„Lernen muss keine nervige Pflicht sein“

„Studentische Bildungsinitiativen“ – selbstkonzipierte Lehrveranstaltungen

Ob selbstorganisierte studentische Seminare, Studienprojekte oder campusbezogene Bildungsvorhaben: Seit dem Wintersemester 2014/15 können CAU-Studierende am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) eigene Lernprojekte konzipieren und umsetzen – ECTS-Punkte inklusive. Ein Beispiel für eine solche „Studentische Bildungsinitiative“ ist die philosophische Fachergänzung „Rausch- und Beschleunigung(sgesellschaft)“, die just abgeschlossen worden ist. Zur Präsentation der Arbeitsergebnisse haben die Studierenden sogar eigens ein neues Veranstaltungsformat entwickelt: das „intellektuelle Rumhängen“.

Selbstgesteuertes Lernen – von Studierenden für Studierende – an der CAU etablieren: Das war das erklärte Ziel, als Wibke Matthes am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS)  das neue Modul „Studentische Bildungsinitiativen“ (SB) an den Start gebracht hat. Inzwischen haben bereits mehrere Studierenden-Gruppen ihre Lernprojekte am ZfS abgeschlossen – darunter auch eine philosophische Fachergänzung, die im Mai sogar eine eigene Studierendentagung auf die Beine gestellt hat.

Mehr als ein Semester lang hatten sich die knapp 20 Teilnehmer_innen der Initiative dem selbstgewählten Thema „Rausch- und Beschleunigung(sgesellschaft)“ gewidmet, bevor das Projekt mit der Tagung im Café Impuls (Mensa II) sein Finale feierte. Die als „intellektuelles Rumhängen“ deklarierte Veranstaltung unterhielt ihre Gäste in gemütlicher Atmosphäre mit Vorträgen, Diskussionen, selbstgedrehten Filmen und eigenen Theaterstücken aus ganz unterschiedlichen fachwissenschaftlichen Perspektiven. Passend zur Rausch- und Beschleunigungsthematik gab es dazu Freibier und extrastarken Kaffee nebst einladendem Büffet auf Foodsharing-Basis.

„Lernen muss keine nervige Pflicht sein. Es scheint wirklich so zu sein, dass die Menschen gut sind in den Dingen, die sie wirklich interessieren“, resümiert der Philosophie-Absolvent und Mit-Initiator Christian Steiner. Beim  „intellektuellen Rumhängen“ blickt er gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Olga Grytska auf die gemeinsamen Lern(-Erfahrungen) zurück – und ruft alle Studierenden der CAU dazu auf, einmal selbst (Studentische Bildungs-)Initiative zu ergreifen:

 

Eine Studentische Bildungsinitiative gründen – das Prozedere

Wie alles begann: Als Christian Steiner und sein Kommilitone Thomas Schwalbach  von dem neuen SB-Modul am ZfS erfuhren, begeisterte sie das freie Lernkonzept sofort. Noch ohne ein konkretes Lernthema festgelegt zu haben, sprachen sie in diversen Vorlesungen und Seminaren an der Philosophischen Fakultät vor, um Mitstreiter_innen für ihre Initiative anzuheuern. Mit Erfolg: Bereits beim ersten offiziellen Treffen waren knapp 20 Interessierte mit an Bord – und blieben! Jetzt galt es, einen gemeinsamen Kurs festzuzurren; alles andere als trivial.

Die Studierenden mussten ein detailliertes Konzept entwickeln, das unter anderem eine stundengenaue Aufschlüsselung des erwarteten Workloads beinhaltete. Nur so kann sich eine  Bildungsinitiative offiziell beim ZfS registrieren und nach erfolgreichem Abschluss mit ECTS-Punkten entlohnen lassen. Zwar brauchten die Mitglieder der Philosophischen Fachergänzung etwas Diskussionsfreude, um ihren SB-Antrag schließlich auf den Weg zu bringen, rückblickend meint Christian Steiner aber: „Eine simple Idee ist schon die halbe Miete – wer von seinem Lernvorhaben begeistert ist, kann die Formalia problemlos ertragen und sich rasch ans eigentliche Projekt machen.“

Potentiellen Nachahmer_innen stellt die Philosophische Fachergänzung ihren fertigen Antrag  gern zur Verfügung:

 

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Die Mentorenrolle

Zudem galt es, eine/n Lehrende/n der CAU zu finden, die/der sich als Mentor/in für die Bildungsinitiative zum Thema „Rausch- und Beschleunigung(sgesellschaft)“ verantwortlich zeichnete. „Wie eng das Betreuungsverhältnis ausfällt, handeln die Initiativen dabei individuell mit ihren Mentor_innen aus“, erläutert Wibke Matthes vom ZfS das Konzept.

Im Fall der Philosophischen Fachergänzung übernahm Astrid von der Lühe den Mentoren-Part gern. „Nachdem die Studierenden mir ihr Konzept vorgestellt hatten, begriff ich rasch, was für Möglichkeiten eine solche Bildungsinitiative – gerade in unserem Fach – mit sich bringt“, erläutert die Dozentin vom Philosophischen Seminar der CAU, „die Erfahrung des Symphilosophierens, einen echten Forschergeist und relevante Fragestellungen entwickeln, Lust und Leidenschaft für philosophische Themen entwickeln… – um nur einige zu nennen.“

Außerdem haben die Studierenden aus Sicht ihrer Mentorin gelernt:

  • sich selbst zu organisieren
  • Durchhaltevermögen zu zeigen
  • und – vor allem – einmal selbst aktiv zu werden

„Die Studierenden kamen ganz automatisch raus aus der Passivität regulärer Lehrveranstaltungen; da stand eben kein Dozent, der ihnen sagte, was, warum, in welcher Reihenfolge zu bearbeiten sei“, resümiert die Philosophie-Dozentin, die ihre Bildungsinitiative „einfach nach Bedarf“ begleitet hat: Sobald die Studierenden einen selbst festgelegten Meilenstein im Projekt erreicht hatten, kamen sie zu Frau von der Lühe in die Sprechstunde.

 Prüfungstrio – mit Augsburger Expertise

Bei der Konzeption der Abschlussprüfungen für die Studentischen Bildungsinitiativen war dagegen ein bayrischer Fachmann mit im Boot: Tom Sporer betreut an der Universität Augsburg das sogenannte Begleitstudium, das – ähnlich wie die  Studentischen Bildungsinitiativen in Kiel – darauf abzielt, Engagement in studentischen Praxisprojekten zu fördern. Den Kieler Bildungsinitiativen stand Sporer gern beratend zur Seite und saß sogar persönlich sämtlichen Abschlussprüfungen der Philosophischen Fachergänzung bei. Christina Spalding (ZfS) war die dritte im Bunde, wenn es nach Abschluss der Initiative galt, 45-minütige Prüfungsgespräche mit den Teilnehmer_innen zu führen.

Ja, so viel Zeit nahm sich das Prüfungstrio tatsächlich für die mündliche Abschlussprüfung jeder/s Einzelnen. Im Rahmen der Prüfungen sollten die Studierenden …

  • einen 10-minütigen Vortrag über das Lernen in der Philosophischen Fachergänzung halten
  • individuelle Prüfungsfragen beantworten
  • und nach einem Beratungsgespräch der Prüfer_innen ein ausführliches Feedback erhalten.

Um die Prüfungsinhalte transparent zu machen, entwarf Wibke Matthes – ebenfalls mit Tom Sporers Unterstützung – ausführliche Kompetenzüberblicke und Fragebögen als Prüfungsgrundlage. Gern stellt sie die Dokumente Interessierten zur Verfügung und wünscht sich, mit anderen Lehrenden in den Autausch über ihre Konzepte zu treten. Schicken Sie Feedback und Vorschläge zur Weiterentwicklung/Ausdifferenzierung gern jederzeit an:

matthes@zfs.uni-kiel.de

 

„Rausch & Beschleunigung(sgesellschaft)“ – die Studierendentagung

Schließlich fand am 6. Mai die studentische Tagung mit einer Präsentation der Arbeitsergebnisse der Philosophischen Fachergänzung statt. Die Powerpoint-Präsentation zum philosophiegeschichtlichen Vortrag über Muße können wir hier exemplarisch im PDF-Format zur Verfügung stellen:

 

Kontakt

Wibke Matthes
Praxismodulkoordinatorin, stellv. Leitung der Fachergänzung am ZfS

Telefon: +49 431 880 1407
Email: matthes@zfs.uni-kiel.de

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