Masterstudiengänge für Literatur und Medien erneuert

Praxisanbindung & Eigenständigkeit im Fokus

Das Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien (NDL) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat zwei seiner Masterstudiengänge umgekrempelt. Dadurch haben sowohl Studierende im Medienwissenschaftsmaster als auch im Zwei-Fach-Masterstudiengang Deutsch seit diesem Semester Gelegenheit, deutlich praxisnähere Lernerfahrungen zu sammeln.

Text: Johanna Rädecke (Studentin)

 

Dr. Ingo Irsigler ist Lehrkraft am Institut für NDL an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – und hat in den letzten zwei Jahren aktiv an der Umstrukturierung mitgewirkt. „Literatur- und Kulturvermittlung sind neue Schwerpunkte im Master „Deutsch:  Gegenwartsliteratur / Literaturvermittlung“ und fordern einen höheren Praxisbezug geradezu heraus. Es geht um Möglichkeiten für die Absolventinnen und Absolventen, in bestimmten Berufen Fuß zu fassen“, begründet er die Neuerungen.

Für den Master  „Medienwissenschaft: Film und Fernsehen“ können sich alle Interessierten bewerben, die ein Bachelorstudium mit medienwissenschaftlichen Anteilen absolviert haben. Praxisanteile gibt es in diesem Fach seit langem, doch mit der neuen Studienordnung wurden diese stärker gegliedert und intensiviert. Dadurch ist die Praxis nicht mehr abhängig von Dozentinnen und Dozenten, sondern ab sofort fest in den Studienverlaufsplan integriert. Neben der „klassischen“ Wissensvermittlung in Vorlesungen und Seminaren, gibt es nun ein obligatorisches Praxismodul, in dessen Rahmen sich Studierende eigenständig mit einem gewählten Thema auseinandersetzen und anschließend tatsächlich Filme produzieren. „Die thematischen Schwerpunkte bleiben natürlich den Dozentinnen und Dozenten selbst überlassen“, so Irsigler.

Wunsch nach mehr Praxisbezug geht von den Studierenden selbst aus

Auch forschungsbasierte Wissensvermittlung, bei der Studierende wichtige fachmethodische Kompetenzen erwerben, steht durch die neue Studienordnung stärker im Fokus. Zugleich nimmt die Vorbereitung auf den Berufseinstieg einen größeren Stellenwert in den neuen Masterstudiengängen ein. „Wir wollen nicht nur auf die Wissenschaft vorbereiten, sondern auch auf einen späteren Beruf“, erklärt Dr. Irsigler. Hierfür sei das angebotene Praxismodul sowohl in der Medienwissenschaft als auch in Deutsch essentiell. In den vergangenen Semestern haben Studierende in praxisorientierten Pilotveranstaltungen beispielsweise einen eigenen Sammelband mit Forschungsansätzen konzipiert und publiziert oder eigene Dokumentarfilme gedreht, die anschließend im Kino in der Pumpe gezeigt wurden. Die Öffentlichkeitswirksamkeit ist dementsprechend ebenfalls ein wichtiger Aspekt des Moduls. „Die Öffentlichkeit soll einen Einblick bekommen, was an der Uni passiert. Deswegen werden Ergebnisse wie zum Beispiel Filme am Ende des Seminars öffentlich präsentiert.“

Der Masterstudiengang vermittelt seinen Studierenden Me­dienkompetenz auf der Grundlage fachwissenschaftlicher Kenntnisse. Dabei werden Theorien nicht nur vermittelt, sondern auch in der Praxis angewendet und überprüft. Schwerpunkt sind Film und Fernsehen, doch auch andere Medien wie beispielsweise Youtube werden näher untersucht. „Das Fernsehen verändert sich in seiner Struktur und viele Angebote wandern ins Internet ab. Natürlich wird auch das zukünftig ein Thema in unserem Masterstudiengang sein“, erklärt Dr. Irsigler, der 2014 das durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation geförderte Projektseminar „Deutscher Buchpreis“ leitete.

 

Hands on: Im Pilotprojekt haben 18 Kieler Studierende zusammen mit zwei Dozenten ein eigenes Sachbuch herausgebracht: Auf der Frankfurter Buchmesse durfte das Team sein knapp 300 Seiten starkes Gemeinschaftswerk »Spiel, Satz und Sieg. Zehn Jahre Deutscher Buchpreis« der Öffentlichkeit präsentieren.

 

Die zwei neuen Masterstudiengänge am Institut für NDL zeigen einen Trend hin zu stärkeren Praxisbezügen, der laut Dr. Irsigler von den Studierenden selbst ausgeht: „Prinzipiell sollten sich alle Studiengänge mit der Frage auseinandersetzen, wie sie mehr Praxis anbieten können. Die Klage, das Studium sei zu theoretisch, kommt immer häufiger. Dass verpflichtende Praxismodule die ultimative Lösung sind, bezweifle ich jedoch stark. Dafür sind die Fächer zu unterschiedlich. Eine Überlegung ist es jedoch wert“.

 

Kontakt

Dr. Ingo Irsigler
iirsigler@ndl-medien.uni-kiel.de
Tel.: 0431-880 2328

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