Lehre, die Barrieren überwindet

Aus der Vortragsreihe „Aus Forschung und Praxis: Akademische Lehre“

Die UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 spricht allen Menschen mit Behinderung ein Recht auf Bildung zu, das sie dikriminierungsfrei wahrnehmen können sollen. Doch wie lassen sich Barrieren in der Lehre abbauen, um diesem Ideal näherzukommen? Referent_innen des Instituts für Inklusive Bildung lieferten teils überraschende Antworten auf diese Frage, als sie bei der Vortragsreihe „Aus Forschung und Praxis: Akademische Lehre“ des Projekts erfolgreiches Lehren und Lernen (Perle) zu Gast waren. – Am 28. Mai findet bereits der nächste Vortrag der Reihe statt: „Lernprozesse an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft anregen“.

 

Text: Kathrin Ludwig
Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe)

Das Institut für Inklusive Bildung, das an die Christian-Albrechts-Universität (CAU) angegliedert ist, verfolgt einen einzigartigen Ansatz: Als qualifizierte Bildungsfachkräfte vermitteln Menschen mit Behinderungen in Seminaren, Workshops und Vorträgen ihre eigene Perspektive auf das Thema Inklusion. Ihre Angebote richten sich an alle Institutionen, die inklusive Arbeitspraxis umsetzen wollen. Ziele sind eine Sensibilisierung für das Thema und die Kommunikation auf Augenhöhe.

Die Bildungseinrichtungen profitieren dabei von einer erweiterten Perspektive und dem persönlichen Austausch. Berührungsängste werden abgebaut und das Interesse an inklusiven Themen vertieft.

Die Bildungsfachkräfte Horst-Alexander Finke, Isabell Veronese, Marco Reschat und Samuel Wunsch brachten in ihrem Vortrag zunächst unterschiedliche Definitionen des Inklusionsbegriffs ein:

  • „Inklusion bedeutet: Alle Menschen unternehmen etwas gemeinsam.“
  • „Inklusion heißt Kultur erleben und zusammenarbeiten.“
  • „Inklusion meint ein großes Ganzes.“
  • „Inklusion heißt Gleichberechtigung und keine Diskriminierung.“
  • „Inklusion bedeutet Kreativität und Vielfalt in den Lösungen.“

 

Anschließend ging es darum, dass es in der Verantwortung von Hochschulen liegt, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle am Lernen und Lehren teilhaben können. Dabei richtet sich, wenn von barrierearmen Lehr- und Lernsettings die Rede ist, die Perspektive meist auf Studierende mit Behinderungen. Doch Lehrende können ebenso wie Studierende auf Barrierefreiheit angewiesen sein. Noch sind längst nicht alle Räume und Einrichtungen an der CAU beispielsweise für Rollstuhlfahrer_innen problemlos zu nutzen. So führen in einigen Vorlesungssälen Treppen zu dem Podest, das der/die Vortragende benutzen soll. Hier sehen die Bildungsfachkräfte dringenden Verbesserungsbedarf.

Aber welche Kriterien sollten Lehrende nun beachten, um barrierearme Lehrveranstaltungen anzubieten? Hierauf, so die Bildungsfachkräfte, gebe es keine eindeutige Antwort, sowie es keine allgemeingültige Lösung gebe, wie Inklusion gelingt bzw. keine Garantie dafür, dass sie gelingt. Lehrende stünden vor allem in der Verantwortung, von sich aus auf die Teilnehmenden ihrer Veranstaltungen zuzugehen und sie gezielt auf ihre Bedarfe anzusprechen. Nur so könnten sie erfahren, was die Studierenden benötigen. Dies gelte im Übrigen nicht nur für Studierende mit Behinderungen, sondern für alle. Das Ziel sollte sein, allen Studierenden gleichermaßen die Teilnahme an einer Veranstaltung zu ermöglichen. Hilfreich sei dabei auch eine Haltung, bei der anderen auf Augenhöhe begegnet wird. Aus der Erfahrung der Mitarbeitenden des Instituts für inklusive Bildung wird diese Haltung besonders durch positive Erfahrungen im Austausch mit den Bildungsfachkräften  gefördert. Wenn diejenigen, um deren Belange es geht, an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, könne leichter eine Möglichkeit gefunden werden, die allen gerecht wird und niemanden ausgrenzt. Denn dies sei das Ziel inklusiver Bildung.

Aus den Erfahrungen der Zusammenarbeit zwischen Bildungsfachkräften und Lehrenden können einige Kriterien festgehalten werden, die einen guten Rahmen für inklusive Lehre abgeben:

  • Die Atmosphäre in Lehrveranstaltungen wird als familiär empfunden, was z.B. durch spielerische und kreative Lernmethoden noch unterstützt werden kann.
  • Bei der Zusammenarbeit von Lehrenden mit Mitarbeitenden des Instituts für inklusive Bildung hat sich folgende Rollenverteilung als gute Lehrpraxis erwiesen: Die Theorie zur jeweiligen Lehreinheit bleibt beim Lehrenden, die Bildungsfachkräfte unterstützen ihn oder sie als Expert_innen in eigener Sache. Dabei ist in der Vorbereitung der Lehrveranstaltung der Austausch zu Erwartungen, Lernzielen und Ablauf essentiell.

 

Innerhalb des Moduls „Heterogenität und Inklusion“ für Lehramtsstudierende an der CAU ist die Kooperation mit dem Institut für Inklusive Bildung mittlerweile fest verankert. Doch auch andere Einrichtungen innerhalb und außerhalb der Universität können das Angebot in Anspruch nehmen.

 

Kontakt
Institut für inklusive Bildung
Hopfenstr 65
24103 Kiel
Tel: 0431.99072 66-0
institut@inklusive-bildung.org
www.inklusive-bildung.org

 

Eine Handreichung zum Thema barrierearme Lehre stellt das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) den Lehrenden der CAU zur Verfügung. Eine digitale Version der  Handreichung steht zum Download bereit. Eine Druckversion ist bei  Julia Müller (PerLe) erhältlich: jmueller@uv.uni-kiel.de.

 

Der Vortrag zum Download

 

Im Sommersemester 2019 startet die PerLe-Vortragsreihe zu lehrrelevanten Themen am 28. Mai. Für Detailsund Termine s. rechts.

 

 

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