Lehre mal anders: Lernen im Flipped Classroom

Ein Beitrag von Alexander Lasch

Seit einigen Semestern stellt der Kieler Sprachwissenschaftler Alexander Lasch die Lehre auf den Kopf. In seinem Blog-Beitrag erklärt er, was ihn am Konzept des Flipped Classroom begeistert. Und wie er – bei aller Freiheit – sicherstellt, dass seine Studierenden gut vorbereitet in die Prüfungen gehen.

Das Modell IEE in der Praxis – was bringt’s?

Mittlerweile unterrichte ich das dritte Semester mit dem Modell IEE im Bachelorstudium der Germanistischen Sprachwissenschaft an der CAU zu Kiel und kann aus den Evaluationen der Seminare folgende Schlüsse ziehen: Der Übergang zu freieren Lehrformaten wie dem ICM polarisiert trotz einer Integration in ein mehrstufiges Modell (IEE) und damit der Sicherung des relevanten Wissens. Der Wunsch nach traditionellen Lehrformaten (um zu übertreiben: Frontalunterricht, „stumpfe Ausarbeitung der Reader-Aufgaben”, scharfe Kontrolle auch von Hausaufgaben) wird unter den Studierenden lauter, je schwieriger das jeweilige zu bearbeitende Thema eingeschätzt wird. Auf aktuelle Fragen und Probleme z.B. des Tagesgeschehens bezogene unterstützende Screencasts in der Phase der Introduction könnten in Bezug auf als schwierig eingeschätzte Themen der Schlüssel sein, um auch für die Erarbeitung komplexerer Themen Anreize zu schaffen.

Die Studierenden haben in beiden absolvierten Kursen gut bis sehr gut und meist etwas besser als ihre Mitstudierenden in anderen Kursen abgeschnitten – eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist dank einer Zentralklausur und formulierten Erwartungshorizonten gegeben. Die Sorgen der Studierenden, möglicherweise auch wegen der offeneren Lernform auf die Klausur nicht ausreichend vorbereitet zu sein, erwiesen sich letztlich angesichts der Ergebnisse als vollkommen unbegründet. Eine offenere Lernumgebung – das kann ich nun beim dritten Versuch sagen – zwingt zur aktiveren Auseinandersetzung mit dem Stoff und führt deshalb auch zu besseren Ergebnissen in Klausuren.

Aus den bisherigen Erfahrungen habe ich aber einen wesentlichen Schluss gezogen: Die kleinschrittige, digital gestützte Lernerfolgskontrolle ist der entscheidende Schlüssel zu erfolgreichem Lehren und Lernen im Inverted Classroom. Wer es wagen möchte, im Inverted Classroom zu unterrichten, muss vorbereitet sein auf unerwartete und schwierige Fragen, muss Geduld mitbringen, um die Studierenden sich dabei selbst zu überlassen, eine Lehrveranstaltung zu organisieren und erfolgreich und zielorientiert zu gestalten. Er wird belohnt mit spannenden Diskussionen, dynamischen Veranstaltungen und einer ganz neuen Sicht auf die akademische Lehre – und auf sich als Lehrenden.


Flipped Classroom/Inverted Classroom zum Nachlesen:

Wer sich für die andere Art des Unterrichtens im Inverted Classroom (IC) interessiert, sollte im Netz z.B. nach den ‚umgedrehten Vorlesungen‘ Christian Spannagels von der PH Heidelberg Ausschau halten oder sich bei Jürgen Handke informieren, der mit dem Virtual Linguistics Campus (VLC) seit Jahren sehr erfolgreich ist und zusammen mit Alexander Sperl 2012 den Sammelband zur ICM 2012 (Das “Inverted Classroom Model”. Begleitband zur ersten deutschen ICM-Konferenz. München: Oldenbourg) herausgab.

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