Die Umweltbildungseinrichtung profitiert davon“, so Geertz, „weil wir die Ideen von 30 kreativen Studierenden jetzt als ausgeklügelte Lehrveranstaltungen im knik-hus anbieten und für Lehrkräfte und SchülerInnen zur Verfügung stellen können.“ Eine win-win-win-Situation.

Theorie und Praxis – eng verzahnt

Das knik-hus-Seminar ist so konzipiert, dass Theorie-, Praxis- und Reflexions-Elemente einander abwechseln. Zunächst gibt das Dozenten-Team den angehenden Lehrer_innen das notwendige Handwerkszeug und ein theoretisches Fundament an die Hand. Später besuchen die Studierenden das knik-hus, um ihre Unterrichtseinheiten auf die örtlichen Gegebenheiten abzustimmen. In Themengruppen bereiten sie nun Inhalte aus dem Lehrplan derart auf, dass sie vor Ort für Schulklassen möglichst motivierend und mit methodischer Vielfalt erfahrbar werden. „Für den außerschulischen Lernort eignen sich in besonderem Maße auch Spiele“, befinden die Projekt-Initiatoren. Ihre Empfehlungen für die angehenden Lehrer_innen lauten daher wie folgt:

  • Bitte stellen Sie sicher, dass Sie ein Lernangebot entwickeln, das für Schüler_innen motivierend ist und ein Mindestmaß an Eigenleistung erfordert.
  • Dazu sind Wechsel der Arbeits- und Sozialformen unabdingbar.
  • Inspirationen speziell für geeignete Spiele finden Sie z.B. auf der Seite Gruppenspiele – Hits für Kids.
  • Achten Sie außerdem darauf, dass instruktionale Phasen nicht länger als 10 Minuten am Stück andauern und dass Sie das Publikum in diese Phasen einbeziehen.
  • Ihr Lernangebot sollte möglichst viele Sinne ansprechen, um den Schüler_innen neben einem kognitiven auch einen affektiven Zugang zum Lerninhalt zu ermöglichen.
  • Stellen Sie darüber hinaus ein Mindestmaß an Methodenvielfalt sicher.
  • Überlegen Sie sich, wie Sie in das Thema einsteigen wollen und wie Sie den Hauptteil des Klassenbesuchs sowie seinen Abschluss gestalten möchten.

 

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„Eine Studierenden-Gruppe hat im vergangenen Semester beispielsweise ein kleines Handbuch erstellt, mit dessen Hilfe die Schüler_innen Pflanzen bestimmen können, die im Wald rund um das knik-hus herum vorkommen“, sagt Jörg Großschedl. Andere haben Rallyes für unterschiedliche Klassenstufen entwickelt oder spannende Einheiten über heimische Säugetiere konzipiert.

„Besonders wertvoll für die angehenden Biologie-Lehrer_innen ist es, dass sie für ihre Einheiten ein unmittelbar Feedback von den Schulklassen erhalten“, findet Jörg Großschedl, außerdem sei die vertiefende Abschlussreflexion gemeinsam mit den beteiligten Lehrkräften äußerst hilfreich, um das eigene Auftreten in der Lehrendenrolle zu schulen, erläutert der Projektinitiator.


Erfahrungen der beiden Projektleiter Birgit Heyduck und Jörg Großschedl:

  • „Bei der ersten Durchführung haben wir den Theorie-Part zum Thema Service-Learning zu früh im Seminar angesetzt, so dass die Studierenden mit Konzept und Begrifflichkeiten wenig anfangen konnten. In der zweiten Runde haben wir das Thema dann zeitlich nach hinten geschoben – das hat besser funktioniert, weil die Studierenden nun bereits wussten, wozu sie das vermittelte Handwerkszeug brauchen würden.“
  • „Zuerst haben wir die knik-hus-Veranstaltungen im Rahmen einer Projektwoche durchgeführt. Die gemischten Altersgruppen haben die Studierenden allerdings vor große Herausforderungen gestellt. Darum arbeiten wir jetzt mit Schulklassen und bemühen uns um enge Absprachen mit den Lehrkräften, um den Studierenden eine möglichst passgenaue Vorbereitung zu ermöglichen.“
  • „Was bisher nicht gelungen ist: Die Studierenden wünschen sich, die Klassen und die Lehrkräfte vorab kennenzulernen – das wird aber erst möglich sein, wenn die knik-hus-Lehrveranstaltung sich mit einer gewissen Verbindlichkeit für beteiligte Schulen etabliert hat.“

Die Service-Learning-Expertin Frauke Godat vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) hat Birgit Heyduck und Jörg Großschedl bei der Gestaltung der knik-hus-Lehrveranstaltung unterstützt, begleitet und beraten.

Kontakt

Frauke Godat
Tel.: +49 (0)431 / 880-5945
fgodat@uv.uni-kiel.de

 

Mehr erfahren Sie in diesem Video über die IPN-Lehrveranstaltung im knik-hus:

 

Materialien

 

Kontakt zum Dozenten-Team

Dr. Birgit Heyduck
Leibniz Institute for Science and Mathematics Education (IPN)
Tel.: +49-(0)431-880-3898
heyduck@ipn.uni-kiel.de

Dr. Jörg Großschedl
Leibniz Institute for Science and Mathematics Education (IPN)
Tel.:       +49 (0)431-880 3151
grossschedl@ipn.uni-kiel.de

 

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