Lehre mal anders: Lernen im Flipped Classroom

Ein Beitrag von Alexander Lasch

Seit einigen Semestern stellt der Kieler Sprachwissenschaftler Alexander Lasch die Lehre auf den Kopf. In seinem Blog-Beitrag erklärt er, was ihn am Konzept des Flipped Classroom begeistert. Und wie er – bei aller Freiheit – sicherstellt, dass seine Studierenden gut vorbereitet in die Prüfungen gehen.

Flipped Classroom – was ist das?

Die Idee hinter dem Inverted Classroom (auch: Flipped Classroom oder umgedrehte Vorlesung) ist denkbar einfach: Der Wissenstransfer, der bisher im Mittelpunkt einer Veranstaltung stand, ist dieser nun vorgelagert und in die Verantwortung der Studierenden gelegt. Sie lesen sich in ein Fachgebiet ein und informieren sich mit speziellen Screencasts oder Podcasts zum Thema. In der eigentlichen Lehrveranstaltung lösen sie dann beispielsweise gemeinsam Übungsaufgaben und setzen sich aktiv mit einem speziellen Thema auseinander.

In meinen Veranstaltungen ergänze ich das Konzept des Inverted Classroom  (ICM) gern um handlungsorientierte Methoden. Lernende werden aktiviert dadurch, dass Sie selbst die Rolle des Lehrenden übernehmen. Ich als Lehrender hingegen ziehe mich – auch räumlich – ganz zurück und beobachte die interagierenden Studierenden dabei, wie sie Lehre gestalten (vgl. unten Abb. 3): Erstaunt stellt dann der ein oder andere fest, wie auf einmal ein recht trockenes Thema – denken wir zum Beispiel an eine Einführung ins Althochdeutsche – an Dynamik gewinnt.

Herausforderungen des ICM

Das Problem: Eine der größten Schwierigkeiten beim Flipped Classroom ist es, den Studierenden ein Feedback über ihren Leistungsstand zu geben – schließlich bestreiten sie die Sitzungen der Lehrveranstaltung weitestgehend allein. Bei der Umsetzung des ICM kam es mir deshalb darauf an, Feedbackeinheiten als integrale Unterrichtseinheiten zu implementieren und ein dreigliedriges Modell zu etablieren, welches Lernen in Online- und Offlineumgebungen miteinander verklammert.

Zu den Kernelementen zählen dabei eine Vorbereitung z.B. durch Screencast, der ICM mit “Aktivem Plenum” (vgl. auch hier) und eine Evaluation. Eine Themeneinheit kann so durch Selbststudium, gemeinsames Üben und eine abschließende evaluierende Sitzung erarbeitet werden.

Introduction / Exercise / Evaluation (IEE)

Introduction / Exercise / Evaluation (IEE)

Das Modell Introduction / Exercise / Evaluation (IEE)

Der Dreischritt Introduction / Exercise / Evaluation (IEE) ist als Ergänzung zu den Überlegungen über den Inverted Classroom zu verstehen. Mit diesem Modell verfolge ich das Ziel, die Qualität in der Lehre zu verbessern — eine Hoffnung, der auch Jürgen Handke auf der ICM 2012 im Februar 2012 (Vortrag & Virtuelle Sitzung) Ausdruck verlieh (vgl. dazu auch die vielfältigen Facetten des Konzepts Lernen durch Lehren). Ergänzen möchte ich sein Modell (Phase 1: E-Learning; Phase 2: [E-]Teaching), das er seit einigen Jahren umsetzt, versuchsweise um die dritte Phase Evaluation.

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