Mehr Praxisbezug im Geographiestudium

Studierende erhalten Einblicke in Arbeitsalltag von Geographen

Wir vom Geographischen Institut sind immer daran interessiert, unsere Lehre zu verändern und mit den Interessen unserer Studierenden abzugleichen. Schon seit einer gewissen Zeit ist uns zugetragen worden, dass eine bessere Einbindung der Berufspraxis von Geographen ins Studium gewünscht sei. Dieses Anliegens der Studierenden haben wir uns gern angenommen und Unterstützung beim PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefunden. So wurde das Projekt „Verbesserung der Praxisorientierung im Bachelorstudium Geographie“ ins Leben gerufen. In einer Blogreihe wollen wir nun zeigen, wie wir uns dieser Aufgabe gestellt haben und welche Verbesserungen wir erreichen konnten.

Text: Lars Bührmann
Projektteam

 

Bislang ist der einzige Berührungspunkt der Geographiestudierenden mit dem Berufsleben von Absolventinnen und Absolventen ein obligatorisches dreimonatiges Berufspraktikum. Der erste logische Schritt für uns war, die Betreuung dieses Praktikums einmal näher zu betrachten. Unser besonderes Augenmerk lag dabei auf der Prüfungsleistung, bei welcher sich einige Verbesserungsmöglichkeiten zeigten.

Der bisherige Prüfungsmodus zum dreimonatigen Berufspraktikum sah vor, dass die Studierenden im Anschluss an ihr Praktikum vier verschiedene Dokumente abgeben mussten. Diese waren einzeln und ausgedruckt bei der Studienkoordination einzureichen. Daraufhin folgte ein verpflichtendes Gespräch über die geleistete Arbeit und die gesammelten Erfahrungen.

Da die Studierenden ihr Praktikum meist in einem späteren Stadium des Studiums ableisten, kam es des Öfteren vor, dass sie zum Zeitpunkt der persönlichen nachbesprechung nicht mehr in Kiel wohnten. Das bedeutete, dass sie mitunter aus weiter entfernten Orten nur für dieses Gespräch nach Kiel reisen mussten.

Auch für die Studienkoordination war die bisherige Vorgehensweise nicht immer praktisch: Die Taktung der ohnehin stark frequentierten Sprechstunden wurde durch die Praktikumsgespräche noch enger, Vor- und Nachbereitungen brachten zudem einen immensen Aufwand mit sich, falls die abgegeben Dokumente fehlerhaft oder unvollständig waren. Ein Überarbeitungsmechanismus war bislang nicht eingeplant. Ein digitales Abgabesystem, in dem die Studienkoordination dennoch eine Möglichkeit hätte, Korrekturen vorzunehmen, erschien uns von Anfang an als optimale Lösung.

Problematisch war außerdem, dass die abgegebenen Erfahrungsberichte bislang nur in nicht-digitaler Fassung im Büro der Studienkoordination zu finden waren. Da die Berichte aber potenziell von Studierenden zur Suche eigener Praktikumsplätze genutzt werden könnten, war dies ein weiteres anzugehendes Problem.

Um auf die vorhandenen Problematiken einzugehen und uns dem Ziel einer besseren Praxisanbindung zu nähern, wollten wir eine Vorgehensweise finden, von der sowohl die Studienkoordination als auch die Studierenden gemeinsam profitieren. Daher haben wir uns dazu entschieden, die Abgabe der Prüfungsleistungen auf Basis von OpenOLAT neu zu gestalten.

Nach dem Ableisten des Praktikums müssen sich die Studierenden ab sofort zuerst in einen frei zugänglichen OLAT-Kurs einwählen. Hier sind die Funktionen des Abgabeprozesses und die Archivierung der neu gestalteten Praktikumsberichte durch verschiedene Kursbausteine geregelt.

 

Der Praktikumsbericht der ehemals aus vier verschiedenen Elementen bestand, wurde zu einem einzigen Dokument zusammengefügt. Darin geben die Studierenden typische Formalien an, wie beispielsweise den Namen der Firma, die Art der Vergütung und Details zu besonderen Rahmenbedingungen (z.B. Visa etc.). Darauf folgt die individuelle Bewertung des Praktikums in Bezug auf die gesammelten Erfahrungen, aber auch eine Selbstreflexion der Studierenden. Weiterhin wird ab sofort genau abgefragt, welche Kompetenzen sich die Studierenden angeeignet oder angewandt haben (fachlicher, methodischer oder sozialer Art). Beim Erstellen dieses Fragebogens haben wir darauf geachtet, den Studierenden möglichst viel Möglichkeit zur eigenen Reflexion des abgeleisteten Praktikums zugeben. Jedoch wurde auch beachtet, dass potenzielle Leserinnen und Leser sich schnellstmöglich ein Bild über den Praktikumsgeber machen können. Dabei steht das erste Mal im Vordergrund, ob im Studium gelerntes auch wirklich im Praktikum angewendet werden konnte und welche Verbindungspunkte es zwischen dem Unialltag und der späteren Arbeitswelt gab.

Für die Lehrenden ergab sich bei der Konzeption des Fragebogens ein weiterer Vorteil: Wenn gewollt, können alle Antworten im xls.-Format exportiert werden, da das PDF als Formular angelegt ist. Diese Option wird besonders dann interessant, wenn von einem Praktikumsgeber mehrere Berichte vorliegen und sich hieraus deskriptiv-statistische Auswertungen für Studierende als hilfreich erweisen können.

 

Bild 1: Abgabeprozess

 

Auch der Abgabeprozess wurde neu gestaltet. Nun muss nur noch ein einziges Dokument heruntergeladen, digital ausgefüllt und mit dem Praktikumszeugnis wieder in den OLAT-Kurs hochgeladen werden. All diese Schritte werden den Studierenden in jeder Einzelheit erklärt. Bild 1 zeigt den gesamten Abgabeprozess auf der Seite des Studierenden. In der Zuweisungsphase erhält der Prüfling die Möglichkeit den Praktikumsbericht herunterzuladen. Gleichzeitig öffnet sich der nächste Schritt. In der ersten Abgabe müssen nun der ausgefüllte Fragebogen und eine eingescannte Version des Praktikumszeugnisses hochgeladen werden. Sobald dies erfolgt ist, erhält der/die Prüfer*in die erste Mitteilung, kann sich die abgegebenen Formulare herunterladen und auf mögliche Mängel untersuchen. Wenn keine vorliegen, kann die Prüfung bereits jetzt als bestanden gewertet werden. Falls es Korrekturbedarf gibt, können Prüflinge dies sofort am Abgabeprozess ablesen. Sofern Verbesserungsmöglichkeiten vorhanden sind, kann der/die Prüfer*in dies durch Kommentare im Formular selbst und durch eine kurze Nachricht im OLAT-Kurs kennzeichnen. Ein Einzelgespräch ist von nun an nicht mehr vorgesehen, da die gesamte Kommunikation von nun an via OLAT funktioniert.

Nach der bestandenen Abgabe wird die Studienkoordination von nun an eine anonymisierte Version des Praktikumsberichts in die Archiv-Sektion (Bild 2) des OLAT-Kurses hochladen. Dieses Archiv ist in Branchen unterteilt, welche auch von Praktikumsbörsen genutzt werden. Hier können Studierende frei auf alle in diesem neuen Prozess abgegebenen Berichte zugreifen. Der zentrale Vorteil zum ehemaligen Vorgehen ist, dass die Studierenden die Praktikumsberichte zur Inspiration gemütlich von zu Hause aus eingesehen können. Damit können Studierende unmittelbar von den praktischen Erfahrungen ihrer Kommilitonen und Kommilitoninnen profitieren und diese in ihre Praktikumswahl einbeziehen.

 

Bild 2: Berichtarchiv

 

Die Verbesserungen im Überblick: Die Prüfungsleistung ist für die Studierenden transparenter geworden, gleichzeitig können sie ab sofort einfacher von den Erfahrungen ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen profitieren. Die Online-Abgabe der nötigen Formulare hat einerseits die Sprechstunden der Studienkoordination entlastet, aber auch Studierenden die Möglichkeit gegeben, die Abgaben selbstbestimmter zu leisten. Weiterhin haben wir gewährleistet, dass die Auswahl eines Praktikumsplatzes, einfacher vonstatten gehen kann. Studierende können direkt sehen, in welchen Bereichen Absolventen unseres Studiengangs eingesetzt werden können – und dadurch beurteilen, inwieweit die gelehrten Inhalte in der Praxis jeweils wiederzufinden sind. Schon jetzt wird der neue Prüfungsmodus eingesetzt und stößt bisher auf große Zustimmung.

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